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Veröffentlicht: 07.01.2016, 11:27 Uhr

Übergriffe in Köln So schildern Polizeibeamte die Silvesternacht

Neue Berichte von Polizeibeamten über die Schreckensnacht von Köln zeichnen ein dramatisches Bild von den Übergriffen auf Frauen. Demnach waren die Polizisten hoffnungslos in der Unterzahl gegenüber Gruppen stark alkoholisierter männlicher Migranten.

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© dpa Festnahme in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof

Der Druck auf die Kölner Polizei und ihre Führung nimmt zu. Noch am Dienstag wiederholte Polizeipräsident Albers bei einer Pressekonferenz, die Polizei sei „mit starken Kräften" in der Silvesternacht im Einsatz gewesen.

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Die internen Berichte von Polizeibeamten, die nun bekannt geworden sind, zeichnen ein anderes Bild: Ein Ermittler sagte im Kölner „Express“, man habe in der Nacht immer wieder verzweifelt um zusätzliche Kräfte gebeten und Unterstützung angefordert, ohne Erfolg.

In welchem Maß die Polizei in der Silvesternacht überfordert mit der Situation war, zeigt ein interner Erfahrungsbericht, den die „Bild“-Zeitung veröffentlicht hat und aus dem auch „Der Spiegel“ zitiert.

Demnach wurden Zeugen bedroht, die Täter benennen wollten, und Polizeibeamte wurden durch Menschenringe behindert, zu Opfern durchzudringen. Der leitende Beamte, dessen Bericht zitiert wird, ist überzeugt, es hätte an dem Abend Tote geben können. Aus Kölner Polizeikreisen erfuhr FAZ.NET, dass die Berichte authentisch sind.

Der bisherige zeitliche Ablauf der Nacht, den die Polizeiführung und Augenzeugen schilderten, wird durch die neuen Berichte bestätigt. In der Silvesternacht wurden in Köln Dutzende Frauen sexuell attackiert, verletzt und bestohlen. Mehr als hundert Anzeigen sind inzwischen bei der Polizei eingegangen. Dem  Bericht zufolge wurden die Polizisten während der Räumung des Platzes zwischen Dom und Hauptbahnhof mit Flaschen beworfen und Feuerwerkskörpern beschossen. Die Räumung war gegen 0.15 Uhr abgeschlossen.

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Wie es in dem internen Bericht des leitenden, aber namentlich nicht genannten Beamten heißt, suchten in der Silvesternacht bedrängte Frauen Schutz bei der Polizei. „Im Einsatzverlauf erschienen zahlreiche weinende und schockierte Frauen/Mädchen bei den eingesetzten Beamten und schilderten sexuelle Übergriffe durch mehrere männliche Migranten/-gruppen“, schreibt der Leiter einer Hundertschaft, die an den Einsätzen beteiligt war. Wiederholungstäter konnten aufgrund einer „Kapazitätsgrenze in der Dienstelle“ nicht in Gewahrsam genommen worden.

„Frauen mit Begleitung oder ohne durchliefen einen im wahrsten Sinne Spießrutenlauf durch die stark alkoholisierten Männermassen“, heißt es in den Bericht weiter. Da die Polizei „nicht jedem Opfer einer Straftat helfen und den Täter dingfest machen konnte, kamen die eingesetzten Beamten an die Grenze zur Frustration“. Der Polizist beklagt in dem Bericht eine viel zu geringe Zahl eingesetzter Beamter. Alle eingesetzten Polizisten seien „ziemlich schnell an die Leistungsgrenze gekommen“. Die Kölner Polizei wollte sich zunächst nicht zu dem Bericht äußern.

Bericht widerspricht Darstellung von Oberbürgermeisterin und Polizeichef

Die neuen Berichte sind politisch brisant. Die Kölner Oberbürgermeisterin und ihr Polizeipräsident betonten zuletzt abermals, dass es keinerlei Hinweise darauf gebe, dass Flüchtlinge an den Ausschreitungen beteiligt gewesen sein sollen. Der Polizist hingegen schreibt in seinem Bericht, ein Mann, der im Chaos der Silvesternacht zunächst festgesetzt worden sei, habe vor den Augen von Polizeibeamten seinen Aufenthaltstitel zerrissen und gesagt: „Ich bin Syrer, ihr müsst mich freundlich behandeln. Frau Merkel hat mich eingeladen.“

Der Polizei-Insider, den der „Express“ zitiert, will in Gesprächen mit Sanitätern und Notärzten bestätigt bekommen haben, dass es sich „zum Teil um Asylbewerber gehandelt hat“. Unter den 15 in der Nacht vorläufig festgenommenen Personen sollen, so der vom „Express“ zitierte Beamte, 14 Menschen aus Syrien und Afghanistan stammen. Sie hätten „Aufenthaltsbescheinigungen zur Durchführung des Asylverfahrens“ bei sich gehabt. Bestätigt würde das durch Sammellisten, die aber zum jetzigen Zeitpunkt „unter Verschluss und geheim“ seien.

Durch das Herausstellen der Anwesenheit von Flüchtlingen wird der Eindruck erweckt, sie seien auch an den Taten beteiligt. Sollten die Angaben des Polizisten stimmen, ist dagegen nur bewiesen, dass sie zunächst festgesetzt wurden.

Der Unmut unter den Streifen- und Bereitschaftspolizisten in Köln ist groß. Nach der Kritik von Innenminister de Maizière, die Polizisten hätten zu passiv agiert, wollen manche das Bild gerade rücken. Auch das Protokoll, das die „Bild“-Zeitung zitiert, zeigt weniger die Passivität der Polizei als ein strukturelles Versagen auf Organisationsebene. Der Polizist betont, die Beamten seien in „schwerer Schutzausstattung und behelmt von 21:45 Uhr bis 07:30 Uhr“ im Einsatz gewesen, „ohne die Leistungsbereitschaft und den Leistungswillen zu verlieren“.

121 Anzeigen und 16 Tatverdächtige

Unterdessen ist die Zahl der Strafanzeigen in Köln wegen Taten in der Silvesternacht rund um den Hauptbahnhof auf 121 gestiegen. Die Ermittler hätten bislang 16 Verdächtige ausgemacht, die mit den Taten in Zusammenhang stehen könnten, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Die meisten Verdächtigen seien zwar noch nicht namentlich bekannt, aber auf Bild- oder Videoaufnahmen klar erkennbar.

Bei etwa drei Viertel der angezeigten Taten hätten die Opfer angegeben, auch sexuell bedrängt worden zu sein. In zwei Fällen seien Vergewaltigungen angezeigt worden. Augenzeugen und Opfer hatten nach den Übergriffen ausgesagt, die Täter seien dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft.

© dpa, reuters Köln: Polizei ermittelt nach Übergriffen erste Verdächtige

Quelle: FAZ.NET

 

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