18.05.2008 · Für Rot-Grün handelte sie einst den Atomausstieg aus, jetzt wechselt sie zur anderen Seite: Margareta Wolf, frühere grüne Staatssekretärin im Umweltministerium, wirbt jetzt als PR-Beraterin für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken.
Die Grünen-Bundestagsfraktion hat mit harscher Kritik auf den Wechsel der früheren Abgeordneten Margareta Wolf zu einer Unternehmensberatung mit PR-Mandat für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken reagiert. „Wenn sie noch meine Staatssekretärin wäre, wäre sie heute entlassen worden“, erklärte Fraktionsvize Jürgen Trittin am Wochenende in Berlin.
Wolf ist unter anderem mit einem PR-Mandat für längere Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke befasst, wie die Kommunikationsberatung Deekeling Arndt Advisors der Nachrichtenagentur AP bestätigte.
Vertreterin des Grünen-Wirtschaftsflügels
Wolf war unter dem früheren Umweltminister Trittin dessen Parlamentarische Staatssekretärin. Ende 2007 hatte sie ihr Bundestagsmandat zurückgegeben. Sie galt als Vertreterin des wirtschaftsliberalen Flügels der Grünen.
Wolf ist nicht die erste Grünen-Politikerin, deren Wechsel in die Wirtschaft Irritationen ausgelöst hat. Ex-Agrar-Staatssekretär Matthias Berninger wechselt als Manager zu einem Genussmittelkonzern, die frühere Grünen-Abgeordnete Marianne Tritz wurde Chefin des Deutschen Zigarettenverbandes.
Trittin verwies am Wochenende in Berlin auf die Risiken, die die Nutzung der Kernkraft mit sich bringe. Sehr viel spreche dafür, die Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke zu verkürzen, nichts aber dafür, sie zu verlängern.
Mandat für Informationskreis Kernenergie
Ein Sprecher der Kommunikationsberatung betonte allerdings, Wolf werde nur „bedarfsweise hinzugezogen“ und sei bei dem Mandat „in keiner Weise federführend“. Die 50 Jahre alte Ex-Politikerin aus dem hessischen Groß-Gerau hat nun unter anderem mit dem Mandat für den Informationskreis Kernenergie zu tun, wie der Sprecher von Deekeling Arndt Advisors bestätigte.
Ziel des Mandats sei es, die Stimmung für eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten zu verbessern. Dem Informationskreis Kernenergie gehören die Betreiber der deutschen Atomkraftwerke an.