Home
http://www.faz.net/-gpf-75hf3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Trauerfeier für Peter Struck „Ein unwahrscheinlich guter Kamerad“

Geradlinig, verlässlich, ein Parlamentarier durch und durch und ein Freund der Soldaten: Mit teils sehr persönlichen Würdigungen haben sich Bundeswehr, Parteifreunde und seine Familie von Peter Struck verabschiedet.

© dpa In Uelzen: Ehrenwache neben dem Sarg des verstorbenen ehemaligen Verteidigungsministers Peter Struck (SPD) in der Sankt Marienkirche

Mit einer bewegenden Trauerfeier haben die Familie, Freunde sowie die Spitzen von Bundeswehr und SPD Abschied vom früheren Verteidigungsminister Peter Struck genommen. „Peter Struck hat sich um unser Vaterland verdient gemacht“, sagte Amtsnachfolger Thomas de Maizière (CDU) am Donnerstag in der St. Marien-Kirche in Strucks niedersächsischer Heimatstadt Uelzen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier würdigte Struck als äußerst verlässlichen Parlamentarier, der tiefe Spuren im Bundestag hinterlassen habe.

Trauerfeier fuer Peter Struck Bundestagspräsident Norbert Lammert, Verteidigungsminister Thomas de Maizière und seine Frau Martina, Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine … © dpa Bilderstrecke 

Der am 19. Dezember im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt gestorbene Struck war von 1998 bis 2002 Fraktionsvorsitzender der SPD, dann von 2002 bis 2005 Verteidigungsminister und von 2005 bis 2009 noch einmal vier Jahre in der großen Koalition Fraktionsvorsitzender. Der 1964 in die SPD eingetretene „Mann mit der Pfeife“ saß von 1980 an insgesamt 29 Jahre im Bundestag. Nach seinem Ausscheiden war er bis zu seinem plötzlichen Tod Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung.

Das Wachbataillon der Bundeswehr und das Heeresmusikkorps gaben Struck ein großes militärisches Ehrengeleit. Vor der Kirche wurde nach dem Heraustragen des Sarges auf der Trompete zum Abschied „Ich hatt’ einen Kameraden“ gespielt. Zu den Trauergästen gehörten die SPD-Altkanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder, der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der Unions-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder, die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).

Ein unvergessener Satz

De Maizière sagte, Struck habe sich nie nach dem Amt des Verteidigungsministers gesehnt, aber es dann mit großem Einsatz ausgeübt und sich der schweren Aufgabe des Afghanistan-Einsatzes mit den ersten gefallenen deutschen Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg gestellt. Er habe mit seinen verteidigungspolitischen Leitlinien 2003 Maßstäbe gesetzt. Unvergessen bleibe sein Satz: „Deutschlands Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt.“ Mit dieser zugespitzten Formulierung sei es ihm gelungen, die manchmal zähe sicherheitspolitische Debatte zu beleben, sagte de Maizière.

Struck habe stets zu seiner Verantwortung für den Einsatz gestanden, der zu einem Kampfeinsatz geführt habe. „Diesen steinigen Weg ging Peter Struck gemeinsam mit der Bundeswehr. Er führte sie, auch und vor allem in den schwersten Stunden“, sagte de Maizière. „Er war ein Typ: knorrig, rauh, herzlich, direkt, humorvoll - auch scharf“. Struck habe sich nicht geschont und dafür einen hohen Preis gezahlt, sagt de Maizière mit Blick auf einen früheren Schlaganfall.

Ein ehernes Gesetz

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Steinmeier würdigte Strucks große Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und Geradlinigkeit. Er sei ein Mensch voller Pflichtbewusstsein gewesen, der Verantwortung überaus ernst genommen habe. „Politische Schauspielerei war seine Sache nicht. Der politische Laufsteg, das war nicht Peters Welt. Sein politisches Zuhause war das Parlament“, sagte Steinmeier.

Unvergessen sei das „Strucksche Gesetz“, wonach kein Gesetz den Bundestag so verlasse, wie es von der Regierung eingebracht werde. Ihm sei daran gelegen gewesen, einen Hochmut der Exekutive im Zaum zu halten, betonte Steinmeier. „Er war gewieft, aber er hat nicht getrickst“, sagte Steinmeier, der auch die Verdienste Strucks als Verteidigungsminister würdigte. Struck sei ein äußerst verlässlicher, direkter Partner gewesen. „Für Absprachen mit ihm bedurfte es nicht stundenlanger Abendessen mit Umkreisung des Problems“, so Steinmeier.

„Ein Glücksfall für die Demokratie“

Ihm sei es nie um Triumph oder Demütigung gegangen. „Im Gegenteil: Es ging um Lösungen, die über den Tag hinaus tragen.“ Struck sei ein großartiger Mensch gewesen. „Peter Struck war ein Glücksfall für die parlamentarische Demokratie in Deutschland.“ Die SPD verliere einen großen Sozialdemokraten: „Peter, wir werden Dich vermissen“.

Der frühere Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, würdigte Struck als Mann, dem es nie um Pathos gegangen sei, sondern dessen Wirken vor allem von Ethos getragen gewesen sei. Er sei stets loyal gewesen, aus Gesprächen sei nie etwas nach draußen gedrungen, ihm sei es nie um oberflächliches Buhlen um Beliebtheit gegangen. Schneiderhan, der im Zuge der Kundus-Affäre von Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) entlassen worden war, berichtete, wie er sich in dieser Zeit mit Struck beraten habe. Das Auftreten als Rauhbein sei eine Schutzmauer gewesen. Er sei „ganz nah am Wasser gebaut“ gewesen, sagte Schneiderhan. Der Tod von Soldaten sei ihm sehr nahe gegangen.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET mit dpa

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Aufbau der Bundeswehr Der Knobelbecher knallt doch viel besser

Der Band über den Bundestagsausschuss für Verteidigung versammelt viele handfest-anschauliche Aussagen über den neuen Soldaten als Staatsbürger in Uniform- im Vergleich mit der früheren Wehrmacht ist eigentlich kein Stück geblieben, nicht einmal die Wäsche, sagte Adolf Heusinger. Mehr Von Daniel Koerfer

27.07.2015, 09:50 Uhr | Politik
G7-Außenministertreffen Steinmeier würde Rückkehr Russlands in G8-Kreis begrüßen

In Lübeck ist das Treffen der G7-Außenminister zu Ende gegangen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hofft auf eine Rückkehr Russlands zu den Treffen der führenden Industriestaaten im G8-Format. Damit dies möglich werde, müsse die Regierung in Moskau allerdings erst die Voraussetzungen erfüllen, sagte Steinmeier. Mehr

16.04.2015, 10:43 Uhr | Politik
Von der Leyen in Tunesien Der Terror fordert uns heraus

Nach den Terroranschlägen auf das Nationalmuseum und Touristen sichert die deutsche Verteidigungsministerin bei ihrem Besuch in Tunesien den Gastgebern militärische Ausrüstung zu. Auch will Berlin helfen, die 500 Kilometer lange Grenze zu Libyen zu sichern. Mehr Von Johannes Leithäuser, Tunis

29.07.2015, 16:41 Uhr | Aktuell
BND-Affäre De Maizière: Von Vorwürfen gegen mich bleibt nichts übrig

Bundesinnenminister Thomas de Maizière sieht sich in der BND-Affäre entlastet. Anders als in Medien berichtet, habe er als Kanzleramtsminister 2008 nichts über Suchbegriffe des amerikanischen Geheimdienstes NSA zum Zwecke der Wirtschaftsspionage erfahren, sagte der CDU-Politiker nach einer Befragung im Geheimdienst-Kontrollgremium des Bundestages. Mehr

07.05.2015, 09:35 Uhr | Politik
Die Türkei und die PKK Steinmeier warnt vor Ende des Friedensprozesses

Außenminister Steinmeier hat die türkische Regierung aufgefordert, am Friedensprozess mit der Kurden-Partei PKK festzuhalten. Aktuell sei eine Auseinandersetzung Gift. Die Bundeswehr koordiniert sich derweil mit der türkischen Armee. Mehr

27.07.2015, 14:22 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 03.01.2013, 14:05 Uhr

Ausverkauf deutscher Interessen

Von Reinhard Müller

Von der Pariser Forderung nach einer Vergemeinschaftung europäischer Sozialkosten bis hin zur Rüstungsindustrie: Es droht ein Ausverkauf deutscher Interessen. Mehr 15