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Transplantationsmedizin : Organversagen

Änderungsbedarf gab es und gibt es weiterhin: Die vergangene schwarzgelbe Regierung hat entschieden, Verstöße gegen das Transplantationsgesetz schärfer zu ahnden. Vielen reicht das nicht. Bild: dpa

Weil Elke K. eine Spenderniere braucht, wendet sie sich an das Transplantationszentrum der LMU München. Doch der Arzt streicht sie von der Warteliste. Nach welchen Kriterien? Die Frage beschäftigt auch den Bundestag.

          Als Ingo K. den Brief gelesen hatte, vermerkte er am Rand erst einmal das Eingangsdatum, so als habe er sich vom korrekten Geschäftsgang eine beruhigende Wirkung erhofft: 11. August 2012. In zwei knappen Absätzen hatte ihm der Chirurgische Leiter des Transplantationszentrums München der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) mitgeteilt, dass eine Transplantation der Niere seiner Ehefrau Elke „definitiv nicht durchgeführt“ werde.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Zur Begründung hatte der Mediziner auf eine E-Mail verwiesen, die ihm Ingo K. am 7. August geschrieben hatte. „Aufgrund Ihrer unverhohlenen Drohung“ in dieser Mail „ist eine vertrauensvolle Behandlung Ihrer Ehefrau an unserem Zentrum nicht mehr möglich“, stand in dem Brief.

          Seit vielen Jahren schon begleitet K. seine Ehefrau durch alle klinischen Höhen und Tiefen. Die 43 Jahre alte Frau hat Lupus erythematodes, eine Autoimmunerkrankung, die ihre Nieren versagen ließ. Die erste große Hoffnung von Elke K. war die Lebendspende ihrer Mutter. Doch auch das Spenderorgan versagte bald. Mehrere Fachmediziner rieten Frau K. deshalb, sich an ein Transplantationszentrum mit Erfahrung für Fälle wie ihrem zu wenden.

          Im März 2010 auf die Warteliste gesetzt

          Im März 2010 nahm sie das Transplantationszentrum München der Ludwig-Maximilians-Universität auf seine Warteliste. Im August 2011 schien es so weit zu sein. Sie bekam einen Anruf aus München. Doch bei der sogenannten Kreuzprobe stellte sich dann die Unverträglichkeit des vorhandenen Spenderorgans heraus.

          Weil sich der Gesundheitszustand seiner Frau zusehends verschlechterte, entschloss sich Ingo K. prüfen zu lassen, ob er seiner Frau eine Niere spenden könne. Wieder fuhren die beiden nach München. Doch der zuständige Chirurg für Nieren- und Pankreastransplantationen teilte den Eheleuten kurz nach dem Untersuchungstermin im Juni 2012 mit, dass die Klinik eine Lebendtransplantation ablehne.

          Wegen der langen Wartezeit stehe für Elke K. mit großer Wahrscheinlichkeit in Kürze ein Spenderorgan zur Verfügung. Außerdem bestünden für ihren Mann, wie bei jeder Lebendspende, gesundheitliche Gefährdungen. Ingo K. fand, dass man ihm trotzdem das Ergebnis der Untersuchung mitteilten sollte. Schließlich waren er und seine Frau nach München gereist, weil er überprüfen lassen wollte, ob er überhaupt als Spender in Frage komme.

          Elke K. „nicht transplantabel“

          In den folgenden Tagen schrieb K. mehrere E-Mails an die Klinik, ohne eine für ihn befriedigende Antwort zu erhalten. Am 7. August 2012 schließlich wandte er sich direkt an den Arzt und fragte ihn, warum er und seine Frau einen Termin zur Verträglichkeitsprüfung bekommen hatten, obwohl doch offenbar schon festgestanden habe, dass eine Lebendspende nicht möglich sein werde. Dann schrieb er noch: „Ich nehme an, dass ich mich mit der Beantwortung meiner Fragen nicht an die Klinikleitung bzw. die KV (Kassenärztliche Vereinigung, Anmerkung der Redaktion) o.ä. wenden muss.“

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