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„Totalisierung der Erwerbsarbeit“ : Blüm warnt vor Unterwerfung der Familie unter den Beruf

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung warnt Norbert Blüm vor einer Unterordnung der Familie unter wirtschaftliche Interessen. Unterstützt wird der ehemalige Arbeitsminister von führenden Unionspolitikern.

          Der langjährige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) hat vor einer Unterordnung der Familie unter wirtschaftliche Interessen gewarnt. Führende Politiker von CDU und CSU unterstützen ihn. In einem Beitrag für die F.A.S. schreibt Blüm: „Die angeblich freie Wahl zwischen Familien- und Berufsarbeit ist zugunsten der Berufsarbeit entschieden.“ Der CDU-Politiker kritisiert: „Arbeit ist nur Arbeit, wenn sie Erwerbsarbeit ist - so borniert ist man nie zuvor gewesen.“

          Blüm, der 16 Jahre lang Arbeitsminister im Kabinett von Bundeskanzler Helmut Kohl war, wendet sich gegen die Abschaffung des Ehegattensplittings und sagt voraus, dass der Wegfall der beitragsfreien Mitversicherung von Ehefrau und Kindern in der Sozialversicherung ebenso wie die Abschaffung der Witwenrente bevorstehe.

          Norbert Blüm

          Zudem kritisiert er das neue Scheidungsrecht. Dieses sei die Spätfolge einer „Totalisierung der Erwerbsarbeit“ und bestrafe Frauen, die zugunsten der Familienarbeit auf eine Erwerbsbeteiligung verzichtet hätten.

          Laschet: Ich stimme Blüm zu

          Der Vorsitzende der CDU Nordrhein-Westfalens, Armin Laschet, sagte der F.A.S: „Ich stimme Norbert Blüm zu.“ Er griff SPD und Grüne an. Diese wollten die „vollständige Ökonomisierung der Familienpolitik“. Er warf beiden Parteien vor, bei ihnen trete „radikales Marktdenken und reiner Materialismus“ an die Stelle von nichtmateriellen Werten. Deshalb wollten sie das Ehegattensplitting abschaffen. Er stellte sich hinter das Vorhaben der CDU, das Ehegattensplitting zum Familiensplitting zu erweitern, bei dem Kinder stärker berücksichtigt würden. Er widersprach Blüms These, dass die „Unterordnung der Familie unter die Ratio der Wirtschaft“ im Prinzip der Wahlfreiheit angelegt sei.

          Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, sagte der F.A.S.: „Familien dürfen nicht dem Diktat der Ökonomie unterworfen werden.“ Familienpolitik sei für die CSU keine Wirtschaftspolitik, auch nicht Gleichstellungs- oder Bevölkerungspolitik. Ziel von Familienpolitik sei nicht, Frauen oder Männer „möglichst schnell und umfassend“ wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen. Hasselfeldt, die Spitzenkandidatin der CSU für die Bundestagswahl im September ist, wandte sich wie Laschet gegen Versuche, das Ehegattensplitting abzuschaffen oder einzuschränken.

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