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Torsten Albig : Im Dreisprung zum Ministerpräsidenten

Gewählt und vereidigt: Torsten Albig am Dienstag im Kieler Landtag Bild: dpa

Torsten Albig hat alle Chancen, zu einem populären Ministerpräsidenten zu werden: Er ist besonnen, witzig - und kennt sich mit Haushaltsproblemen aus. Das hat offenbar sogar einige Piraten zu seiner Wahl veranlasst.

          In drei Jahren hat Torsten Albig einen bemerkenswerten Dreisprung geschafft. 2009 wurde der SPD-Politiker Oberbürgermeister in Kiel. Er schlug im ersten Wahlgang die Amtsinhaberin von der CDU, Angelika Volquartz. Damit war er auch zum Hoffnungsträger der SPD in Schleswig-Holstein geworden. In diese Rolle musste er dann schneller als gedacht tatsächlich schlüpfen - als das Landesverfassungsgericht die Legislaturperiode um die Hälfte kürzte wegen eines nicht verfassungsgemäßen Wahlgesetzes. Albig erklärte nach einigem Zögern, aber gedrängt von den Genossen im Norden, Spitzenkandidat seiner Partei werden zu wollen

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          In seinem zweiten Sprung setzte er sich gegen den Parteivorsitzenden Ralf Stegner in einer Mitgliederabstimmung durch, auch hier mit klarem Ergebnis. Albig war sich auch sicher, die Landtagswahl am 6. Mai mit einem fulminanten Ergebnis zu gewinnen. Der Sieg war dann allerdings bescheiden: Die SPD wurde nur zweitstärkste Kraft, konnte aber ein Bündnis mit den Grünen und dem Südschleswigschen Wählerverband schließen - allerdings nur mit einer Stimme Mehrheit. Das Stimmungstief vom Wahlabend hat Albig längst überwunden. Das Bündnis steht, seine Wahl zum Ministerpräsidenten brauchte nur ein paar Minuten: der dritte Sprung - sicher gestanden.

          Oft witzig, manchmal zynisch, immer vorsichtig

          Albig ist politisch in die Schule vor allem von Peer Steinbrück gegangen, dessen Sprecher er in dessen Zeit als Bundesfinanzminister war. Auch Albig liebt den geistvollen Witz, der gern mal ins Zynische fällt. Und wie Steinbrück hält er Distanz zur Partei, in seinem Fall vor allem zum Vorsitzenden Stegner. Wie Albig politisch agieren wird, ließ sich schon an seinem Wahlkampf erkennen und war auch bei den Koalitionsverhandlungen spürbar: sehr vorsichtig. Er schloss schon einen Tag nach seinem Sieg über Stegner ein Bündnis mit dem schwierigen Gegenspieler. Er vermied Inhalte, sprach lieber emotional vom „Lieblingsland“.

          Auch im Koalitionsvertrag ist viel „Lieblingsland“ erkennbar. Einen politischen Entwurf jedoch vermeidet Albig. Er kam den Grünen und dem SSW weit entgegen, um alle Konflikte auszusparen. So kann es sein, dass das Land in die Zeiten von „Schläfrig-Holzbein“ zurückfällt. Aber das ist auch eine Methode, die Macht zu sichern. Denn der Konflikt mit Stegner, der als Parteivorsitzender auch Fraktionsvorsitzender ist, wurde wahrscheinlich nur vertagt.

          Er kann Kompromisse schließen

          Albig begegnet der Situation auf seine vorsichtige Weise, etwa durch ein starkes Kabinett, in dem nun auch der stellvertretende Parteivorsitzende Andreas Breitner als Innenminister sitzt, der wohl bereitgestanden hätte, Stegner im Parteivorsitz zu folgen.

          Albig war schon im Kieler Rathaus von einer knappen Mehrheit aus SPD, Grünen und SSW getragen worden. Er kennt also die Verhältnisse. Er wird ruhig und besonnen agieren. Das wird ihn populär machen. Er ist von Beruf Haushälter, die Probleme des überschuldeten Landes sind ihm vertraut. Albig kann Kompromisse schließen. Sein Umgang mit der Piratenpartei, die neu in den Landtag gekommen ist, zeigt das schon. Einige Piraten haben ihn offenbar dafür auch gewählt. Torsten Albig lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Kiel. Aus seiner früheren Zeit ist er Fan von Arminia Bielefeld.

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