http://www.faz.net/-gpf-8dojl

Mord oder Suizid? : Gerichtsmediziner: Barschel hat sich selbst getötet

  • Aktualisiert am

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Uwe Barschel bei einer Pressekonferenz im Mai 1987. Bild: dpa

Vor fast dreißig Jahren ist der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Barschel tot in einer Badewanne aufgefunden worden. Sein Tod blieb ungeklärt. Nun äußert sich der Pathologe, der damals den Leichnam untersuchte.

          Ein Rechtsmediziner, der nach dem Tod Uwe Barschels dessen Leichnam untersucht hatte, spricht erstmals öffentlich zu dem Fall. „Es war Suizid“, sagte Werner Janssen, der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Für eine andere Annahme gab es keine Anhaltspunkte.“

          Werner Janssen ist Professor für Pathologie und Rechtsmedizin und war 1987 Direktor des Hamburger Universitätsinstituts für Rechtsmedizin. Gemeinsam mit dem Leitenden Oberarzt Klaus Püschel hatte er damals Barschel obduziert.

          Die Sektion habe 6 bis 8 Stunden gedauert, sagte der heute 91 Jahre alte Wissenschaftler. Das sei „dreimal so lange wie üblich“ gewesen. Am Ende seien sie gemeinsam mit dem Hamburger Toxikologieprofessor Achim Schmoldt zu dem selben Schluss gekommen: Suizid durch Medikamentenmissbrauch.

          Überdosierung bei bewusstseinsklarem Menschen „nicht denkbar“

          Jansen hatte damals ein Sektionsprotokoll angefertigt. Es ist  55 Seiten stark und trägt das Datum 2 Dezember 1987. Darin heißt es nach Angaben der „Zeit“: „Eine versehentliche Überdosierung bei einem bewusstseinsklaren Menschen ist angesichts dieser Substanzmengen nicht denkbar; ebenso unwahrscheinlich ist die Möglichkeit einer unbemerkten Beibringung. Nach den vorliegenden Erkenntnissen gibt es keinen Anhalt für eine Beibringung der zum Tode führenden Substanzen unter äußerem Zwang.“

          Ein bei der Sektion entdecktes Hämatom im oberen linken Stirnbereich des Leichnams hatte damals für Aufregung gesorgt. Fremdeinwirkung durch einen Schlag schlossen die Hamburger Ärzte jedoch aus. „Viel naheliegender war es, dass Barschel sich diese Unterblutung selbst zugezogen hatte, etwa am Türrahmen oder durch Aufstoß am Badewannenrand“, erklärte Janssen.

          Der Film „Der Fall Barschel“ gab den Ausschlag

          Der CDU-Politiker und frühere Ministerpräsident Schleswig-Holsteins war am 11. Oktober 1987 tot in einer Badewanne in einem Genfer Hotel aufgefunden worden. Die Schweizer Rechtsmediziner gingen von Suizid aus. Doch schnell kamen Zweifel auf.

          Janssen wurde von der Familie des Toten beauftragt, den Leichnam abermals zu untersuchen. Zu den Details hatte er sich danach nicht öffentlich geäußert. Das Sektionsprotokoll hielt er unter Verschluss. Dennoch drangen Teile davon an die Öffentlichkeit, was ihn geärgert habe, wie er der „Zeit“ sagte. Durch den Spielfilm „Der Fall Barschel“, den die ARD kürzlich ausgestrahlt hatte, sah er sich nun genötigt, sich zu äußern. Weil der Film bewusst offen gelassen hatte, ob Barschel ermordet wurde.

          Der Fall gilt bis heute als ungeklärt. Für Janssen aber ist er eindeutig: „Ich sage noch einmal, es war Suizid. Ich hoffe, man lässt Uwe Barschel jetzt endlich ruhen.“

          Quelle: cbor.

          Weitere Themen

          Hariri zurück im Libanon Video-Seite öffnen

          Rückkehr : Hariri zurück im Libanon

          Der ehemalige Ministerpräsident des Libanon, Saad al-Hariri, ist am Dienstag erstmals nach seiner Rücktrittserklärung in sein Heimatland zurückgekehrt. Er wurde am Flughafen Beirut von Sicherheitskräften empfangen

          Seehofers politische Zukunft ungewiss Video-Seite öffnen

          CSU-Machtkampf : Seehofers politische Zukunft ungewiss

          Die CSU hat die Entscheidung über ihre künftige Führung vertagt. Der Parteivorstand wird sich erst am 4. Dezember mit dieser Frage befassen, sagte der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer nach Sitzungen der Landtagsfraktion und des Parteivorstands in München.

          Topmeldungen

          EU-Gipfel in Brüssel : Showdown beim Brexit?

          Eigentlich läuft an diesem Freitag eine wichtige Frist der EU an die Briten aus. Trotzdem bringt Premierministerin Theresa May kaum Handfestes zum Treffen mit Ratspräsident Donald Tusk. Denn ihre eigene Regierung wackelt.

          TV-Kritik: Maybrit Illner : Deutsche Merkel-Rettungsgesellschaft

          Die SPD hat laut Heiko Maas in der derzeitigen Regierungskrise vor allem eine Rolle inne. Der Sozialdemokrat arbeitet bei „Maybrit Illner“ das Alleinstellungsmerkmal seiner Partei heraus. Das weiß gar die politische Konkurrenz zu schätzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.