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Thüringen Keine Hamburger Verhältnisse

19.07.2010 ·  Darin sind sich alle einig: Weder hessische noch Hamburger Verhältnisse streben die Thüringer für ihre Schulpolitik an. Darüber hinaus hat der Volksentscheids gegen die Primarschule in der Hansestadt nur unterschiedliche Eindrücke innerhalb der Parteien hinterlassen.

Von Claus Peter Müller, Erfurt
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Thüringer Politiker unterschiedlicher Parteien haben schon mehrfach bekräftigt, dass sie keine „hessischen Verhältnisse“ wollten. „Hessisch“ ist für sie ein Synonym für den politischen Streit, der sogleich in ideologische Grabenkämpfe mündet, die mit gnadenloser Härte und Vereinfachung geführt werden.

Hamburger Verhältnisse wollen sie aber auch nicht. Jedenfalls herrscht in allen Parteien – in der CDU ohnehin, aber auch in der SPD, der Linkspartei, bei FDP und Grünen – nach dem Erfolg des Volksentscheids gegen die Hamburger Primarschule die Überzeugung vor, dass Schulpolitik mit Behutsamkeit und möglichst im Konsens mit den Beteiligten betrieben werden müsse.

Alle Parteien, auch die CDU, wissen, dass es in Thüringen wie in den meisten ostdeutschen Ländern eine breite Mehrheit für längeres gemeinsames Lernen gibt. Die Menschen erinnern sich an die eigene Schulzeit und halten die eigene Bildung für gut.

Video: Gegner der Schulreform gewinnen Volksentscheid

Abgesehen von einer schmalen Kaste einer kleinen Leistungselite, die in der DDR das Gymnasium besuchte, haben die meisten Schüler bis zum Ende der Mittelstufe die Schule gemeinsam besucht. Schließlich ist der Stolz auf das Abitur nach zwölf Jahren überparteilich. Die Thüringer verstehen nicht, dass die Westdeutschen mit „G 8“ solche Probleme haben.

Unterschiedliche Schlussfolgerungen in den Parteien

Trotz aller Gemeinsamkeiten ziehen die Parteien ihre jeweils eigenen Folgerungen aus dem Ergebnis des Hamburger Volksentscheids. Für die SPD, deren Landesvorsitzender Matschie als Bildungsminister die Gemeinschaftsschule, das gemeinsame Lernen bis einschließlich der achten Klasse, in Thüringen als gleichberechtigte Ergänzung des gegliederten Schulsystems durchsetzen will, hat der Entscheid keine Auswirkungen auf Thüringen.

Die CDU, die mit der SPD koaliert, nimmt den Entscheid als Warnung, den „Markenkern“ auch in einer Koalition nicht preis zu geben. Die FDP sieht sich darin bestätigt, dass Thüringen keine neue Schulform braucht, sondern dass das längere gemeinsame Lernen auch in den ersten beiden Jahren der bestehenden Regelschule, der Thüringer Zusammenführung von Haupt- und Realschule, möglich sei. Die Grünen bedauern vor allem das „bittere Ergebnis“ von Hamburg. Sie wünschten sich bisher mehr Konsequenz im Umbau der Thüringer Schulen hin zu mehr gemeinsamem Lernen, warnen jetzt aber vor einem „Überstülpen“ der Veränderung. Die Linkspartei schließlich, die für das gemeinsame Lernen von einer Vorschulklasse bis zur achten Klasse ist, überlegt, dass ein Volksentscheid die Basis einer Thüringer Bildungsreform sein könnte.

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Jahrgang 1960, politischer Korrespondent für Nordhessen und Thüringen mit Sitz in Kassel.

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