http://www.faz.net/-gpf-74v5x
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 06.12.2012, 14:49 Uhr

Thomas de Maizière Der Entscheider

Verteidigungsminister Thomas de Maizière ist in seiner Partei beliebt wie sonst nur die Kanzlerin. Liegt es daran, dass er nicht als Politiker in die Politik ging?

von
© AFP Verteidigungsminister Thomas de Maizière im September in Berlin

Ihm mache seine Aufgabe Freude, hat Thomas de Maizière am Dienstag den Delegierten des Parteitags zugerufen, die ihn anschließend mit einer Zustimmungsquote von knapp 97 Prozent als Beisitzer in den Bundesvorstand der CDU wählten - höhere Stimmenprozente erreichte nur die Parteivorsitzende Merkel. Die Beliebtheit des Verteidigungsministers gründet sich womöglich weniger darauf, was er in seinem Ressort entscheidet, sondern eher, wie er es führt.

Johannes Leithäuser Folgen:

De Maizierè spielte einst mit dem Gedanken, Soldat zu werden wie sein Vater (der zwischen 1966 und 1972 Generalinspekteur der Bundeswehr war). Doch trat er seinen Wehrdienst just in jenem Moment an, in dem der Vater Ulrich seine Laufbahn beendete. Der Sohn sagte später, er habe sich nicht dem ständigen Vergleich aussetzen wollen. Später wurde ein anderer Verwandter bedeutsam für de Maizières Lebensweg: der Cousin Lothar, der die letzte, die frei gewählte DDR-Regierung führte. Dort trat Thomas de Maizière im Jahr 1990 erstmals, nach Jurastudium und ersten Verwendungen beim West-Berliner Senat, in den inneren Kreis exekutiver Entscheidungsträger. Er war Berater in Ost-Berlin und lernte im Stab des DDR-Ministerpräsidenten die stellvertretende Regierungssprecherin Angela Merkel kennen. Von dort führte in der Weg über Leitungsposten in Schwerin und Dresden in die Bundesregierung.

Der Umbau der Bundeswehr liegt ihm

Dass de Maizière nicht als Politiker in die Politik ging, sondern als Maschinist (anfangs) oder Unternehmensführer (seit geraumer Zeit) eines Regierungsapparates, bringt ihm Wohlwollen ein. Er scheint Bürokratien zu schätzen - nicht weil sie Verantwortung hinter Vorgängen verstecken, oder weil sie Sicherheit des „das war schon immer so“ böten. Vielmehr ist de Maizière ein entscheidungsfreudiger Ressortchef, der sich erfreuen kann am Vollzug seiner Anordnungen in einer effizient arbeitenden Verwaltung.

Der Umbau der Bundeswehr ist deswegen eine Aufgabe, die ihm liegt. Aber de Maizière hat in seinem aktuellen Amt auch weitere Anliegen entwickelt. Er sucht, mit vielerlei Initiativen und Gesten, die Bundeswehr, die ja jetzt keine Wehrpflicht-Armee mehr ist, neu und anders in der Gesellschaft zu verankern. Dazu zählt der Versuch, neues Augenmerk auf das Schicksal der Soldaten zu lenken, und das Bemühen, der Bevölkerung äußere Gefahren bewusster zu machen - samt der Rolle, die Soldaten der Bundeswehr bei der Minderung solcher Bedrohungen spielen können.

Das gilt auch im aktuellen Fall, bei der Verlegung deutscher Luftabwehrkräfte an die syrische Grenze des Nato-Partners Türkei. Als er jetzt zusammen mit Außenminister Westerwelle den Mandatsbeschluss des Kabinetts zur Entsendung der Patriot-Raketenbatterien erläuterte, sprach de Maizière ganz unverblümt davon, dass die Abwehrwaffen auch den Zweck hätten, die Beschießung türkischen Nato-Gebiets mit chemischen Waffen zu verhindern. Es müsse „eine Abschreckung geben“, damit „in der Endphase“ des syrischen Regimes „nicht jemand auf falsche Gedanken kommt“.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Trendwende Verteidigungsministerin will Bundeswehr vergrößern

Erst die Erhöhung des Wehretats um mehrere Milliarden Euro, jetzt die Aufstockung der Truppe um 7000 Soldaten. Deutschland rüstet wieder auf. Verteidigungsministerin von der Leyen reagiert damit auf die veränderte Bedrohungslage. Mehr

10.05.2016, 12:50 Uhr | Politik
Besuch im Flüchtlingslager Merkel an der syrischen Grenze

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen besuchte die Bundeskanzlerin zusammen mit EU-Ratspräsident Donald Tusk und dem türkischen Ministerpräsidenten ein Flüchtlingslager an der syrischen Grenze. Mehr

24.04.2016, 10:03 Uhr | Politik
Planung für Bundeswehr Es ist Zeit, wieder zu wachsen

Die Bundeswehr steht nach einem Vierteljahrhundert vor einer Trendwende – zumindest auf dem Papier. Die Verteidigungsministerin will Tausende neue Dienstposten schaffen. Soldaten sind das noch nicht. Eine Analyse. Mehr Von Lorenz Hemicker

10.05.2016, 14:44 Uhr | Politik
Grafing Zweifel an Schuldfähigkeit bei Messerattacke

Die tödliche Messerattacke in Grafing bei München vom Dienstag hat nach ersten Ermittlungen weder einen politischen Hintergrund noch einen Migrationsbezug. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere sagte, er wolle sich von Berlin aus nicht an Spekulationen über die Motive der Tat beteiligen: Mehr

11.05.2016, 10:53 Uhr | Gesellschaft
Nato-Außenministertreffen Auf dem Weg von Wales nach Warschau

Die EU und die Nato suchen den Schulterschluss. Gemeinsam will man den neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen im Osten und im Süden begegnen. Getrieben wird die Entwicklung von Amerika. Mehr Von Michael Stabenow, Brüssel

20.05.2016, 15:51 Uhr | Politik

Kein Rabatt für Erdogan

Von Nikolas Busse

Die EU ist zwar auf den türkischen Präsidenten angewiesen, ihre Verhandlungsposition hat sich aber verbessert. Es besteht kein Anlass, Erdogan nachzugeben, einem Mann der eine andere Auffassung von Demokratie und Rechtsstaat hat als wir. Mehr 40