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Tempolimit Der Klima-Rechner versagt

30.10.2007 ·  Nicht einmal das Umweltbundesamt weiß, wie sich das von der SPD geforderte Tempolimit auf das Klima auswirkt. Früher verschwand das Thema meist recht schnell aus den Schlagzeilen. Wird es dieses Mal ähnlich sein? Nein, meint Konrad Mrusek.

Von Konrad Mrusek
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Nicht einmal das Umweltbundesamt bietet jenen eine Hilfe, die wissen wollen, ob sich die von der SPD geforderte Höchstgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde im Sinne des Klimaschutzes auswirkt. Mit dem „Klima-Rechner“ der Behörde lässt sich zwar im Internet ermitteln, wie viele Treibhausgase ein Mittelklassewagen bei einer bestimmten jährlichen Fahrleistung je Kilometer erzeugt. Doch beim Tempolimit versagt der Klima-Rechner, dieses Stichwort hat er noch nicht im Programm.

Für die Umweltorganisationen ist diese Lücke kein Zufall. Sie halten das für das Werk der Gegner das Tempolimits. „Umweltminister Gabriel hat auch diesem Amt einen Maulkorb verpasst“, sagt Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe. Der Automobilbranche wirft er vor, die Erhebung von Zahlen über die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit auf Autobahnen systematisch zu behindern, um Angaben über Umwelteffekte eines Tempolimits zu erschweren.

Bringen andere Maßnahmen mehr?

Tatsächlich basieren viele Angaben über Klima-Effekte der Autos auf Zahlen aus der Mitte der neunziger Jahre, als die Fahrzeuge noch nicht so hoch motorisiert waren und langsamer fuhren. Diese alten Zahlen verwendet auch das Umweltbundesamt. Nach seinen Berechnungen würden bei Tempo 120 die Kohlendioxidemissionen der Personenwagen um neun Prozent sinken - vorausgesetzt, es hielten sich 80 Prozent der Fahrer daran. Das entspräche einer Minderung von drei Millionen Tonnen Kohlendioxid.

Die Einsparung betrüge also nur etwa ein Prozent, wenn man sie mit den gesamten Emissionen des Verkehrs (164 Millionen Tonnen) vergleicht. Mit dieser kleinen Prozentzahl argumentieren gern die Tempolimit-Gegner. Sie verweisen darauf, dass andere Maßnahmen viel mehr Klimaschutz bringen würden. Dazu zählen eine bessere Energieeffizienz der Motoren und eine Bemessung der Autosteuer nach dem Kohlendioxidausstoß, wie sie schon geplant ist. Das Umweltbundesamt hat diese Emissionsminderung bis 2020 auf 15 Millionen Tonnen beziffert.

Ein Umdenken der Bürger

Für die Umweltorganisationen ist das Tempolimit jedoch mehr als eine Klimaschutz-Maßnahme: Sie wollen den Lebensstil ändern und hoffen zudem auf indirekte Effekte: sparsamere Autos, weniger Stauungen, damit weniger Emissionen.

Früher verschwand das Thema Tempolimit meist recht schnell aus den Schlagzeilen. Wird es dieses Mal ähnlich sein? Zwei Gründe sprechen dagegen: Es geht beim Klima-Programm der Bundesregierung nicht so recht voran, und wenn Gabriel beim Heizen und Stromsparen nicht im erhofften Ausmaß die Emissionen senken kann, dann wird er beim Verkehr mehr tun müssen.

Und beim Tempolimit scheint es ein Umdenken der Bürger zu geben. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa, das im Auftrag der Umweltorganisation BUND vor kurzem eine Umfrage machte, stellte fest, dass über zwei Drittel (73 Prozent) der Befragten eine solche Maßnahme befürworten würden. 36 Prozent wollten ein Tempolimit von 120 Kilometer, 37 Prozent von 130 Kilometer. Selbst die Wähler von CDU/CSU befürworteten zu 40 Prozent Tempo 130.

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Jahrgang 1950, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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