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Aktualisiert: 02.03.2017, 15:48 Uhr

Zugriff in Düsseldorf Mutmaßlicher syrischer Kriegsverbrecher festgenommen

Zwei Männer unter Terrorverdacht sind festgenommen: Der eine soll der Zelle angehören, die einen verheerenden Anschlag auf die Düsseldorfer Altstadt geplant hat – der andere soll an einem Massaker beteiligt gewesen sein.

von , Düsseldorf
© dpa Polizisten vor dem Düsseldorfer Hauptbahnhof (Archivbild)

Der Zugriff am frühen Mittwochabend dauerte nur wenige Minuten. Ohne Widerstand zu leisten, ließ sich der mutmaßliche syrische Kriegsverbrecher Abdalfatah H.A. am Düsseldorfer Hauptbahnhof von Spezialkräften der Polizei festnehmen. Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft hat sich der 35 Jahre Mann als Mitglied der Terrormiliz al-Nusra-Front in seiner Heimat an Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt, bevor er nach Deutschland kam und Asyl beantragte.

Reiner Burger Folgen:

Bei einem Massaker nach der Eroberung der Stadt al-Tabka im März 2013 soll H.A. gemeinsam anderen Mitgliedern seiner Kampfeinheit 36 nach dem humanitären Völkerrecht geschützte Mitarbeiter der syrischen Regierung aus niedrigen Beweggründen getötet haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler schlachteten H.A. und andere Dschihadisten ihre Opfer nach einem sogenannten Scharia-Urteil auf einer Müllhalde auf bestialische Weise ab.

Ein zweiter Syrer wurde am Donnerstagmorgen im Regierungsbezirk Gießen von hessischen Polizeibeamten festgenommen. Dem 26 Jahre alten Abdulrahman A.A. wirft die Bundesanwaltschaft bisher keine Kriegsverbrechen vor. A.A. soll sich nach Auffassung der obersten deutschen Ermittlungsbehörde aber wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung verantworten. A.A. soll nicht nur zur selben al-Nusra-Einheit gehört haben wie der in Düsseldorf lebende H.A., sondern diese Einheit zudem 2013 mit einem gewissen Abd Arahman A.K. selbst gegründet zu haben.

Zumindest über dieses Kennverhältnis stehen die beiden jüngsten Festnahmen in Verbindung mit einem Fall, der im vergangenen Juni erhebliches Aufsehen hervorrief. Denn A.K. gehörte zu einer mutmaßlichen Terrorzelle, die einen verheerenden Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben soll. Die Gruppe war aufgeflogen, weil sich eines ihrer Mitglieder, der ebenfalls aus Syrien stammende Saleh A., Anfang 2016 in Paris den französischen Sicherheitsbehörden offenbart hatte. Zunächst hatte es Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Saleh. A. gegeben.

In Syrien Sprenggürtel und Granaten hergestellt

Doch die Hinweise ließen sich dann so sehr erhärten, dass am 2. Juni Abd Arahman A.K. und die beiden anderen mutmaßlichen Komplizen von Saleh A. in Asylunterkünften in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Brandenburg festgenommen wurden. Aus dem im Januar veröffentlichten Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) über die Verlängerung der Untersuchungshaft ging hervor, dass die Anschlagsplanungen schon viel weiter fortgeschritten waren, als bisher bekannt. Demnach bekam Saleh A. bereits im April 2014 bei einem Treffen im syrischen Rakka, an dem mehrere Führungsleute der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) teilnahmen, den Auftrag, einen Sprengstoffanschlag in Düsseldorf zu verüben.

Ein deutscher IS-Mann, der früher in Düsseldorf lebte, soll A. eine Karte mit den Örtlichkeiten in der Düsseldorfer Altstadt skizziert haben. Abd Arahman A.K. reiste nach Erkenntnissen der Ermittler im Oktober 2014 im Auftrag des IS mit dem alleinigen Ziel nach Deutschland, sich als Angehöriger einer „Schläferzelle“ an dem Anschlag zu beteiligen. Als Mitglied der al-Nusra-Front hatte A.K. in Syrien Sprenggürtel und Granaten hergestellt. Auch für den Anschlag in Düsseldorf sollte er nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft Sprengwesten bauen, mit denen der Angriff in der Altstadt beginnen sollten. Wie aus dem Beschluss des BGH hervorgeht, sah der Plan der Terrorzelle vor, das sich zunächst zwei Selbstmordattentäter in parallel zueinander verlaufenden Straßen in die Luft sprengen sollte. Zudem sollten sich an den vier Ausgängen der Altstadt jeweils zwei mit Kalaschnikows bewaffnete Mitglieder der Zelle positionieren.

„Sie sollten möglichst viele flüchtende Menschen erschießen und sich nach der Entleerung ihrer Magazine schließlich ebenfalls selbst in die Luft sprengen“, heißt es im BGH-Beschluss. „Der Anschlag sollte an einem Freitag oder Samstag verübt werden, weil die Düsseldorfer Altstadt an diesen Tagen besonders belebt ist.“

Quelle: wahlrecht.de
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