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Stuttgart 21 Es gibt keinen „Plan B“

Seit die Bahn zugegeben hat, dass Stuttgart 21 rund 1,1 Milliarden Euro teurer wird, zweifeln selbst einstige Befürworter an dem Projekt. Doch was ist die Alternative?

© dpa Vergrößern Von einem Baustopp ist nichts zu spüren: Die Baustelle am Stuttgarter Hauptbahnhof

Am Hauptportal des Stuttgarter Bahnhofs stehen zwei Arbeiter auf einer Hebebühne und dichten ein blaues Rohr ab. Durch das Rohr soll demnächst Wasser aus der Baugrube abgepumpt werden. Zwei Kollegen in Leuchtwesten betonieren eine „Lastenverteilerplatte“, damit eine weitere Stütze für das Grundwassermanagement auch fest genug steht. In der Grube am Südeingang ist auch schon betoniert worden. In zehn Jahren könnten die ersten Züge aus Ulm oder München an dieser Stelle in den ICE-Fernbahnhof fahren. Von einem Baustopp ist nichts zu spüren. Ob der Bahnhof jemals fertig werde, müssen sich die Arbeiter fragen lassen: „Schau’n mer mal“, lautet die Antwort.

Wenige Kilometer entfernt, in der Hauptstätter Straße, beschäftigt der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) eine Bahnhofsgegnerin an einem „Bürgertelefon“. Eigentlich sollen dort Bürger objektiv über das Projekt informiert werden. Hermanns Mitarbeiterin machte bei einem anonymen Testanruf einer Journalistin kürzlich aber das Gegenteil: „Der neue Bahnhof ist Murks“, sagte sie im Gespräch mit der Journalistin. Über die Aussagen der Ministeriumsmitarbeiterin regen sich Projektbefürworter, die CDU und die Bahn ziemlich auf. Doch zugleich fällt es ihnen mittlerweile immer schwerer, für die Kostensteigerungen und die Planungspannen der Bahn ein besseres Wort zu finden. Murks ist Murks. Spätestens an dem Tag, an dem die Bahn im Dezember Mehrkosten in Höhe von 1,1 Milliarden Euro und mögliche Risiken von 1,2 Milliarden Euro eingestehen musste, ist auch Projektbefürwortern mulmig geworden. Wie es weitergehen wird im Stuttgarter Talkessel, ob rund um den Bonatz-Bau demnächst über zehn Jahre eine verwaiste Baugrube klafft, traut sich im Moment niemand zu prognostizieren.

„Schluss sein mit der Hängepartie“

Ende Februar oder Anfang März soll es eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung der Bahn geben. Dann muss der Aufsichtsrat entscheiden, ob er der Kostensteigerung zustimmt. Das Kanzleramt und die Bundesregierung setzen die Bahn derzeit unter Druck - Stuttgart 21 soll nach Möglichkeit kein Wahlkampfthema werden. Der baden-württembergische CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl hat mit Angela Merkel in den letzten Wochen immer wieder über den Bahnhof gesprochen, er formuliert eine Erwartungshaltung: „Alles muss auf den Tisch, alle müssen sich ehrlich machen, Hosen runter. Und dann muss Schluss sein mit der Hängepartie.“

Beobachter sagen, der Aufsichtsrat habe bei seiner außerordentlichen Sitzung drei Optionen. Erstens: Er stimmt dem Vorschlag des Vorstands zu, das heißt, das Projekt wird weiter gebaut. Zweitens: Er fordert weitere Gutachten, das heißt, die Entscheidung über das Projekt würde vermutlich auf den Spätherbst vertagt. Der Wahlkampf käme ohne Stuttgart 21 aus. Oder drittens: Der Aufsichtsrat stoppt das Projekt und belastet damit den Bundestagswahlkampf. CDU, SPD und FDP müssten den Wählern erklären, warum sie sich über Jahrzehnte für ein Projekt verkämpft haben, das nun sogar aus Sicht der Bahn Murks ist. Politisch und ökonomisch wäre diese letzte Variante eine Katastrophe, weil es keinen „Plan B“ gibt. „Wir haben eine Situation, die nicht gerade von Dynamik geprägt ist, im Moment weiß niemand, wie der gordische Knoten zu durchschlagen ist“, sagt ein Bahnmanager, der zu den Befürwortern des Projekts gehört.

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