28.02.2007 · Ein Kleinstadtbürgermeister als Sozialreformer: Dieter Mörlein will für Studenten in Eppelheim bei Heidelberg die Studiengebühren übernehmen. Dafür sollen sie gemeinnützige Arbeit verrichten.
Von Rüdiger SoldtStudenten, die sich Wohnungen in Heidelberg nicht leisten können, sind in Eppelheim willkommen - und das umso mehr, wenn sie sich mit ihrem Hauptwohnsitz dort melden. Das ist ein Grund, weshalb Dieter Mörlein, parteiloser Bürgermeister der Kleinstadt, Studenten mit einem ungewöhnlichen Angebot helfen will: Eppelheim bietet ihnen ab sofort an, die Studiengebühren an die Universitäten zu überweisen, wenn sie eine gemeinnützige Arbeit im Umfang von 60 Stunden pro Semester annehmen.
In Baden-Württemberg werden von diesem Semester an Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Semester fällig - studentische Boykottaufrufe waren fast überall erfolglos. Vom Angebot der Kleinstadt Eppelheim könnten derzeit 1200 Studenten profitieren. Die Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg ist zwei Kilometer entfernt, zu den Hochschulen in Mannheim sind es 18 Kilometer.
„Intelligenz trinkt, das weiß man doch“
„500 Euro Studiengebühren, 97 Euro Verwaltungskosten und 110 Euro für das Semesterticket, das sind auf das Studium umgerechnet 12.000 Euro. Wenn ein Facharbeiter mit einem Nettoeinkommen von 1500 Euro zwei begabte Kinder hat, kann er das nicht bezahlen“, sagt Bürgermeister Mörlein. Die Studenten hätten nach Abschluss des Studiums Schulden; eine Wohnung, Kleidung, Essen müssten ja auch bezahlt werden. „Ich habe nichts gegen Studiengebühren, man sollte denen helfen, die sich ein Studium nicht leisten können“, sagt Mörlein. Ein Zimmer koste heute 350 Euro, und die Studenten wollten doch auch mal in die Kneipe gehen. „Intelligenz trinkt, das weiß man doch“, sagt Mörlein.
Seine Mutter habe sich den Zuschuss für sein Studium „vom Munde absparen“ müssen. Mörlein, 58 Jahre alt, ist seit 1994 Bürgermeister von Eppelheim und hat Verwaltungswissenschaften studiert. „Ich bin kein Ursozialdemokrat, kein Urschwarzer und keine Urliberaler“, sagt er. Zunächst will Mörlein 15 Studenten für 500 Euro einstellen. Wenn sich das Projekt bewährt, wird es ausgeweitet. 40 Studenten haben sich beworben. Sie sollen Nachhilfestunden geben oder sich um Kinder oder Senioren kümmern, bezahlt werden sie aus den vorhandenen Etats der zuständigen Abteilungen.
„Schuldenfrei ins Berufsleben starten“
Eppelheim hat einen Jahresetat von 30 Millionen Euro und ist fast schuldenfrei. Wer in der Kneipe arbeite, bekomme vielleicht einen Stundenlohn von fünf Euro, wer sich für einen gemeinnützigen Job in seiner Stadt entscheide, könne 8,33 Euro verdienen, sagt Mörlein. Es soll möglich sein, die gemeinnützige Arbeit in den Semesterferien oder während des Semesters zu erbringen. „Aber wir überweisen die 500 Euro erst, wenn die 60 Stunden abgearbeitet sind.“
Das Wissenschaftsministerium in Stuttgart hat gegen das Eppelheimer Projekt nichts einzuwenden, es gebe allerdings auch die Möglichkeit, das Studium mit Krediten zu finanzieren. Das will Mörlein nicht. „Die sollen schuldenfrei in ihr Berufsleben starten.“ Dieser Meinung ist offenbar nicht nur der Bürgermeister aus der Rhein-Neckar-Region. Auch von einem Bezirkspolitiker aus Berlin kam ein interessierter Anruf.
Die Studenten sollen arbeiten...
Marco Vogt (MarcoVogt)
- 28.02.2007, 16:16 Uhr
Eppelheim lockt....
Peter Wanger (hpw)
- 28.02.2007, 17:17 Uhr
Intelligenz lockt Intelligenz
Matthias Rietz (oekonom_de)
- 28.02.2007, 17:29 Uhr
Hartz IV empfänger...
Parham Shahidi (parhamshahidi)
- 28.02.2007, 18:35 Uhr
Jungakademiker organisieren Arbeit für Harz IV
Cecil Luth (PolitikObservator)
- 28.02.2007, 19:34 Uhr