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Studien zu Muslimen : Droht eine Islamisierung Deutschlands?

Muslime in der Abubakr Moschee in Frankfurt Bild: Sebastian Cunitz

Wissenschaftler haben befragt, geschätzt und hochgerechnet. Ihre Studien zeigen: Die Muslime in Deutschland erscheinen mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung zu schwach für die von Pegida befürchtete Islamisierung.

          Ob die Sorge vor einer Islamisierung Deutschlands berechtigt ist, die in Dresden so viele Menschen auf die Straße getrieben hat, ist eine Frage, die nicht einfach zu beantworten ist.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

          Einerseits sind in den vergangenen Jahren Lebensweisen unter muslimischen Einwanderern bekanntgeworden, die nicht zur freiheitlichen Grundordnung Deutschlands passen. Sie reichen von Zwangsehen bis Terrorismus. Andererseits konzentriert sich dieses Geschehen auf einige wenige Problemviertel in deutschen Großstädten, und es ist unklar, wie weit verbreitet es ist. Der Augenschein hilft also nicht weiter. Einige Anhaltspunkte darüber geben diverse Statistiken und Umfragen.

          Um zu beurteilen, ob eine Gruppe die Kultur eines Landes maßgeblich beeinflussen kann, muss man zunächst ihre Größe betrachten. Im Fall der Muslime ist sie nicht leicht zu bestimmen. Da islamische Gemeinschaften keinen Status als Körperschaften des öffentlichen Rechts genießen, erfassen die Einwohnermeldeämter die Religionszugehörigkeit von Muslimen nicht. Man ist auf Befragungen und Hochrechnungen angewiesen. Eine allgemein akzeptierte Schätzung stammt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge aus dem Jahr 2009. Danach leben zwischen 3,8 und 4,3 Millionen Muslime in Deutschland, ungefähr fünf Prozent der Gesamtbevölkerung.

          Das erscheint zu wenig, um einem Gemeinwesen die eigene Kultur überzustülpen, selbst wenn es eine muslimische Partei gäbe. Dass fünf Prozent der Bevölkerung 95 Prozent dominieren, ist allenfalls in einer Diktatur vorstellbar.

          Afrikanerinnen haben die meisten Kinder

          Nun ist zu berücksichtigen, dass der Bevölkerungsanteil der Muslime in den nächsten Jahren steigen wird, weil ihre Geburtenrate höher ist als die der nichtmuslimischen Bevölkerung.

          Das Bundesamt hat vor vier Jahren in einer Studie festgestellt, dass ausländische Frauen seit 1970 durchgängig höhere Geburtenraten haben als deutsche. Die Geburtenziffer deutscher Frauen betrug 1,3 Kinder je Frau; bei Ausländerinnen waren es 1,6.

          Eine Auswertung nur für Musliminnen fehlte, weil sich hier wieder Probleme mit der Erfassung stellen. Aber immerhin ließ sich feststellen, dass die Geburtenrate von Türkinnen noch einmal etwas höher lag, nämlich bei 1,8.

          Die höchste Geburtenrate haben mit 2,6 Kindern Afrikanerinnen, unter denen auch viele Musliminnen sind (Daten für 2006 bis 2008). Das Bundesamt weist allerdings darauf hin, dass sich das generative Verhalten von Migrantinnen an das der Deutschen anpasst. So bekämen jüngere Türkinnen weniger Kinder.

          Entwicklung in den nächsten Jahren

          Man kann solche Kennziffern, verbunden mit Annahmen über die Migration, in die Zukunft hochrechnen. Das „Pew Research Center“ in Washington, ein angesehenes Meinungsforschungsinstitut, hat vor vier Jahren eine Schätzung über die demographische Entwicklung der Muslime auf der ganzen Welt vorgelegt. Für Deutschland wurde ein Anstieg der muslimischen Bevölkerung auf 5,5 Millionen bis zum Jahr 2030 vorhergesagt.

          Das wären 7,1 Prozent der Gesamtbevölkerung, etwas weniger als heute in Frankreich. Auch wenn solche Studien mit Vorsicht zu genießen sind, weil die Bevölkerungsentwicklung zusätzlich von politischen Faktoren beeinflusst wird, erscheinen die Muslime als Gruppe in diesem Szenario immer noch nicht stark genug, um die großen Linien dieser Gesellschaft zu bestimmen.

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