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Studie Germanistikstudenten mit Grammatiklücken

 ·  Was für eine Form ist „käme“, welche Wortarten sind „manche“ oder „dort“? Ein Grammatiktest an bayerischen Universitäten hat erhebliche Mängel in den Deutschkenntnissen der Studenten aufgezeigt.

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Ein Grammatiktest der bayerischen Universitäten hat jetzt eklatante Mängel in den Deutschkenntnissen ihrer Studenten zutage gefördert. Bei einem Fragenkatalog für Studienanfänger des Lehramts an Realschule und Gymnasium haben nur zehn Prozent mit „befriedigend“ und besser abgeschnitten. Mehr als zwei Drittel der Germanistikstudenten erreichten in Grammatik nicht den Kenntnisstand von Fünft- und Sechstklässlern.

Den Test haben Prüfer der Staatsexamina im Fach „Deutsche Sprachwissenschaft“ an allen Landesuniversitäten Anfang des Wintersemesters 2006/2007 durchgeführt. Sie wollten sich ein zutreffendes Bild von den Ausgangskenntnissen ihrer Studienanfänger (mehr als tausend) machen.

Die Fragen bezogen sich im Wesentlichen auf den Stoff der siebten und achten Klasse, waren weder schwierig formuliert noch sonderlich anspruchsvoll. Im ersten Teil waren Antworten vorgegeben, die nur angekreuzt werden mussten. So waren die Wortarten bestimmter Wörter zu bestimmen, ebenso Konjunktive und Pluralbildungen. Die Testkandidaten mussten angeben, in welchem Bundesland und in welchem Jahr sie Abitur gemacht hatten.

Forderungen nach mehr Grammatikunterricht

77,5 Prozent der bayerischen Teilnehmer in Erlangen erkannten „käme“ nicht als Form des Konjunktivs Imperfekt, 88,2 Prozent bestimmten „manche“ nicht als Pronomen, und 86,6 Prozent konnten „dort“ nicht als Adverb identifizieren. Wesentliche Unterschiede zu anderen bayerischen Universitäten gab es nicht, auffallend war nur das gute Abschneiden der österreichischen Bewerber in Passau.

Die Sprachwissenschaftler leiten aus ihren Testergebnissen zwei Forderungen ab: Sie dringen darauf, dass der Grammatikunterricht in den Schulen nicht nur die Sekundarstufe I umfassen, sondern bis zum Abitur in der Sekundarstufe II fortgesetzt werden soll. Darüber hinaus treten sie dafür ein, die „Deutsche Sprachwissenschaft“ in Schule und Hochschule angemessen zu berücksichtigen.

Aderlass seit den siebziger Jahren

Angesichts der Herabsetzung des Grundschulwortschatzes und Stundenkürzungen im Deutschunterricht auch in Bayern - 1966 waren es in den sprachlichen Gymnasien noch insgesamt 42 Stunden, im sprachlichen G-8-Gymnasium des Jahres 2006 waren es allein in Deutsch zehn weniger - sind die Befunde nicht verwunderlich.

Der Aderlass des Sprachunterrichts hatte während der siebziger Jahre begonnen. 1976 etwa waren in der Unterstufe vier Deutschstunden gestrichen worden. Gymnasiallehrer berichten, dass diese Abwertung der sprachlichen Bildung auch nicht dadurch wettzumachen war, dass man zwei Sprachen (Deutsch und eine Fremdsprache) zu Pflichtfächern im Abitur erhob.

Linguistik und Grammatik

Das Kultusministerium hat den Prüfern inzwischen ein Gespräch angeboten. Der zuständige Ministerialrat in der Gymnasialabteilung, Krimm, der das Referat für Deutsch, Geschichte und Politische Bildung leitet und auch für Qualitätsverbesserung zuständig ist, erklärt sich das Vorpreschen der Lehramtsprüfer mit ihren Befürchtungen, die Sprachwissenschaften könnten bei der Modularisierung der Lehramtsstudiengänge zu kurz kommen.

Er würde den Spieß gern umdrehen und die Referendare einem vergleichbaren Test unterziehen, um nach dem Lerneffekt des sprachwissenschaftlichen Studiums zu fragen. In der Regel bezögen die Referendare ihr Grammatikwissen aus der Vorbereitung auf den Unterricht, sagt er. Krimm wirft den Sprachwissenschaftlern ihren Sündenfall während der siebziger Jahre vor, als sie sich an der Universität zunehmend mit linguistischen Fragen beschäftigten, die wenig mit dem Deutschunterricht in der Schule zu tun hatten.

Bei dem bevorstehenden Gespräch will er klären, ob die Studenten der Sprachwissenschaften genügend Schulgrammatikkenntnisse erwürben. Vor allem müssten Grammatikkenntnisse immer in funktionalen Zusammenhängen, also Texten, abgefragt werden, meint Krimm und verweist auf die Erfahrungen mit den Jahrgangsstufentests der sechsten und achten Klasse. „Wir haben daraus gelernt und fragen jetzt nicht mehr nach einzelnen Wortformen.“ Dass die humanistischen Gymnasien bei diesen Tests durchweg besser abschneiden, weil die Schüler im Lateinunterricht Satzkonstruktionen bestimmen und die Wortbezeichnungen lernen, bestreitet er allerdings nicht.

Quelle: oll. / Frankfurter Allgemeine Zeitung
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