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Studie Bayern und Baden-Württemberg an der Spitze

23.06.2010 ·  Wie in den vergangenen Jahren hat der Süden Deutschlands in einer Vergleichsstudie abermals besser abgeschnitten als der Norden. Neben dem Süd-Nord-Gefälle stellten die Bildungsforscher im Vergleich der Bildungsstandards der Länder auch ein West-Ost-Gefälle fest.

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Die Schüler im Süden Deutschlands haben im neuen Kompetenzvergleich zwischen den Bundesländern abermals am besten abgeschnitten. Das ist das am Mittwoch veröffentlichte Ergebnis einer Überprüfung der Bildungsstandards für den mittleren Schulabschluss in den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch, die das Berliner Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) 2009 im Auftrag der Kultusministerkonferenz ins Werk gesetzt hat.

Über alle Bildungsgänge hinweg wurden die Leistungen von insgesamt gut 36.000 Schülern der 9. Klasse in den Disziplinen Lesen, Zuhören, Rechtschreibung (jeweils in Deutsch) sowie Leseverstehen und Hörverstehen (in Englisch) getestet. Im Fach Französisch als erster Fremdsprache setzt sich die untersuchte Schülergruppe je nach Land so unterschiedlich zusammen, dass auf eine Rangliste verzichtet wurde.

Nach der Untersuchung liegen auf jedem der verschiedenen Kompetenzfelder in Deutsch und Englisch Bayern und Baden-Württemberg vorn, wobei je nach Teilkompetenz auch andere Länder zur Spitze gehören. Im Mittelfeld der Länder ergeben sich je nach geprüfter Teilkompetenz Verschiebungen. Fast ausschließlich schwach schnitten jedoch die Stadtstaaten Berlin und vor allem Bremen sowie das Flächenland Brandenburg ab. So hatten etwa beim Leseverständnis im Fach Deutsch bayerische Schüler gegenüber Gleichaltrigen aus Bremen im Schnitt einen Kompetenzvorsprung von mehr als einem Schuljahr. Beim mündlichen Textverständnis betrug der Abstand sogar fast eineinhalb Jahre.

Süd-Nord-Gefälle

Neben dem Süd-Nord-Gefälle stellten die Bildungsforscher auch ein West-Ost-Gefälle fest, das sich vor allem in den schwächeren Englischleistungen der Schüler aus den östlichen Bundesländern manifestiert. Die Forscher erklärten das hauptsächlich mit der schlechten Ausbildung der Lehrer, von denen (außer in Sachsen) nur zwischen 58 und 67 Prozent tatsächlich das Fach Englisch studiert haben. Während insgesamt die Gymnasiasten in vielen Ländern hohe Leistungen erbrachten, zeigen sich sowohl im Anteil als auch in den Kompetenzen der Leistungsschwächsten von Land zu Land erhebliche Unterschiede.

Insgesamt belegt der Test wie auch schon der Bildungsbericht, der in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde, die hohe Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft in Deutschland. Bundesweit hat ein Kind aus der Oberschicht gegenüber einem Schüler aus einer Facharbeiterfamilie auch bei gleicher Intelligenz und bei gleichem Lernvermögen eine 4,5 Mal so große Chance, ein Gymnasium zu besuchen.

Erhebliche Lernunterschiede zwischen den jeweiligen nationalen Gruppen

Besonders gering sind die Chancen in Baden-Württemberg und Bayern, besonders hoch in Berlin, was im Fall der beiden Erstgenannten allerdings auch damit zu tun hat, dass in diesen Ländern überdurchschnittlich viele Bildungsteilnehmer nicht über das Gymnasium, sondern über das berufliche Bildungssystem zu ihrer Hochschulreife gelangen.

Fast 18 Prozent aller Neuntklässler in Deutschland haben nach der Untersuchung ausländische Wurzeln - in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen werden Spitzenwerte um 30 Prozent erreicht. Dabei fanden die Forscher erhebliche Lernunterschiede zwischen den jeweiligen nationalen Gruppen. Jugendliche türkischer Herkunft erzielten in der Schlüsselkompetenz Lesen/Textverständnis die schlechtesten Werte, während zugewanderte Jugendliche aus Polen und aus der ehemaligen Sowjetunion deutlich besser abschnitten. Innerhalb der einzelnen Herkunftsgruppen wurde zudem eine erhebliche Spreizung der Leistungen festgestellt. Jungen und Mädchen.

„Klarer Handlungsauftrag, die Teilhabegerechtigkeit zu verbessern“

Die Entwicklung bundeseinheitlicher Bildungsstandards durch die Kultusministerkonferenz war eine Folge des ersten deutschen PISA-Schocks nach dem Test aus dem Jahr 2000. Deutschland hatte bei dem internationalem Leistungsvergleich in der wichtigen Schlüsselkompetenz Lesen/Textverständnis nur mäßig abgeschnitten. Die Ergebnisse zeigten zudem, dass fast ein Viertel der 15 Jahre alten Schüler in Deutschland nur auf Grundschulniveau Texte verstehen konnte. Inzwischen gibt es Bildungsstandards für die Grundschule, für den Hauptschulabschluss und für die Mittlere Reife. Ein Katalog für die gymnasiale Oberstufe ist in Bearbeitung.

Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), der gegenwärtig auch KMK-Präsident ist, versagte sich zwar Eigenlob, wies im Gespräch mit dieser Zeitung aber doch darauf hin, dass vor allem „differenzierte Bildungswesen“ ihre Qualitätssicherung fortentwickelt und dass besonders diejenigen Bundesländer gut abgeschnitten hätten, die sich durch „Systemkonstanz“ auszeichneten. Freilich gestand er ein, dass es im bayerischen Bildungssystem Defizite in Sachen Chancengerechtigkeit gebe. Es gebe einen „klaren Handlungsauftrag, die Teilhabegerechtigkeit zu verbessern“.

Philologenverband zufrieden

Zufrieden mit den Ergebnissen des Tests zeigte sich der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger. „Besonders interessant“ sei, „dass die Hälfte der Gymnasiasten bereits gegen Ende der 9. Jahrgangsstufe die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz erfülle, die eigentlich erst am Ende der 10. Klasse erreicht werden müssten.“

Vor diesem Hintergrund gewinne die „bereits früher diskutierte Forderung, Gymnasiasten unter bestimmten Umständen bereits nach der 9. Klasse die Mittlere Reife zu vergleichen, neue Brisanz.“ Zum Länderranking stellte Meidinger fest: „An der Spitze der Leistungsergebnisse konnten sich wieder einmal jene Bundesländer platzieren, die erstens seit Jahren auf Leistung und Qualität setzen und zweitens eine hohe Kontinuität in der Bildungs- und Schulpolitik aufweisen.

Hektische Reformschnellschüsse und Strukturänderungen von Wahl zu Wahl haben sich in den betroffenen Bundesländern nicht ausgezahlt!“ Die Untersuchung, die erstmals auf Basis der neuen bundesweiten Bildungsstandards durchgeführt wurde, löst den bisherigen Pisa-Bundesländervergleich ab. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch von der Kultusministerkonferenz in Berlin.

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