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Veröffentlicht: 31.05.2017, 06:49 Uhr

Studie der Studentenwerke Warum das Bafög nicht reicht

Die Fördersätze für Studenten reichen nicht aus. Zu dem Ergebnis kommt eine breit angelegte Studie. Sie hat erhoben, wohin das Bafög fließt – und wieso Studenten deutlich mehr Geld benötigen, als man erwartet.

von , Berlin
© dpa Studenten bei Erstsemesterbegrüßung in Koblenz

Zwar hatte die Bundesregierung die Bedarfssätze für das Bafög zum Wintersemester 2016/17 um mindestens sieben Prozent erhöht, doch genügt das Bafög bei weitem nicht, um die Lebenshaltungskosten eines durchschnittlichen Studenten zu decken. Das gilt selbst dann, wenn entsprechend der Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts nur die Ausgaben von 15 Prozent der Studenten am untersten Einkommensspektrum einbezogen werden.

Heike Schmoll Folgen:

In einer aussagekräftigen Studie des Deutschen Studentenwerks hat sich jetzt herausgestellt, dass die Lebenshaltungskosten der Studenten bei etwa tausend Euro liegen. Eingerechnet sind Ausgaben für Gesundheit, Ernährung, Fahrtkosten, Kleidung, Kommunikation und Freizeit, Lernmittel und Miete, die in allen zugrundeliegenden Sozialerhebungen ähnlich sind. Die Höhe der Gesamtausgaben hängt von der Wohnform ab (Wohngemeinschaft oder allein, Studentenheim) und von der Existenz von Kindern ab. Wohnen Studenten mit einem Partner zusammen, sind die Kosten meist etwas niedriger. Da die Ausgaben für Lebensmittel die am ehesten beeinflussbaren Kosten sind, sparen Studenten vor allem beim Essen. „Hierfür werden zum Teil Beträge ausgegeben, die eine gesunde und ausgewogene Ernährung unwahrscheinlich erscheinen lassen“, heißt es in der Studie, die diesen Befund für „erschreckend“ hält.

Die Höchstförderung durch Bafög liegt auch nach der jüngsten Anhebung bei 735 Euro, und längst nicht alle Studenten bekommen den Höchstsatz. Laut statistischem Bundesamt wurden im Jahre 2015 etwa 611000 Studenten unterstützt, die Durchschnittsförderung lag bei 448 Euro. Vier Fünftel der Bafög-Geförderten geben an, ohne das Geld nicht studieren zu können. Der Präsident des Deutschen Studentenwerks Dieter Timmermann, der mit der Untersuchung das „Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie“ (FiBS) beauftragt hatte, forderte deshalb die Politik zum Handeln auf. Andernfalls liefen viele Studenten in die Armutsfalle. Er zweifelt auch daran, dass die Zahl der Bafög-Empfänger um zusätzliche 100000 steigt, wie das die Bundesregierung erwartet.

Förderlücke für Kranken- und Pflegeversicherung

Die Studie macht schon bei den Wohnpauschalen des Bafög eine völlige Unterdeckung aus. Jedenfalls reichen sie nicht für eine Deckung der tatsächlichen Mietkosten, die in den beliebten Universitätsstädten weit darüber liegen. Bund und Länder müssten dringend in Ausbau und Sanierung von Wohnheimen investieren, um die Wohnkosten für Studenten zu senken oder auf bezahlbarem Niveau zu halten, fordert das Studentenwerk.

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Miete und Gesundheitsausgaben sind nach der Erhebung die größten Kostentreiber. Vor allem im unteren Einkommenssegment reichten weder das Bafög noch die Zuwendungen der Eltern aus, um eine ausreichende Grundlage zur Finanzierung des Studiums zu ermöglichen. Viele Studenten hätten sich häufig auf eine Erwerbstätigkeit eingerichtet. Eine Förderlücke sehen die Autoren der Studie auch bei den Bafög-Zuschlägen für die Kranken- und Pflegeversicherung, gerade bei über 30 Jahre alten Studenten. Denn die Bafög-Zuschläge orientieren sich ausschließlich an der studentischen Krankenversicherung (86 Euro monatlich für Studenten, die älter als 25 Jahre sind), nicht jedoch an den viel höheren Beiträgen für über 30 Jahre alte Studenten. Für sie liegt der monatliche Beitrag bei mehr als 150 Euro.

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Viele Studenten fürchten die Rückzahlung des Bafögs, die allerdings erst fünf Jahre nach Förderende beginnt, auf maximal 10000 Euro begrenzt und dann noch in geringen Raten zu leisten ist. Sie scheuen sich deshalb, einen Bafög-Antrag zu stellen und gehen lieber einer Erwerbstätigkeit nach, die sie häufig an der vollen Konzentration aufs Studium hindert. Das Studentenwerk forderte die Studenten daher auf, Bafög-Anträge zu stellen.

Quelle: wahlrecht.de
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