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Streit um Pestizide : Bund hält Glyphosat für unbedenklich

  • Aktualisiert am

Über allen Feldern ist Ruh: Eine wachsende Anzahl von Äckern bearbeiten die Landwirte „pfluglos“ – mit Glyphosat Bild: AFP

Der Einsatz des Totalherbizids hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen - die Kritik daran ebenfalls. Das Bundesinstitut für Risikobewertung jedoch findet in 1.050 Studien keinen Hinweis auf Gesundheitsgefahr.

          Das verbreitete Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) harmlos. Weder die menschliche Gesundheit sei gefährdet noch die Fortpflanzungsfähigkeit von Menschen oder Tieren, teilte das BfR auf seiner Internetseite mit. Das Ergebnis resultiere aus der Auswertung von mehr als 1.050 wissenschaftlichen Studien. Umweltschutzaktivisten und die Grünen wollen ein (teilweises) Verbot erwirken mit dem Hinweis darauf, Glyphosat könne bei Menschen und Tieren das Risiko von Fehlgeburten und Krebserkrankungen erhöhen.

          Mehr als 900 publizierte wissenschaftlichen Studien und 150 weitere neue toxikologische Studien ergäben allerdings „keine Hinweise auf eine krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat bei Versuchstieren“, teilte das staatliche BfR nun mit. Auch gebe es keinen Anlass, die geltenden gesetzlichen Grenzwerte „wesentlich zu verändern“. Die berücksichtigten Studien hätten den internationalen Richtlinien der OECD entsprochen. An der Untersuchung hatten auch das Umweltbundesamt und das Bundesamt für Verbraucherschutz mitgearbeitet. Die EU prüft 2014 turnusmäßig, ob Glyphosat neu zugelassen wird. Das Gutachten des BfR ist eine Entscheidungsgrundlage.

          Landwirte erhöhten den Einsatz von Glyphosat, einem rund 40 Jahre alten Herbizid, in den vergangenen Jahren deutlich. Es ist ein sogenanntes Totalherbizid, das alle Pflanzen tötet. Nach Ablauf des Patentschutzes von Monsanto vor vielen Jahren wurde es relativ günstig. Durch einen Einsatz vor der Aussaat ist es möglich, dass Bauern den Acker nicht mehr pflügen. Auch ist es für die Chemiekonzerne Syngenta, BASF, Bayer Crop Science oder Monsanto ein umsatzstarkes Produkt. Die neue Untersuchung zeige, „wie spekulativ und haltlos die Vorwürfe der letzten Monate waren und sind“, sagte eine Sprecherin von Monsanto.

          Kritik im Kontext der Debatte über gentechnisch veränderte Pflanzen

          An die Spitze der Gegner hatte sich der mitglieds- und finanzstarke Umweltverein BUND mit seiner Kampagne „Glyphosat tötet“ gestellt. Er beruft sich auf einige Studien, die insbesondere für Länder Lateinamerikas auf Gesundheitsgefahren hindeuten, aber offenbar nicht den Kriterien des BfR genügten. In Lateinamerika wird Glyphosat teils mit Flugzeugen versprüht, Anwohner und Arbeiter sind ihm anders als in Europa direkt ausgesetzt.

          Der BUND verweist auch auf eine eigene Stichprobe, wonach ein großer Teil der Probanden Glyphosat im Urin habe. Es gelangt in sehr geringen Mengen über die Felder ins Essen und Trinkwasser. Diese Stichprobe inspirierte zahlreiche glyphosat-kritische Presse- und Fernsehberichte, etwa „Unser tägliches Gift“ im ZDF. Bernhard Küsken, der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, stellte dazu einen Brief ins Internet und hob den Nutzen von Glyphosat hervor: Es erhöhe die Erträge und vermindere die Bodenerosion, da nicht mehr gepflügt werden müsse. Auch werde dadurch viel Energie gespart, vor allem Diesel für den Traktor.

          Das Gutachten des BfR enthält einen Punkt, der eine genauere Untersuchung von Gesundheitsrisiken nahelegt. Das betrifft allerdings nicht Glyphosat, sondern Zusatzstoffe wie sogenannte Tallowamine, die manchen glyphosathaltigen Pestiziden beigefügt sind. Deren Toxizität könne „höher sein“, hieß es. Tallowamine führen dazu, dass das Pflanzengift besser an den Pflanzen haften bleibt. Das ist allerdings seit Jahren bekannt und hat in Deutschland schon vor Jahren zu teilweisen Nutzungsverboten geführt. Glyphosat steht in denjenigen Ländern – etwa Amerikas und Asiens –, in denen gentechnisch veränderte Pflanzen (GVO) zugelassen sind, in enger Verbindung mit der GVO-Technik. Dem Mais oder Soja ist eine Resistenz gegen Glyphosat „eingezüchtet“. Das Unternehmen Monsanto, Objekt weltweiter Proteste, wird besonders mit diesem Mittel verbunden. GVO-Pflanzen werden in Deutschland aber nicht angebaut. Internationale Kritik an Glyphosat ist aber im Kontext der GVO-Debatte zu sehen, die im Kern auch eine um die Struktur der Landwirtschaft insgesamt ist, weil GVO den Strukturwandel hin zu großen Farmen und einer Konzernstruktur im Agrarsektor beschleunigt.

          Quelle: F.A.Z.

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