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Streit um Limburger Bischof Doom

Der Streit um Bischof Tebartz-van Elst erschüttert das Bistum. In den Kathedralen von Limburg und Frankfurt werden Zeichen gesetzt.

Das Bistum Limburg ist in Aufruhr. Bischof Tebartz-van Elst hatte am Montag auf einer Plenarkonferenz leitender Kleriker und Dezernenten dem Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz wegen eines Fernsehauftritts in einer vorbereiteten Erklärung den Rücktritt nahegelegt - so wurde es von diesem selbst und weiteren Teilnehmern der Sitzung verstanden. Als das bekannt wurde, erhob sich im Bistum und insbesondere unter Frankfurter Katholiken ein Sturm der Entrüstung. Die „Frankfurter Neue Presse“ machte mit der Überschrift auf: „Die Stadt steht hinter ihrem Dekan“. Zu Eltz wird seither mit Mails und Briefen überschüttet, in denen er ganz überwiegend Unterstützung erfährt. Beim Stadtkirchenfest im Frankfurter Dom am heutigen Sonntag wollen kirchliche Mitarbeiter und Ehrenamtliche Zeichen der Solidarität mit dem Stadtdekan setzen.

Volker Zastrow Folgen:  

Auch im ausnahmsweise proppenvollen Dom zu Limburg gab es am vergangenen Sonntag ein Zeichen. Der dortige Kaplan, Sascha Jung, der demnächst als Pfarrer in Flörsheim antritt, verabschiedete sich mit einer leidenschaftlichen Predigt, die er nach Luther strukturiert hatte: „Tritt frisch auf, tu’s Maul auf, hör bald auf!“ Jung sagte, er wolle seine Predigt nicht mit Zitaten von klugen Leuten und frommen Menschen intellektuell veredeln: „Ich möchte Ihnen doch zu Herzen reden und keine dogmatische Vorlesung halten. Gerade Letzteres erleben wir hier im Dom doch viel zu oft.“

Ablenkungsmanöver

Jung machte sich die Bewertung des Papstes Benedikt XVI. zu eigen, Luther habe in einer Zeit, in der die Kirche ihrem eigentlichen Sendungsauftrag „nicht mehr in allem“ gerecht geworden sei, für Heilung sorgen wollen. Über seine eigene Zeit am Limburger Dom sagte der junge Priester, diese drei Jahre seien bei ihm und anderen dadurch bestimmt gewesen, wie man verhindern könne, dass aus dem Dom „ein Hort klerikaler Eitelkeiten und eine Spielwiese pontifikaler Prachtentfaltung“ gemacht werde.

Frankfurt als Tourist erleben - Ansichten aus der Stadt am Main © Fiechter, Fabian Vergrößern Dom zu Frankfurt

Im Kirchenschiff war es mucksmäuschenstill, alles lauschte gebannt dem Prediger, der, ein Wort von Papst Franziskus aufgreifend, das Bild einer Kirche als Zündholz entwarf, mit dem Gott „über die Reibflächen der Zeit“ streiche. Nach dem Amen wandte Jung sich dem Altar zu, da brandete in seinem Rücken schon begeisterter Applaus auf. Das ist in katholischen Messen nicht üblich, schon gar nicht im Dom zu Limburg; doch dieser Beifall war kräftig und lang anhaltend. Das Zeichen. Hinterher hieß es, der Kaplan habe „den Dom gerockt“.

Unterdessen wurde Journalisten in Limburg nahegelegt, sich lieber mit den Renovierungskosten des Frankfurter Dompfarrhauses zu beschäftigen; so könnte der Eindruck verbreitet werden, auch Pfarrer zu Eltz lebe auf großem Fuße - was sonst ja dem Bischof vorgeworfen wird. Indes sind die zu einem erheblichen Teil von der Stadt Frankfurt getragenen Kosten dieser Renovierung längst öffentlich - im Gegensatz zu den Gesamtkosten des neuen Bischofshauses (man soll jetzt „Diözesanes Zentrum“ sagen, aber „Bischöfliches Haus“ steht groß auf dem Türschild). Doch eine Rücktrittsforderung an zu Eltz gab es gemäß Bistumssprecher nicht: Der Bischof habe nur gefragt, „ob jemand, der von ihm in eine besondere Vertrauensposition berufen wurde, das Amt weiter wahrnehmen kann, wenn er die Loyalität“ öffentlich verletze.

Um keine Ausrede verlegen

Auf der Plenarkonferenz war es aber nicht nur darum gegangen. Der zweite Teil des bischöflichen Vortrags diente der Darlegung angeblich umfänglicher Falschberichterstattung von F.A.Z. und F.A.S. über den Bischof. Bereits Anfang Juli hatte der Justitiar des Bistums nach einem scharfen F.A.Z.-Artikel sämtliche Abonnements beider Zeitungen gekündigt, außerdem hatte der Generalvikar Franz Kaspar Weisung erteilt, Anfragen des F.A.Z.-Kirchenredakteurs „ins Leere laufen“ zu lassen und nicht einmal deren Eingang zu bestätigen. Nun wurden die Anwesenden, zumal die Pfarrer, aufgefordert, in ihren Gemeinden die Richtigstellungen des Bischofs unter zweifelnden und fragenden Gläubigen zu verbreiten und den Bischof gegen vermeintlich gehässige Kritik zu verteidigen. Nach der Sitzung wurden die Teilnehmer durch die bischöfliche Residenz geführt, wobei ihnen unter anderem der Teich gezeigt wurde, in dem durchaus nicht Kois, sondern niedliche Goldfische schwammen.

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Veröffentlicht: 25.08.2013, 08:53 Uhr