05.02.2008 · Nach dem Rücktritt von Heide Simonis als Vorsitzende von Unicef Deutschland wird auch in der Politik der Ruf nach Reformen bei dem Kinderhilfswerk laut. Es hat in den vergangenen Wochen etwa 5000 Dauerspender verloren. Auch Unicef-Repräsentantin Sandra Völker trennte sich von der Organisation.
Nach dem Rücktritt von Heide Simonis als Vorsitzende von Unicef Deutschland wird auch in der Politik der Ruf nach Reformen bei dem Kinderhilfswerk laut. Entsprechend äußerten sich in der Zeitung „Tagesspiegel“ Bundestagsabgeordnete, die das Parlament in das Unicef-Komitee entsandt hat.
Die Vertreterin der Unionsfraktion, Anke Eymer (CDU), forderte höhere Transparenz und strukturelle Veränderungen in der Zusammenarbeit von Vorstand und Komitee. Die von der Linksfraktion entsandte Monika Knoche kritisierte, dass das Komitee lediglich schmückendes Beiwerk sei, aber keine Kontrollrechte habe.
„Wir sind besorgt wegen des Image-Schadens“
Auch in der Unicef-Zentrale werden die Entwicklungen in Deutschland kritisch gesehen. „Wir sind besorgt wegen des Image-Schadens für Unicef“, sagte die Sprecherin der Genfer Zentrale von Unicef, Veronique Taveau, der „Financial Times Deutschland“. Sie hoffe auf eine schnelle Lösung, damit wieder ungestört gearbeitet werden könne. Der amtierende Vorsitzende des deutschen Unicef-Komitees, Reinhard Schlagintweit, kündigte in der Zeitung als Konsequenz aus den Vorwürfen Änderungen in der Geschäftsstelle und bei der Arbeit des Vorstandes an.
Die Unicef-Regionalgruppe Niederrhein löst sich unterdessen bereits auf, wie ihr Leiter Herbert Schröders der „Rheinischen Post“ sagte. „Wir hatten 20 Mitarbeiter, von ihnen werden 15 ganz aufhören und fünf zu Nachbargruppen gehen.“ Schröders hatte die Gruppe vor 25 Jahren gegründet. Eine Sprecherin der Kölner Zentrale sagte der Zeitung, Unicef habe in den vergangenen Wochen etwa 5000 Dauerspender verloren.
Streit über den Bericht der Wirtschaftsprüfer
Simonis, die frühere Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, war am Samstag wegen unüberbrückbarer Differenzen zum übrigen Unicef-Vorstand zurückgetreten. Am Montag wurde der Vorwurf laut, der Vorstand habe einen kritischen Bericht von Wirtschaftsprüfern zur Verwendung von Spendengeldern geschönt wiedergegeben.
In einem Zeitungsgespräch bekräftigte Frau Simonis ihre Vorwürfe und verwies auf „Verstöße gegen Ordnungsmäßigkeiten“, die schon Mitte Januar von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG festgestellt worden seien. „Das sind Verstöße gegen Unterschriftenregeln, Vier-Augen-Prinzip, Schriftform von Verträgen und so weiter“, sagte sie. Nun geht es um die Frage, ob derartige Verstöße den Vorwurf der Verschwendung rechtfertigen oder ob das KPMG-Gutachten im Ganzen zu dem Schluss gelangt, dass es „keine Verschwendung von Geldern, keine Unregelmäßigkeiten oder gar Satzungs- oder Gesetzesverstöße“ gegeben habe. So hatte es Unicef nach der Übergabe des Gutachtens verbreitet. Daran hält Unicef auch jetzt fest und beruft sich dabei auf die Gesellschaft KPMG, die dieser Formulierung zugestimmt habe.
Auch die Schwimmerin und Unicef-Repräsentantin Sandra Völker trennte sich von der Organisation. Simonis forderte eine Änderung der Satzung, um die von den Wirtschaftsprüfern festgestellten Mängel abzustellen.