20.08.2010 · Der Schatzmeister der bayerischen Linkspartei Voß beschwert sich in einem offenen Brief an Gregor Gysi und den Bundesvorstand der Partei über „Rufmordversuche“. Zuvor war die Information verbreitet worden, er selbst, Mitglieder seiner Familie und Teile seines Kreisverbandes seien „Karteileichen“.
Von Mechthild Küpper, BerlinDer Schatzmeister der bayerischen Linkspartei, Ulrich Voß, wehrt sich in einem offenen Brief an den Bundesvorstand seiner Partei und an Gregor Gysi, der die Bundestagsfraktion leitet, gegen Vorwürfe, die aus der Linkspartei gegen ihn erhoben worden waren. Mit tiefem Befremden habe er die Reaktion der Parteiführung auf die von ihm benannten Probleme mit der Mitgliederkartei und der Beitragsehrlichkeit zur Kenntnis genommen.
Voß fordert den Bundesvorstand und Gysi auf, ihm mitzuteilen, wer die – von ihm bestrittenen – Meldungen an die Presse gegeben habe, dass er, Mitglieder seiner Familie und ein großer Teil seines Kreisverbandes beitragssäumig seien. Die Informationen könnten nur aus der Partei kommen, er werte das als Rufmordversuch und einen schweren Verstoß gegen den Datenschutz. Voß nennt eine Nicht-Zahler-Quote in seinem Kreisverband Amberg-Sulzbach von 17 Prozent.
An Gysi persönlich gewandt, wehrt sich Voß gegen dessen Bemerkung, für Missstände der von ihm beschriebenen Art sei in erster Linie der Schatzmeister eines Landesverbandes verantwortlich. Gysi sei schließlich anwesend gewesen, als die bayerische Linkspartei Mitte April einen neuen Vorstand und ihn, Voß, zum Schatzmeister gewählt habe. Gysis Vorwurf könne allenfalls seine Vorgängerin treffen, die allerdings vom neuen Landesvorstand mit der Mitgliederdatenverwaltung betraut worden sei, die sie zuvor auch schon als Schatzmeisterin betreut habe.
In Bayern seien ein Drittel der 3200 Mitglieder „Karteileichen“
Als Schatzmeister, schreibt Voß, sei es ihm von Anfang an um die Bereinigung der Mitgliedersituation gegangen. Doch dabei sei er nachweislich vom Landesvorstand gehindert worden. Voß hatte am vergangenen Wochenende erklärt, in Bayern seien ein Drittel der 3200 Mitglieder reine „Karteileichen“, was in den darauf folgenden Tagen von maßgeblichen Mitgliedern für die meisten westdeutschen Landesverbände im wesentlichen auch bestätigt wurde.
Voß wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe mit seiner Kritik an den Verhältnissen in der Partei den Weg an die Öffentlichkeit gesucht, um dem Vorsitzenden Klaus Ernst zu schaden. Zwar sei er kein Freund von dessen Politik, doch gehöre er keiner Strömung innerhalb der Linkspartei an und entstamme einer dezidiert antidiktatorischen grünen Tradition.
Die Linken
Reiner Kuball (bambus07)
- 20.08.2010, 18:58 Uhr