29.11.2009 · Mehrere Politikerinnen verschiedener Parteien haben die Forderung des Deutschen Ethikrates, Babyklappen abzuschaffen, scharf kritisiert. Die Empfehlung sei „rigoros und lebensfern“, sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles der F.A.S.
Die Forderung des Deutschen Ethikrates, Babyklappen abzuschaffen, hat einen heftigen Streit über das Für und Wider dieser Einrichtungen ausgelöst. Politikerinnen mehrerer Parteien kritisierten die Forderung des Rates. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hält sie für „rigoros und lebensfern“. Frau Nahles sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagzeitung: „Jedes Kind, das durch eine Babyklappe gerettet oder vor Schaden bewahrt wird, ist ein Argument gegen die Entscheidung des Ethikrates.“ Ähnlich äußerte sich Renate Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag: „Das Recht des Kindes auf sein Leben steht über allem anderen.“ Deshalb sei die Forderung, Babyklappen abzuschaffen, falsch.
Der Ethikrat hatte kritisiert, dass Babyklappen das Recht des Kindes verletzten, seine Herkunft zu kennen. Zudem erreichte das Angebot kaum die Frauen, die ihr Kind nach der Geburt aussetzten oder töteten. Frau Nahles sagte, zwar solle jeder Mensch wissen, wer seine Eltern seien: „Aber ohne Babyklappen haben einige Kinder gar keine Chance, danach zu suchen.“
Anders sieht das Petra Sitte, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag. Die Stellungnahme des Ethikrates sei „mutig“ und mache nachdenklich. „Es wird unterschätzt, welche Bedeutung es für das Heranwachsen eines Kindes hat, Kenntnis über seine Herkunft zu haben“, sagte die Linken-Politikerin der Sonntagszeitung. Für manche Menschen werde die Suche nach den Eltern zu einem Thema, das ihr ganzes Leben belaste.
Die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär sagte, es müsse zunächst geklärt werden, ob Babyklappen überhaupt dazu beitragen, Kindstötungen zu verhindern. Dazu wolle die Union eine Studie des Familienministeriums abwarten, die derzeit erstellt wird. „Vorher sollte man nicht kategorisch alles abschaffen“, sagte die CSU-Politikerin. Die Koalition werde auf jeden Fall in dieser Legislaturperiode ein Gesetz zur vertraulichen Geburt vorlegen, das es Müttern ermöglicht, Kinder unter ärztlicher Begleitung anonym zu gebären. Die persönlichen Daten der Mutter sollten dann „für mehrere Jahre“ bei einer nichtstaatlichen Stelle hinterlegt werden, so dass die Kinder später ihre Eltern kennenlernen könnten.
Kritiker der Babyklappen sind der Ansicht, durch sie würden keine Säuglinge gerettet, sondern Findelkinder produziert. Kindesaussetzungen würden so nicht verhindert. „Frauen, die ihr Neugeborenes töten, sind aufgrund meiner forensisch-psychiatrischen Erfahrungen nicht identisch mit jenen Frauen, die imstande sind, ihr Kind in einer Babyklappe abzugeben“, sagt Anke Rohde, Professorin für gynäkologische Psychosomatik in Bonn. Sie hält Babyklappen für „schädlich“. Mütter, die töteten, befänden sich oft in einer Ausnahmesituation wegen der unerwünschten oder verdrängten Schwangerschaft. Sie zeigten „praktisch immer Defizite bei Problemlösungsstrategien“. Eine Frau, die in der Lage sei, herauszufinden, wo die nächste Babyklappe sei, könne sich durchaus an eine Adoptionsvermittlung wenden.
In Deutschland gibt es knapp 80 Babyklappen. Daneben werden in rund 130 Krankenhäusern anonyme Entbindungen angeboten.