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Wegen Lutz Bachmann : Pegida-Führung gibt auf

Weil Lutz Bachmann bei Pegida noch immer eine Rolle spielt, zieht sich Kathrin Oertel zurück. Bild: Daniel Pilar

Kathrin Oertel und vier weitere Mitglieder der Pegida-Führung geben ihre Ämter in der islamkritischen Bewegung ab. Eine geplante Kundgebung am kommenden Montag wurde abgesagt, bestätigte die Stadt Dresden.

          Das asyl- und islamkritische Bündnis Pegida hat seine geplante Kundgebung in Dresden am kommenden Montag abgesagt. Das bestätigte ein Sprecher der Stadt Dresden am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Zu den Gründen wurden keine Angaben gemacht.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Zuvor hatten fünf führende Mitglieder des Organisationsteams ihre Ämter niedergelegt. Das bestätigte das bisherige Vereinsmitglied Bernd-Volker Lincke der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Bei einer Sitzung des Organisationsteams habe er seinen Austritt erklärt. Im Anschluss seien auch die bisherige Sprecherin Kathrin Oertel sowie die Vorstandsmitglieder Rene Jahn, Achim Exner und Thomas Tallacker aus dem Verein ausgetreten. Hauptgründe seien das Verhalten und die ausländerfeindlichen Äußerungen von Pegida-Gründer Lutz Bachmann gewesen.

          „Unter diesen Voraussetzungen mache ich dort nicht mehr mit“, sagte Lincke, der eigenen Angaben zufolge mit Bachmann und einigen der anderen Mitglieder seit vielen Jahren befreundet ist. Er habe mit ihm darüber bereits bei der Pegida-Kundgebung am Sonntag in Dresden sprechen und seinen Rückzug erklären wollen. Da Bachmann an der Veranstaltung nicht teilgenommen hatte, nutzte Lincke die Sitzung des „Orgateams“ am Dienstag, um reinen Tisch zu machen. „Ich wollte da raus und mich auch auf keine Diskussionen mehr einlassen.“ Bachmann habe das stillschweigend zur Kenntnis genommen. Lincke habe die Sitzung dann vorzeitig verlassen.

          Pegida-Gründer Bachmann war am vergangenen Mittwoch als Vereinsvorstand zurückgetreten, nachdem Facebook-Kommentare von ihm bekannt geworden waren, in denen er Asylbewerber als „Dreckspack“, „Viehzeug“ und „Gelumpe“ bezeichnet und sich im Hitler-Look fotografiert hatte; das Bild ging um die Welt.

          „Das ist für mich ein Ding der Unmöglichkeit und für die ganze Bewegung kontraproduktiv“, sagte Lincke. Bachmann hatte sich am Mittwoch zwar entschuldigt, seinen Rückzug jedoch konnte er nicht mehr stoppen, auch weil andere Vereinsmitglieder, darunter die jetzt Ausgetretenen, sein Verhalten nicht mehr hinnehmen wollten.

          Bachmann jedoch mischte weiterhin kräftig hinter den Kulissen mit. So stammte etwa die Information über die Vorverlegung der Pegida-Kundgebung von Montag auf Sonntag auf der Internetseite des Vereins von ihm. Das wollte ein wichtiger Teil des Teams nun nicht mehr hinnehmen.

          Bachmann nennt „Anfeindungen“ als Grund für Oertels Rückzug

          Pegida-Sprecherin Oertel war bisher nicht für eine Stellungnahme zu erreichen, allerdings stellte der Verein am Nachmittag eine Erklärung online. Das offenbar von Lutz Bachmann verfasste Schreiben bestätigte den Rückzug Oertels, erklärte ihn jedoch mit „massiven Anfeindungen, Drohungen und beruflichen Nachteilen“.

          Wenn Fotografen vor dem Haus lauerten und nachts Gestalten um ihr Haus schlichen, könne man es selbst „der stärksten Frau nicht übel nehmen, wenn sie eine Auszeit“ brauche. Auch für den Rückzug Thomas Tallackers werden berufliche Nachteile aufgeführt.

          Ob und wie es nun mit Pegida weitergeht, werde das Team am Donnerstag beantworten, sagte Lincke, der Inhaber einer Unternehmensberatung und Werbeagentur ist. „Ich mache auf keinen Fall mehr mit, ich muss mich jetzt erstmal sammeln und darüber nachdenken, was in den vergangenen Monaten überhaupt passiert ist.“ Laut Lincke habe das Orgateam sämtliche Kundgebungen bis zuletzt völlig allein gestemmt.

          Den Angaben auf der Internetseite zufolge will der Verein in den nächsten Tagen einen neuen Vorstand wählen; Lutz Bachmann stehe dafür jedoch nicht mehr zur Verfügung. Es gehe nicht um Personalien, sondern um die Sache, heißt es dort. Weitere Informationen sollen in den kommenden Tagen folgen.

          Reisewarnung der amerikanischen Regierung

          Die Pegida-Märsche sind auch Grund für eine Reisewarnung durch das State Department in Washington. Darin werden amerikanische Bürger auf mögliche Gefahren im Zusammenhang mit den islamkritischen Demonstrationen hingewiesen.

          Amerikaner in Deutschland sollten wegen angekündigter Proteste der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung“ in einer Reihe deutscher Städte größere Menschenmengen meiden und besonders vorsichtig sein, hieß es in einer bereits am Montag herausgegebenen Mitteilung.

          Konkret wurden bisher geplante Demonstrationen in Berlin, Frankfurt, München, Dresden, Leipzig und Köln in den kommenden Wochen sowie eine Kundgebung in Düsseldorf am Rosenmontag (16. Februar) erwähnt.

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