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Stoiber, Musik, Politik : On Drums

Ein Ausnahmeschlagzeuger: Jonny König übersetzt Stoibers Großstadtlyrik in Beats Bild: Jonny König

Edmund Stoibers Rede über den Transrapid ist legendär. Jetzt hat sie ein junger Musiker, Jonny König, auf das Schlagzeug übersetzt. Binnen Tagen hat „Stoiber on Drums“ eine halbe Million Klicks bei Youtube. Was Musik mit Mathe und Politik zu tun hat.

          Wer kennt nicht Edmund Stoibers Transrapid-Rede? Sie klingt wie ein rhetorischer Auffahrunfall. Nun hat ein junger Schlagzeuger, Jonny König, diese knapp eineinhalb Minuten Wort für Wort, Silbe für Silbe, Äh für Äh nachgetrommelt: „Stoiber on drums“. Wo Stoibers Stimme hell und klirrend klingt, verwendet König HiHat und Becken, wo Stoibers Vortrag Fahrt aufnimmt, rollt er bei König über Basstrommel und Tomtoms, wo Stoiber sich verhaspelt, lässt ihn König mit Rimclicks über den Rand der Snare Drum holpern und stolpern. Man sieht dem jungen Mann auf dem Youtube-Video an, wie konzentriert er ist. Aber er zieht das durch und landet schließlich bei dem Satz, in den Stoiber seinen aberwitzigen Crash hineinkapituliert: „Weil das ja klar ist.“

          Volker Zastrow

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

              Das ist wie eine Befreiung, als ob Fesseln fallen, witzigerweise auch so, als sei wirklich klar oder nur herrlich egal, was Stoiber eigentlich sagen wollte. Aus dem „Weildasjaklarist“ macht Königs Band dann einen Popsong, einen Loop, der Computer lässt Stoibers Stimme singen. Am Schluss trommelt König das Finale, „dass der Hauptbahnhof im Grunde genommen näher an Bayern, an die bayerischen Städte heranwächst“, wie die perfekte Klimax eines perfekten Rhetors und setzt dem mit fünf coolen Schlägen die Pointe auf: weil - das - ja - klar - ist. Es ist mitreißend, begeisternd. Aber was ist ja klar?

          Reden wir über Musik, Mathe und Politik.

           C-Dur-Präludium, Wohltemperiertes Klavier I, Takt 26 bis 28: Das sind drei fünfstimmige Akkorde mit dem gleichen Grundton. Vom ersten zum zweiten Takt verändert sich ein einziger dieser fünf Töne, und auch das nur um den kleinstmöglichen Schritt, einen Halbton. Doch diese beiden fast identischen Akkorde lösen erstaunlich unterschiedliche Gefühle aus.

          Das Klavier stimmt den Menschen.

          Man kann zwischen den Akkorden wechseln, hin und zurück, und die Stimmung wechselt mit. Man kann das jederzeit wiederholen, Tage, Wochen, Monate, Jahre später. Es nutzt sich nicht ab. Das mit dem jeweiligen Akkord verbundene Gefühl ist, ja, präzise - aber doch zugleich so unbestimmt, dass es sich nicht in Worte fassen lässt. Man kann’s versuchen, haben auch schon viele versucht (wie klingt ein sus4/7?) - letztlich bleibt immer der Akkord selbst der vollkommene Ausdruck des Gefühls, das er auslöst.

          Das gilt auch für den dritten Takt: Diesmal wird bis auf den Grundton alles ein kleines bisschen nach oben verschoben, so wenig, wie es weniger kaum geht - und das hat einen unheimlich krassen Effekt. Nach diesem strahlenden Akkord im Takt davor, der sich ausstreckte wie in ein Himmelbett, ist es, als ob ein Arzt reinkommt und so guckt, dass man denkt: Es ist Krebs, ich hab’s gewusst, oder doch nicht? Oh Gott. Heute würde man sagen, der gute alte Johann Sebastian Bach hat da mal eben ein paar „blue notes“ eingeschoben. Ja, der Blues. Doch davon später.

              Jetzt erst mal zu Pythagoras, Mathe. Wenn man kein Mathematiker ist, dann ist Mathe noch schlimmer als Klavier, wenn man kein Musiker ist. Dass die meisten Menschen froh sind, nie wieder in die Schule zu müssen, liegt nicht zuletzt an Mathe und so Sätzen wie denen des Pythagoras. Wissen Sie noch? Aquadrat plus Bequadrat gleich Cequadrat?

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