Home
http://www.faz.net/-gpg-78m00
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Digitale Exzellenz

Steuer-Affäre Hoeneß „Dieser Fall dient nicht unserer Glaubwürdigkeit“

Uli Hoeneß gesteht einen „schweren Fehler“ ein, den er versuche mit seiner Selbstanzeige „zumindest halbwegs wiedergutzumachen“. Der frühere DFB-Präsident Zwanziger befürchtet negative Folgen für den deutschen Fußball. SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück spricht sich weiter für Straffreiheit bei Selbstanzeigen aus.

© dpa Vergrößern Uli Hoeneß hat angekündigt, an diesem Dienstag zum Champions-League-Halbfinale des FC Bayern gegen den FC Barcelona in die Münchner Arena zu kommen

Uli Hoeneß hat sich erstmals öffentlich zu seiner Selbstanzeige und der entstandenen Debatte geäußert. „Ich habe erkannt, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe, den ich versuche, mit der Selbstanzeige zumindest halbwegs wiedergutzumachen“, sagte der Unternehmer und Präsident des FC Bayern München der Zeitung „Sport Bild“.

Hoeneß sagte: „Ich will reinen Tisch machen. Das Gesetz bietet ja diese Möglichkeit.“. An einen Rücktritt als Bayern-Präsident denke er nicht. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen den 61 Jahre alten Hoeneß  wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Bereits am Montag hatte Hoeneß angekündigt, vorerst keine Details zu der brisanten Steuersache nennen zu wollen. „Ich werde einige Wochen ins Land ziehen lassen, ehe ich mich äußere“, erklärte Hoeneß, der am Dienstagabend in der Münchner Arena beim Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Barcelona (20.45 h) erwartet wird.

„Werden einige Häme zu spüren bekommen“

Negative Folgen für den deutschen Fußball angesichts der Steuer-Affäre befürchtet unterdessen der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger. „Da werden wir nun einige Häme zu spüren bekommen“, sagte Zwanziger. Dieser Fall dient nicht gerade unserer Wertschätzung und Glaubwürdigkeit“, sagte das Mitglied der FIFA-Exekutive der „Bild“-Zeitung.

Rücktrittsforderungen an Hoeneß gibt es jedoch bislang nur aus der Politik. Groß-Unternehmen wie Audi, die Telekom oder Adidas, die als Partner, Sponsoren oder Gesellschaftern des FC Bayern zugleich strengen Compliance-Regeln für ihr Geschäftsgebaren unterworfen sind, verzichten ebenso auf öffentlichen Druck auf Hoeneß wie die Spitzenfunktionäre von DFB und der Fußball-Bundesliga. Bayern-Vizepräsident Rudolf Schels sagte dem Bayerischen Rundfunk: „Als Club stehen wir unverändert zu Uli Hoeneß und wünschen ihm alles Gute für die Klärung der Angelegenheit.“ Die Nachricht vom Transfer von Nationalspieler Mario Götze von Borussia Dortmund zum FC Bayern für angeblich 37 Millionen Euro Ablöse löste derweil die Schlagzeilen von der Steuer-Affäre ab.

20 Millionen-Euro vom Adidas-Chef?

Wegen der im Januar von Hoeneß erstatteten Selbstanzeige ermittelt die Staatsanwaltschaft München II gegen Hoeneß. Nach einem Bericht  der „Süddeutschen Zeitung“ soll Hoeneß im Jahr 2000 insgesamt 20 Millionen Mark (gut 10,2 Millionen  Euro) vom damaligen Chef des Sportartikelherstellers Adidas, Robert Louis-Dreyfus, erhalten haben. Fünf Millionen Mark seien von Louis-Dreyfus direkt auf ein Schweizer Konto überwiesen worden, fünfzehn Millionen seien eine Bürgschaft für einen Kredit gewesen.

Die Zahlung könnte auch deshalb brisant sein, weil Adidas sich nur ein Jahr später mit zehn Prozent am FC Bayern beteiligte. Laut „SZ“ gibt es bisher aber keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem privaten Geschäft von Hoeneß und dem Deal. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft München II laufen die Ermittlungen gegen Hoeneß weiterhin ausschließlich wegen des Verdachts der  Steuerhinterziehung.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mehr Selbstanzeigen Auch die Schweizer waschen ihr Schwarzgeld rein

In Deutschland haben zigtausende Steuersünder reinen Tisch gemacht. Jetzt legen auch immer mehr Schweizer ihr Schwarzgeld offen. Mehr Von Johannes Ritter

01.03.2015, 14:07 Uhr | Wirtschaft
Auktion von Sotheby’s 19 Millionen Euro für eine Uhr

Bei einer Auktion von Sotheby’s in der Schweiz ist eine Taschenuhr für gut 19 Millionen Euro versteigert worden. Der amerikanische Bankier und Sammler Henry Graves hatte diese im Jahr 1930 in Auftrag gegeben. Mehr

12.11.2014, 18:08 Uhr | Stil
Vorschlag für Steuerreform Wie Steinbrück der Ukraine helfen will

Der frühere SPD-Kanzlerkandidat mischt jetzt in der Ukraine mit: Er möchte dem Land helfen, seine Staatsfinanzen zu sortieren. Mit sieben weiteren Politikern wird er einem Beraterkreis angehören, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Mehr Von Jan Hauser

03.03.2015, 19:03 Uhr | Wirtschaft
Hoeneß-Erpresser Thomas S. gesteht vor Gericht

Der mutmaßliche Erpresser des ehemaligen Präsidenten des FC Bayern, Uli Hoeneß, hat ein Geständnis abgelegt. Er soll einen Erpresserbrief an Hoeneß geschrieben haben. Mehr

15.12.2014, 15:57 Uhr | Wirtschaft
Neue Steuer-Pläne Erbschaftssteuer soll Privilegien von Betriebserben beschneiden

Ab einer Erbschaft von 20 Millionen Euro soll bald auch das Privatvermögen eines Betriebserben herangezogen werden, um die Steuerschuld zu begleichen. Unternehmenserben wehren sich gegen die neuen Pläne. Mehr

25.02.2015, 16:04 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.04.2013, 15:34 Uhr

So hält man Reich und Seele zusammen

Von Berthold Kohler

Erst Putin erzeugt, wovor die Russen sich fürchten: Er bringt die Nachbarn dazu, sich der Nato zuzuwenden. Genau das könnte seine Absicht gewesen sein. Ein Kommentar. Mehr 50 50