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Steinbrücks Wahlkampf : Der Kandidat und sein zuversichtlicher Freund

Hat viel zu tun: Peer Steinbrück Bild: dpa

Lange wirkte Hans-Roland Fäßler für Peer Steinbrück im Hintergrund. Nun soll er eine zentrale Rolle im Wahlkampf des Kanzlerkandidaten spielen.

          Als hätte Peer Steinbrück derzeit nicht genug zu tun, muss er am Donnerstag auch noch erstmals in neuer Funktion als Kanzlerkandidat der SPD die Regierungserklärung Angela Merkels erwidern. Nun sind Reden eine seiner leichteren Übungen, doch diese muss wirklich sitzen, denn das Aufeinandertreffen wird ein erster Höhepunkt in einem langen Bundestagswahlkampf sein. Während er also gerade die Kampagne wegen seiner Nebeneinkünfte als Abgeordneter abzuwehren hat, seinen bisherigen Terminkalender auf Kandidatenmodus umstellt, ein Wahlkampfteam zusammenstellt und - was schwieriger ist - die Verzahnung dieses Teams mit dem Willy-Brandt-Haus organisiert, muss auch noch diese verflixte Rede geschrieben werden.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Eine Person, die ihm dabei helfen dürfte, wird in naher Zukunft aus dem Hinter- in den Vordergrund treten: sein langjähriger Freund Hans-Roland Fäßler. Der Hintergrund, in dem er bislang verborgen war, hieß nach den ungeschriebenen Regeln des Hauptstadtjournalismus „Umfeld“ oder „Kreise“, manchmal wurde aus der singulären Person auch einfach mal die Plural-Chiffre „Vertraute“. Es war bislang eines der Probleme Steinbrücks, dass er als möglicher Kanzlerkandidat selbst über keinen großen Stab verfügte, sondern nur über die Mitarbeiter seines Bundestagsbüros. Einen Sprecher hatte er nicht - und so übernahm Fäßler hie und da die Rolle, wobei stets zu beachten war, dass er nicht in offizieller Mission sprach, sondern Einschätzungen eines Freundes äußerte. Es war dabei nicht immer leicht, die Einschätzungen selbst einzuschätzen, etwa dann, wenn Fäßler arg zuversichtlich wirkte, wie das Kandidatenrennen am Ende ausgehen werde.

          Gute Freunde: Peer Steinbrück und Hans-Roland Fäßler
          Gute Freunde: Peer Steinbrück und Hans-Roland Fäßler : Bild: Astrid Ott

          Rückblickend sollte der zuversichtliche Herr Fäßler jedenfalls Recht behalten. Er steht heute mit weißer Weste da, während nicht nur andere sozialdemokratische „Umfelder“ und „Kreise“, sondern auch manch ranghohe Genossen selbst ihre Schürzen bekleckerten. Das war vor allem an jenem Septembertag der Fall, als der „Cicero“-Journalist Christoph Schwennicke berichtete, die K-Frage sei zugunsten Steinbrücks entschieden. Das zunächst nicht knallharte Dementi wurde auf Nachfrage für hart erklärt - und heute suchen diese Leute noch nach einem geeigneten Waschmittel, um die hartnäckigen Flecken zu beseitigen.

          Dass Frank-Walter Steinmeier an jenem Septembertag noch von Mitgliedern der engeren Parteiführung bearbeitet wurde, doch als Kanzlerkandidat anzutreten, änderte nichts am Sachstand: Steinmeier war seit der Sommerpause entschieden. Das musste auch jenen klar sein, welche die offizielle Nominierung Steinbrücks noch hinauszögern wollten und wohl mit der Bearbeitung Steinmeiers durch manchen stellvertretenden SPD-Vorsitzenden auch das Ziel verbanden, die Verantwortung für den bevorzugten, aber eben in der Partei höchst umstrittenen Kandidaten Steinbrück auf mehrere Schultern zu verteilen.

          Juso-Chef in Augsburg

          Fäßler soll also in naher Zukunft auch offiziell - wenngleich ohne Arbeitsvertrag - eine zentrale Rolle im Wahlkampfteam des Kandidaten übernehmen. Jedenfalls, wenn es nach Steinbrück geht - es werden noch Gespräche mit dem Willy-Brandt-Haus geführt. Beide, Fäßler und Steinbrück, kennen einander seit 1986, als Letzterer das Büro Johannes Raus in der Staatskanzlei in Düsseldorf leitete. Damals war der bisherige öffentlich-rechtliche Rundfunkjournalist Fäßler gerade dabei, sich mit einer Radio-Nachrichtenagentur selbständig zu machen. 1949 in Augsburg geboren, gehört er zu jener Journalistengeneration, deren Vertreter oftmals nicht nur nach der Schule ohne den Umweg über die Universität direkt bei einer Zeitung volontierten, sondern sich selbst auch klar einem politischen Lager zuordneten.

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