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Steinbrücks Wahlkampf Der Kandidat und sein zuversichtlicher Freund

 ·  Lange wirkte Hans-Roland Fäßler für Peer Steinbrück im Hintergrund. Nun soll er eine zentrale Rolle im Wahlkampf des Kanzlerkandidaten spielen.

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Als hätte Peer Steinbrück derzeit nicht genug zu tun, muss er am Donnerstag auch noch erstmals in neuer Funktion als Kanzlerkandidat der SPD die Regierungserklärung Angela Merkels erwidern. Nun sind Reden eine seiner leichteren Übungen, doch diese muss wirklich sitzen, denn das Aufeinandertreffen wird ein erster Höhepunkt in einem langen Bundestagswahlkampf sein. Während er also gerade die Kampagne wegen seiner Nebeneinkünfte als Abgeordneter abzuwehren hat, seinen bisherigen Terminkalender auf Kandidatenmodus umstellt, ein Wahlkampfteam zusammenstellt und - was schwieriger ist - die Verzahnung dieses Teams mit dem Willy-Brandt-Haus organisiert, muss auch noch diese verflixte Rede geschrieben werden.

Eine Person, die ihm dabei helfen dürfte, wird in naher Zukunft aus dem Hinter- in den Vordergrund treten: sein langjähriger Freund Hans-Roland Fäßler. Der Hintergrund, in dem er bislang verborgen war, hieß nach den ungeschriebenen Regeln des Hauptstadtjournalismus „Umfeld“ oder „Kreise“, manchmal wurde aus der singulären Person auch einfach mal die Plural-Chiffre „Vertraute“. Es war bislang eines der Probleme Steinbrücks, dass er als möglicher Kanzlerkandidat selbst über keinen großen Stab verfügte, sondern nur über die Mitarbeiter seines Bundestagsbüros. Einen Sprecher hatte er nicht - und so übernahm Fäßler hie und da die Rolle, wobei stets zu beachten war, dass er nicht in offizieller Mission sprach, sondern Einschätzungen eines Freundes äußerte. Es war dabei nicht immer leicht, die Einschätzungen selbst einzuschätzen, etwa dann, wenn Fäßler arg zuversichtlich wirkte, wie das Kandidatenrennen am Ende ausgehen werde.

Rückblickend sollte der zuversichtliche Herr Fäßler jedenfalls Recht behalten. Er steht heute mit weißer Weste da, während nicht nur andere sozialdemokratische „Umfelder“ und „Kreise“, sondern auch manch ranghohe Genossen selbst ihre Schürzen bekleckerten. Das war vor allem an jenem Septembertag der Fall, als der „Cicero“-Journalist Christoph Schwennicke berichtete, die K-Frage sei zugunsten Steinbrücks entschieden. Das zunächst nicht knallharte Dementi wurde auf Nachfrage für hart erklärt - und heute suchen diese Leute noch nach einem geeigneten Waschmittel, um die hartnäckigen Flecken zu beseitigen.

Dass Frank-Walter Steinmeier an jenem Septembertag noch von Mitgliedern der engeren Parteiführung bearbeitet wurde, doch als Kanzlerkandidat anzutreten, änderte nichts am Sachstand: Steinmeier war seit der Sommerpause entschieden. Das musste auch jenen klar sein, welche die offizielle Nominierung Steinbrücks noch hinauszögern wollten und wohl mit der Bearbeitung Steinmeiers durch manchen stellvertretenden SPD-Vorsitzenden auch das Ziel verbanden, die Verantwortung für den bevorzugten, aber eben in der Partei höchst umstrittenen Kandidaten Steinbrück auf mehrere Schultern zu verteilen.

Juso-Chef in Augsburg

Fäßler soll also in naher Zukunft auch offiziell - wenngleich ohne Arbeitsvertrag - eine zentrale Rolle im Wahlkampfteam des Kandidaten übernehmen. Jedenfalls, wenn es nach Steinbrück geht - es werden noch Gespräche mit dem Willy-Brandt-Haus geführt. Beide, Fäßler und Steinbrück, kennen einander seit 1986, als Letzterer das Büro Johannes Raus in der Staatskanzlei in Düsseldorf leitete. Damals war der bisherige öffentlich-rechtliche Rundfunkjournalist Fäßler gerade dabei, sich mit einer Radio-Nachrichtenagentur selbständig zu machen. 1949 in Augsburg geboren, gehört er zu jener Journalistengeneration, deren Vertreter oftmals nicht nur nach der Schule ohne den Umweg über die Universität direkt bei einer Zeitung volontierten, sondern sich selbst auch klar einem politischen Lager zuordneten.

Als früherer Augsburger Juso-Chef (damals gab es dem Zeitgeist entsprechend noch Vorstandskollektive) zählte er zu den „Progressiven“, die aus ihrer grundsätzlichen Unterstützung der sozialliberalen Koalition in Bonn kein Geheimnis machten. Fäßler kannte Gerhard Schröder schon von Juso-Bundeskongressen, reiste mit Willy Brandt nach Kuba, wo er unter Mithilfe Fidel Castros Geschmack an einer bestimmten Zigarrenmarke fand, die auch der spätere Bundeskanzler bevorzugte, und freundete sich mit Rau an, über den er dann zunächst Wolfgang Clement und dann Steinbrück kennenlernte. Für beide Nachfolger Raus im Ministerpräsidentenamt war er schon als Berater in Landtagswahlkämpfen aktiv. Inzwischen hatte Fäßler, Vater von drei Töchtern, seine Nachrichtenagentur verkauft und wurde in unterschiedlichen Funktionen für den Bertelsmann-Konzern aktiv. Heute hat er seine eigene Beratungsfirma, deretwegen er seine Funktionen für Steinbrück im Informellen halten möchte.

Zu den vielen mindestens guten Bekannten „Rolli“ Fäßlers zählt auch der SPD-Vorsitzende. Das hat die Arbeit des Steinbrück-Beraters in den vergangenen Monaten nicht leichter gemacht. Denn die Interessen Steinbrücks und Sigmar Gabriels waren seit Ausrufung der Troika der möglichen Kanzlerkandidaten nicht immer kongruent. Gabriel war es nämlich nicht verborgen geblieben, wie zuversichtlich Fäßler in Sachen Steinbrück wirken konnte, was der Troika-Chimäre nicht dienlich war - jenes Konstrukts, von dem heute bekannt ist, dass es dieses eigentlich gar nicht gab, weil Gabriel den anderen beiden schon im Frühjahr 2011 mitgeteilt hatte, dass er selbst nicht Kandidat werde.

Komplizierte Verhältnisse: Fäßler, Gabriel, Nahles

Das Verhältnis Fäßler-Gabriel und auch die nicht minder komplizierte Beziehung des Beraters zur Generalsekretärin und Wahlkampfleiterin Andrea Nahles spiegelt im Kleinen wider, was die Zusammenarbeit des künftigen Steinbrück-Teams einerseits und des Willy-Brandt-Hauses andererseits in den kommenden Monaten trotz der geplanten Verzahnung belasten könnte: Gabriel dürfte einen SPD-Wahlkampf Steinbrücks anstreben, der Kandidat einen Steinbrück-Wahlkampf der SPD. Und dann gibt es da noch Frau Nahles, deren Interesse es sein muss, nicht nur nominell als Wahlkampfleiterin zu fungieren. Interessant wird deshalb die Frage sein, wie Fäßler und auch der langjährige Vertraute Steinbrücks, Heiko Geue, ihre Rollen im Wahlkampfteam ausfüllen werden.

Geue, der nun bekanntgab, seinen Staatssekretärsposten im Finanzministerium von Sachsen-Anhalt aufzugeben und nach Berlin zu wechseln, war nach einer Zeit an der Seite von Kanzleramtschef Steinmeier ein enger Mitarbeiter Steinbrücks im Finanzministerium. Er gilt als einer, der den Kandidaten „lesen“ kann. Die Parteiarbeit im engeren Sinne kennt er nicht. Die Einschätzung, dass dieser sich deshalb mit der Generalsekretärin doch positiv ergänzen könne, gilt manchem Genossen als naiv.

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Jahrgang 1970, politischer Korrespondent in Berlin.

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