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Steinbrück in Emden : Sechs Pils, acht Korn und eine Marzipanfigur

Peer Steinbrück: „Ich würde es Ihnen nicht übelnehmen, wenn Sie die SPD nicht wählten. Aber ich würde es Ihnen auch nicht vergessen“ Bild: REUTERS

Peer Steinbrück besucht Emden. Die niedersächsische SPD wundert sich über den Kanzlerkandidaten.

          Joke Bruns sitzt im „Grand Café“, erste Etage, hinten rechts in der Ecke. Das Café befindet sich im ostfriesischen Emden, direkt am Stadtpark. Der hat wiederum wenig mit einem Park zu tun, er ähnelt vielmehr einem Marktplatz, allerdings ohne Markt. Es ist ein nettes Café, in das man durch eine hölzerne Drehtür gelangt und in dem sich gemütlich eine heiße Schokolade trinken lässt. Bruns, der eigentlich Johann mit Vornamen heißt, bestellt seine Schokolade erst mit Sahne. Dann korrigiert er die Bestellung: lieber doch ohne. Dabei ist er schlank.

          Eckart Lohse

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Sozialdemokrat, der die SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag anführte, als Gerhard Schröder noch Ministerpräsident in Hannover war, spricht über den niedersächsischen Landtagswahlkampf, über den SPD-Spitzenkandidaten Stephan Weil und über den Kanzlerkandidaten, Peer Steinbrück. Der soll an diesem Freitag abends mit Weil in der Nordseehalle auftreten.

          „Musste der das sagen?“

          Bruns ist bekannt in der Stadt, unter Genossen allemal. In den letzten Tagen haben sie ihn oft gefragt: „Musste der das sagen?“ Es ging um Steinbrücks Bemerkung kurz vor dem Jahreswechsel, der Kanzler, beziehungsweise die Kanzlerin verdiene in Deutschland zu wenig, gemessen an der Leistung und an den Gehältern, die in andern Berufsgruppen gezahlt würden. Bruns beschreibt das Dilemma. Steinbrück werde in der SPD wahrgenommen als jemand, der seine Kompetenz, besonders auf dem Feld der Finanzpolitik, unter Beweis gestellt habe. Mit seinem Auftritt beim Nominierungsparteitag in Hannover sei das schon vorhandene Zutrauen zum Finanzfachmann ergänzt worden durch das Zutrauen zum Sozialdemokraten Steinbrück. Über die Weihnachtstage habe sich dann eine gewisse Ruhe eingestellt. Und just danach sei der „Wirbelsturm“ wegen seiner Bemerkungen zum Kanzlergehalt losgebrochen. Dennoch ist Bruns überzeugt, dass das Vertrauen der Genossen in Steinbrück nicht gestört sei. „Wir werden einen guten Wahlkampf mit ihm machen.“

          Neben Bruns sitzt Jens Hoffmann, der Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Emden. Auch zu ihm seien die Leute gekommen und hätten gefragt, ob Steinbrück „das“ denn habe sagen müssen, berichtet er. Diese Fragen seien gestellt worden, gerade weil die Genossen dächten, dass Steinbrück der richtige Kanzlerkandidat sei. Hoffmann beteuert, auf den Landtagswahlkampf habe die Diskussion über Steinbrück keinen großen Einfluss.

          Die sozialdemokratischen Gastgeber tun begeistert

          Kein großer Einfluss - das bedeutet im Umkehrschluss, dass auch kein unterstützender Schub für Weil vom Kanzlerkandidaten kommt. Die Diskussion über seine Äußerungen zum Kanzlergehalt habe „keine Bremsspuren“ im Wahlkampf hinterlassen, hatte Weil am Freitagvormittag in Berlin vor der Bundespressekonferenz gesagt. Und: „Peer Steinbrück hat die volle Unterstützung der niedersächsischen SPD.“ Aha, so rum ist das also. Die Niedersachsen unterstützen den Kanzlerkandidaten, nicht umgekehrt.

          Am Abend ist die Nordseehalle gut gefüllt. Die sozialdemokratischen Gastgeber tun begeistert angesichts der vielen Gäste. Die Angaben variieren, aber mehr als tausend Anhänger und Neugierige sind es wohl. Allerdings wurden auch einige hundert in Reisebussen herangekarrt. Viel silbergraues Haar ist zu sehen. Es gibt Gutscheine für Essen und Getränke.

          Der SPD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2013 in Niedersachsen, Stephan Weil (l.), neben  SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück
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          Der SPD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2013 in Niedersachsen, Stephan Weil (l.), neben SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück :

          Steinbrück hat sich gut überlegt, wie er die scharfe Klippe, die er selbst mit seinem Interview aus dem Felsen gemeißelt hat, umschifft. Er stellt sich mit dem Mikrofon in der Hand neben das Rednerpult. Am Pult bestehe doch die Gefahr, dass die Rede zu lang oder zu langweilig werde. Oder dass er Bemerkungen mache, die er anschließend wieder einsammeln müsse. Was das mit dem Rednerpult zu tun hat, bleibt allerdings sein Geheimnis. In den zwanzig Minuten seiner Rede spielt das Thema Kanzlergehalt keine Rolle. Einen einzigen Zwischenruf gibt es dazu von einem Zuhörer, dessen Frisur an Otto Waalkes erinnert. Er verhallt ohne Reaktion.

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