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Steinbrück Er kann es nicht

Nach Peer Steinbrücks Thesen über die Höhe der Kanzlerbezüge herrscht in der SPD Entgeisterung. Die Genossen müssen sich fragen, wohin man mit einem Spitzenkandidaten kommt, der einen perfekten Wahlkampf für den Gegner macht.

Steinbrück findet Geld nicht erotisch, sagt er. Was soll das heißen? Wer findet denn Geld erotisch? Soweit bekannt nur Dagobert Duck, und Dagobert ist eine Ente. Und selbst die ist bloß erfunden. Nein, Geld ist für niemanden erotisch. Aber vieles von dem, was man für Geld kaufen kann, ist erotisch, oder? Und das scheint Steinbrück dann doch erheblich zu beschäftigen - wenn er sich jetzt schon Sorgen wegen der ach so niedrigen Einkünfte macht, die er als Kanzler hätte.

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Er ist, das zeigt sich zum Jahreswechsel wieder, durch und durch Problemkandidat. Und sein wichtigstes Problem ist immer noch das gleiche: das Abkassieren kommt nun einmal nach der politischen Karriere, nicht mittendrin. Denn mittendrin, das mögen die Wähler nicht. Von denen immer noch die allermeisten rechnen müssen, wenn sie am Monatsende schwarze Zahlen auf dem Kontoauszug haben wollen. Kleine schwarze, von Erotik redet da auch keiner.

Perfekter Wahlkampf für den Gegner

Die SPD und ihre publizistischen Begleitkommandos haben den Fehler des Jahres 2012 gemacht, einen Politikrentner als Kanzlerkandidaten aufzustellen, der sich am Ende seiner politischen Laufbahn angekommen sah und schon wacker begonnen hatte, die süßen Früchte zu ernten, die er zuvor nicht pflücken durfte. Seine ökonomische Referenzgruppe, Sparkassendirektoren und Stadtwerksbonzen, die ihre Einkünfte nicht zuletzt den Politikern verdanken, waren dabei behilflich: Wenn man Steinbrück beim Wort nimmt, hat er sich bei seinen Vorträgen nur geholt, was ihm nach entsagungsvollen Jahren in der Politik zusteht. Erotisch ist auch das wirklich nicht, recht hat er. Nur: Wahlkampf lässt sich damit ganz schlecht machen, schon gar für die SPD.

In der Partei herrscht jetzt Entgeisterung. Schon in den öffentlichen Stellungnahmen haben sich praktisch alle von Steinbrück distanziert - ein beispielloser Vorgang in einem Wahlkampf, der ja bereits begonnen hat. Aber was abseits der Öffentlichkeit geredet wird, geht über Entgeisterung hinaus. Man muss gar nicht dabei sein, kann es sich an einem Finger abzählen. Die Genossen müssen sich mit der Frage beschäftigen, wohin man mit einem Spitzenkandidaten kommt, der einen perfekten Wahlkampf für den Gegner macht. Und diese Frage ist einfach zu beantworten. Er kann es nicht.

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Quelle: FAZ.NET

 
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