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Statistisches Bundesamt : Einwanderung in Deutschland 2012 auf Rekordniveau

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Im vergangenen Jahr zogen mehr als eine Million Menschen nach Deutschland - so viele wie vor 17 Jahren. 765.000 Zuwanderer kamen aus europäischen Ländern, besonders aus Süd- und Osteuropa. Arbeitsministerin von der Leyen sagte der F.A.Z.: „Dieser Zustrom ist ein Riesengewinn für alle Seiten.“

          Im vergangenen Jahr sind so viele Menschen nach Deutschland eingewandert wie seit 1995 nicht mehr. Rund 1,08 Millionen Menschen zogen 2012 zu, so viele wie zuletzt vor 17 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Einwanderung 2012 um 13 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mit.

          Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Der Zustrom ist ein Riesengewinn für alle Seiten, denn die neue Welle der Zuwanderer ist jünger und besser ausgebildet als der Schnitt der Bevölkerung.“ Es gebe Zehntausende offener Stellen etwa für Krankenpfleger, Elektriker und eine ganze Reihe weiterer Ausbildungsberufe. Daher seit es „gut“, dass die neue Beschäftigungsverordnung, die zum 1. Juli in Kraft tritt, auch die Einwanderung für Facharbeiter deutlich erleichtere. „Fachkräftesicherung“ sei „Priorität eins für die Bundesregierung“.

          Starke Zuwächse aus Südeuropa

          Etwa 966.000 Einwanderer waren den vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes zufolge Ausländer (plus 15 Prozent); die Zahl der Zuzüge von Spätaussiedlern und deutschen Rückkehrern aus dem Ausland blieb mit rund 115.000 nahezu konstant. Die meisten Menschen kamen aus Polen (176.000). An zweiter Stelle der Herkunftsländer stand Rumänien (116.000), an dritter Bulgarien (59.000). Besonders starke Zuwächse gab es aus den südeuropäischen Krisenstaaten Spanien (plus 45 Prozent), Griechenland, Portugal (je 43 Prozent mehr) und Italien (40 Prozent).

          Nach Einschätzung des Einwanderungsfachmanns des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Herbert Brücker, ist die europäische Wirtschaftskrise der Grund für die Rekordzahlen. „Es gibt eine Umlenkung in Europa weg von den traditionellen Zuwanderungsmagneten, die jetzt in der Wirtschaftskrise sind“, sagte Brücker der Nachrichtenagentur Reuters.

          Auch aus den osteuropäischen Ländern, die erst seit 2004 oder 2007 zur EU gehören, kamen im vorigen Jahr mehr Menschen nach Deutschland als 2011. Besonders stark war der Zuwachs aus Slowenien (62 Prozent).

          Aus den europäischen Staaten, die nicht der EU angehören, stieg die Einwanderung um 16000 Personen (14 Prozent). Ebenfalls um 14 Prozent stieg die Einwanderung aus Afrika, aus Asien wanderten zehn Prozent mehr zu. Drei Viertel der Ausländer, die nach Deutschland kamen, zog es in fünf Bundesländer: Die Mehrzahl ging nach Bayern (192.000), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (186.000), Baden-Württemberg (171.000), Hessen (90.000) und Niedersachsen (89.000). Rund 68.400 Ausländer zogen nach Berlin.

          Die Zahlen sagen allerdings nichts darüber aus, wie lange die Einwanderer bleiben. So verließen im vergangenen Jahr auch rund 712.000 Menschen Deutschland, das waren fünf Prozent mehr als 2011. 579.000 von ihnen hatten keinen deutschen Pass. Aus den Zu- und Fortzügen ergibt sich ein Einwohnergewinn von 369.000 Personen; auch dies ist der höchste Wert seit 1995. Erst seit 2010 gibt es in Deutschland wieder eine jährliche Zunahme an Einwohnern, 2009 verließen noch knapp 13.000 Personen mehr das Land, als hinzukamen.

          Ob die Einwanderer erwerbstätig sind, ergibt sich aus der Statistik nicht. Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen aber, dass auch die Beschäftigung von Arbeitnehmern aus den zehn EU-Beitrittsstaaten der Jahre 2004 und 2007 und aus den von der Wirtschaftskrise gebeutelten Staaten deutlich gestiegen ist. Für die vom Städtetag beklagte Armutseinwanderung aus Bulgarien und Rumänien sieht der Wissenschaftler Brücker bundesweit kaum Belege; die Sozialhilfequote für Bulgaren und Rumänen sei geringer als für die Ausländer in Deutschland insgesamt.

          Die FDP wertete die höhere Einwanderung als „erstklassige Nachricht“. Deutschland brauche aber über den binneneuropäischen Arbeitsmarkt hinaus „eine echte Willkommenskultur, um Talente aus der ganzen Welt konkret einzuladen und aktiv anzuwerben“, sagte der FDP-Politiker Johannes Vogel. Das Einwanderungsrecht müsse weiter modernisiert werden.

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