30.05.2009 · Die Stasi hatte möglicherweise viel länger Interesse an ihrem westdeutschen Informanten Karl-Heinz Kurras als bisher bekannt. Eine bislang unbekannte zweite Stasi-Akte soll laut „Spiegel“ die Jahre 1987 und 1989 betreffen.
Die Stasi hatte möglicherweise viel länger Interesse an ihrem westdeutschen Informanten Karl-Heinz Kurras als bisher bekannt. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ gibt es eine bisher verborgene zweite Akte des früheren DDR-Spions. Die Unterlagen hätten kurz nach dem Mauerfall 1989 vernichtet werden sollen, entgingen jedoch diesem Schicksal.
Während die bekannte erste Akte die Aktivitäten des früheren West-Berliner Polizisten bis zum Jahr 1976 dokumentiert, betreffe die zweite Akte die Jahre 1987 und 1989, berichtet das Magazin. Bislang war angenommen worden, dass das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) Kurras abgeschaltet hat, nachdem dieser am 2. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hatte.
Ende der Achtziger Jahre soll Kurras jedoch wieder die Aufmerksamkeit der Stasi erregt haben. Demnach ordnete der Stellvertreter des DDR-Ministers für Staatssicherheit, Generalleutnant Gerhard Neiber, am 11. Dezember 1987 persönlich an, einen „Sicherungsvorgang“ zu Kurras einzuleiten. Als Begründung soll er „operatives Interesse“ angegeben haben.
Warum sich das MfS wieder mit Kurras beschäftigte, ist demnach noch unklar. Der Befehl stamme aus der Zeit, als Kurras seinen West-Berliner Polizeidienst bereits quittiert hatte. 1989 soll Neiber den Vorgang aber sogar Kurras' altem Führungsoffizier übergeben haben.