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Starköchin Sarah Wiener : Schluss mit dem Billigfleischkonsum!

  • -Aktualisiert am

Sarah Wiener: Es ist kaum möglich, qualitativ und ethisch hochwertiges Fleisch herzustellen, wenn nebenan das Steak nur 0,99 Cent kostet. Bild: dpa

Die bekannte Köchin Sarah Wiener hat ein paar gute Argumente, warum wir als Konsumenten die Finger von Billigfleisch lassen sollten. Ein längeres und gesünderes Leben ist nur eines davon. Ein Gastbeitrag.

          Die Weltgesundheitsorganisation hat unlängst ihre Auswertung von über 800 Studien veröffentlicht, die einen Zusammenhang zwischen erhöhtem Fleischkonsum und Krebsrisiko belegt. Damit hat sie eine Welle der Empörung ausgelöst. Schon wieder wird uns der Appetit verdorben. Ich meine: zu Recht! Unser immenser Fleischkonsum macht nicht nur uns krank. Er befördert ein industrielles System, das über die gesamte Kette der sogenannten Wertschöpfung nur Verlierer kennt: Böden, die ihre Fruchtbarkeit verlieren, überzüchtete Pflanzen und Tiere, globale Ernährungsungerechtigkeit und Arbeiter, die ausgebeutet werden.

          Der Billigfleischkonsum vernichtet weltweit kleinbäuerliche Existenzen und die Möglichkeit, nachhaltige Landwirtschaft und Tierhaltung zu befördern. Es ist kaum möglich, qualitativ und ethisch hochwertiges Fleisch herzustellen, wenn nebenan das Steak nur 0,99 Cent kostet.

          Fleisch aus Massentierhaltung ist aber nur deswegen billig, weil die Verursacher der Folgeschäden nicht dafür geradestehen müssen. Allein der Antibiotikaeinsatz bei Nutztieren ist dreimal so hoch wie bei uns Menschen. Der Mensch als Endlager von Pestiziden, Zusatzstoffen und Medikamentenrückständen. Mahlzeit!

          Verlust an Geschmack und Vielfalt

          Es ist die Gesellschaft, die die Kosten trägt. Es sind unsere Kinder, die Klimawandel, Wasservergiftung und Bodenverlust von uns als Erbe erhalten. Es sind die Kleinbauern, die heute weltweit für diese Art von Produktion von ihren angestammten Äckern vertrieben werden und in Armut stürzen. Weil gerade in Deutschland, dem Schlachthaus Europas, viel zu viel Billigfleisch produziert wird, überdüngen wir unsere Böden und vernichten sauberes Trinkwasser, die Basis jedes Lebens. Die Nitrat-Grenzwerte im Grundwasser sind alarmierend. Allein für die Aufbereitung des Trinkwassers entstehen deswegen jährliche Kosten in Milliardenhöhe. Wir vernichten kostbare Ressourcen, die für kein Geld der Welt wiederherstellbar sind.

          Die Gewinnmaximierungslogik einer globalen Nahrungsmittelindustrie will uns diktieren, was Qualität bedeutet – Reproduzierbarkeit, Haltbarkeit und Normierung. Der Verlust an Geschmack und Vielfalt führt zu einer Abwärtsspirale von Qualität, in der wir bald das Richtige und Gute nicht mehr vermissen werden, weil wir es schlicht nicht mehr kennen.

          Übergewicht, chronisch entzündliche Krankheiten,Krebs

          Unsere Fleischgier verursacht Übergewicht, chronisch entzündliche Krankheiten und befördert Krebs. Und wir verlieren unser Mitgefühl für unsere Mitgeschöpfe. Glücklicher sind wir dadurch nicht geworden. Erstaunlich, dass uns der Appetit nicht schon lange vergangen ist und wir uns die Zumutungen der Massentierhaltungsindustrie freiwillig auf der Zunge zergehen lassen.

          Die gierige Konsumgesellschaft: Abgepacktes Fleisch beim Discounter

          Vernünftig und notwendig ist es, weniger Fleisch zu essen. Nichts ist kreativer und abwechslungsreicher als ein vegetarisches gut gekochtes Essen. Und wenn Fleisch, lasst uns nur noch schmackhaftes Fleisch von gesunden, ökologisch gehaltenen Tieren essen. Tiere, die auf der Weide gestanden sind, in der Erde gewühlt haben und dem Bauern ein faires Einkommen ermöglichen.

          Dezentralisieren wir die Herstellung von Lebensmitteln und unterstützen wir die regionale transparente Kreislaufwirtschaft, den Nachbarn, der wiederum seine Nachbarn unterstützt. Befördern wir Handwerk, und kochen wir wieder selbst mit gesunden Grundnahrungsmitteln.

          Bankrotterklärung unserer Wertschätzung

          Das K.-o.-Argument, dass sich nur Reiche ökologische Lebensmittel leisten können, klingt wie eine Bankrotterklärung unserer Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln. In Deutschland geben wir europaweit das meiste Geld für unsere Küchen aus. Gleichzeitig sind wir Sparweltmeister, wenn es um die dort verwendeten Zutaten geht. Noch nie waren die Ausgaben für Lebensmittel in Deutschland so niedrig wie heute.

          Nichts ist günstiger, schmackhafter und sinnvoller, als selbst frisch mit regionalen und saisonalen Grundnahrungsmitteln zu kochen. Billige Nahrungsmittel sind eben genau das: billig und nicht preiswert. Wir brauchen wieder die Wertschätzung für unser kostbarstes Nahrungsmittel: Fleisch.

          Geben wir Pflanzen, Tieren und den Bauern ihre Würde zurück und zahlen den angemessenen Preis für Qualität und Nachhaltigkeit. Die Zukunft muss ökologisch und nachhaltig sein, sonst wird es keine geben. Fleisch ist eben kein Grundnahrungsmittel!

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