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Veröffentlicht: 10.10.2012, 13:27 Uhr

Stadtstaaten im Grundschulvergleich Kläglich gescheitert

Im Grundschulvergleich sind die Stadtstaaten mit schlechten Ergebnissen aufgefallen, die Mindeststandard in Mathematik und Lesen werden von vielen Schülern verfehlt. Die Suche nach den Gründen führt nun von der sozialen Herkunft der Schüler bis zu laxen Methoden in den Schulen.

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Bisher hatten die Bildungssenatoren der drei Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen immer eine Ausrede, wenn es darum ging, die unterdurchschnittlichen Ergebnisse ihrer Schüler in Schulleistungstests zu erläutern. Der Anteil der sozial schwachen und bildungsfernen Familien sowie der Migranten sei in ihren Stadtstaaten so hoch, dass einfach keine besseren Ergebnisse zu erzielen seien, lautete die bisherige Begründung.

Heike Schmoll Folgen:

Beim Ländervergleich des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) für die Primarstufe ist ihnen dieses Argument in der vergangenen Woche von den Bildungsforschern förmlich aus der Hand geschlagen worden. Denn die Forscher hatten eine eigene Gruppe mit Großstädten (mehr als 300000) Einwohner gebildet, die sich in der Sozialstruktur wie in der ökonomischen Struktur kaum von den Stadtstaaten unterscheiden. Man denke an Städte wie Köln oder Stuttgart.

Dort wohnen auch nicht weniger Ausländer als in Berlin, ganz im Gegenteil, es sind teilweise sogar mehr. Die Vergleichsgruppe der Großstädte schneidet trotzdem erheblich besser ab. Dort sind die Kinder mit Eltern, die beide im Ausland geboren wurden, den Einwandererkindern in Berlin, Hamburg und Bremen im Mittelwert um ein halbes Schuljahr im Lesen voraus.

Bremen: Fähigkeit zum Lesen hängt stark von sozialer Herkunft ab

Allen drei Stadtstaaten war es stets um mehr Chancengleichheit für bildungsferne, sozial schwache und ausländische Familien gegangen. Sie zogen, etwa in Berlin, die Einschulung vor, und sie führten jahrgangsübergreifenden Unterricht in der Grundschule ein. Damit scheinen sie auf der ganzen Linie gescheitert zu sein. Weder gelingt es ihnen, die Akademikerkinder aus bildungsnahen Familien zu fördern, noch die schwächsten ausreichend weiterzubringen. Im Gegenteil: Nirgendwo sonst hängt die Fähigkeit zum Lesen so stark von der sozialen Herkunft ab wie ausgerechnet in Bremen, das sich mit der niedrigsten Schülerquote mit sonderpädagogischem Förderbedarf brüsten kann.

Angeblich gibt es dort nur bei 2 Prozent der Schüler in den Bereichen Sprache, soziale und emotionale Entwicklung und Lernen sonderpädagogischen Förderbedarf. Das ist mit Abstand der niedrigste Wert unter den Ländern - was zeigt, dass Behindertsein im schulischen Kontext eben im Wesentlichen eine Frage der Definition ist. Nur 0,1 Prozent der Kinder in der vierten Klasse besuchen in Bremen eine Förderschule.

Die meisten Kinder werden auf Regelschulen integrativ beschult. Während die Kinder mit Förderbedarf auf Regelschulen in allen Ländern die normalen Tests vorgelegt bekommen haben und nur Förderschulen mit leichteren Testheften konfrontiert worden sind, hat sich Bremen in der Kultusministerkonferenz eine Sonderregelung erstritten: Auch die Schüler mit Förderbedarf an Regelschulen haben in Bremen leichtere, andernorts nur an den Förderschulen angewandte Tests ausgefüllt. Nun ist die Anzahl der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf viel zu gering, um das Ergebnis entscheidend zu beeinflussen.

Das Schreibenlernen nach dem Hören wird zum Problem

Die Ergebnisse Bremens bleiben auch ohne die Berücksichtung der ausländischen Schüler beim Lesen, Zuhören und in der Mathematik kläglich: Mehr als die Hälfte der Schüler verfehlt die Regelstandards der Kultusministerkonferenz beim Lesen und in der Mathematik, sie erreichen also nicht das vorgegebene Ziel der vierten Klasse im Blick auf die weiterführenden Schulen. Zu den Regelstandards gehört nicht mehr, als einen Text wenigstens ansatzweise als Ganzen zu erfassen und Informationen miteinander zu verknüpfen. In Mathematik beherrschen die Schüler, die Regelstandards erreichen, Überschlagsrechnungen auch bei großen Zahlen sicher. Wer die Regelstandards erreicht, ist damit noch längst nicht gymnasial geeignet.

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Quelle: wahlrecht.de
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