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Skandal um Tebartz-van Elst : Staatsanwaltschaft prüft Limburg-Bericht

  • Aktualisiert am

Franz-Peter Tebartz-van Elst im vergangenen September Bild: dpa

Der zum Amtsverzicht gedrängte frühere Limburger Bischof Tebartz-van Elst verteidigt sich - und schiebt einen Großteil der Schuld auf den Generalvikar. Die Staatsanwaltschaft erwägt, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten.

          Die Staatsanwaltschaft will bald entscheiden, ob sie ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst und weitere Mitglieder des Bistums einleitet. Die Justizbehörde werde den Prüfbericht zur Kostenexplosion am neuen Bischofssitz in den kommenden Tagen durcharbeiten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Limburg. „Die Gretchenfrage wird sein, ob „nur“ kirchliches Recht oder auch weltliches verletzt wurde.“ Nach Bekanntwerden der hohen Kosten waren mehrere Anzeigen gegen den abberufenen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst und weitere Mitglieder der Diözese eingegangen.

          Tebartz-van Elst widersprach den in dem Prüfbericht erhobenen Vorwürfen über Lug und Trug in seinem Bistum - und schob die Verantwortung an andere weiter. Teile des Berichts zu den ausgeuferten Baukosten für den Bischofssitz seien nicht wahr, heißt es in einer Stellungnahme Tebartz-van Elsts. Darin macht er seinen früheren Generalvikar Franz Kaspar für einen wesentlichen Teil der Kostenexplosion verantwortlich. Er selbst sei als Bischof weder ein Finanz- noch ein Baufachmann.

          Tebartz-van Elst kritisiert Vorgänger

          Nach dem Prüfbericht der bischöflichen Kommission soll der Bischof kirchliche Vorschriften umgangen und Baukosten in die Höhe getrieben haben. Demnach trägt Tebartz-van Elst maßgeblich Verantwortung für die Versechsfachung der Kosten des Um- und Ausbaus der Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg, weil er kirchliche Vorschriften und Kontrollgremien umging und immer wieder Sonderwünsche hatte. Der Papst hatte am Mittwoch unter anderem auf Grundlage des Berichts entschieden, den angebotenen Amtsverzicht Tebartz-van Elsts anzunehmen. Franziskus hatte den Bischof bereits im Oktober vorläufig beurlaubt.

          Nun verteidigte sich Tebartz-van Elst in einer vierseitigen Stellungnahme, die dem „Domradio„ vorliegt, im Detail gegen die einzelnen Anschuldigungen. Er habe zum Amtsantritt in Limburg „eine in vielfacher Hinsicht ungeordnete, wenig sachorientierte und primär personenbezogene Verwaltungssituation“ vorgefunden. Auch sei ihm wegen „misslicher Erfahrungen mit anderen Bauprojekten im Bistum“ daran gelegen gewesen, „von Anfang an Qualität und Nachhaltigkeit im Gesamtprojekt zu beachten“. Allerdings habe nur der Generalvikar einen umfassenden Einblick in die Vermögensstruktur des Bischöflichen Stuhls gehabt. Unterdessen wurde am Donnerstag im Vatikan bekannt, dass Tebartz-van Elst am Freitag von Papst Franziskus zu einer Audienz empfangen wird.

          Bistum Limburg vor einem Neuanfang

          Das Bistum Limburg steht mit seinem neuen Leiter, dem Apostolischen Administrator Manfred Grothe, nun vor einem Neubeginn. Es gelte, „Verletzungen zu heilen und die Herausforderungen, vor denen wir stehen, anzupacken“, hatte der Paderborner Weihbischof nach seiner Ernennung gesagt.

          Über den künftigen Limburger Bischof ist noch nicht entschieden. Wegen der großen Personalprobleme in der katholischen Kirche rechnet der Kirchenrechtler Thomas Schüller mit einer Neubesetzung nicht vor dem kommenden Jahr. „Der Pool für geeignete Kandidaten ist sehr klein geworden“, sagte Schüller. Tebartz-van Elsts Nachfolger müsse eine gestanden Persönlichkeit sein, „die integrierend und zusammenführend“ wirke. Administrator Grothe werde in den nächsten ein bis eineinhalb Jahren dafür sorgen, dass Wunden heilen könnten, sagte Schüller. Die Personalsituation der katholischen Kriche wird auch dadurch erschwert, dass derzeit einschließlich Limburgs sechs Bischofsposten in Deutschland neu besetzt werden müssen.

          Der Papst hatte am Mittwoch entschieden, dass Tebartz-van Elst nicht in sein Amt nach Limburg zurückkehren darf. Er bat die Gläubigen und den Klerus des Limburger Bistums, „die Entscheidung des Heiligen Stuhls bereitwillig anzunehmen und sich darum zu mühen, in ein Klima der Barmherzigkeit und Versöhnung zurückzufinden“. Der scheidende Bischof werde zu gegebener Zeit mit einer anderen Aufgabe betraut.

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