14.03.2008 · Der frühere SPD-Vorsitzende Müntefering macht sich seine Gedanken um Beck und die Partei / Von Günter Bannas
Von Günter BannasWas Franz Müntefering angesichts der Krise seiner Partei und der sinkenden Umfragewerte des SPD-Vorsitzenden Beck mache, denke und plane, ist derzeit Gesprächsstoff unter Sozialdemokraten in Berlin. Berichte, er sei an Telefonschaltkonferenzen mit anderen Sozialdemokraten beteiligt gewesen, bei denen es um die Ablösung Becks gegangen sei, wurden zügig als „Quatsch“ dementiert. Die Dementis sollten nicht mit Zufriedenheit Münteferings verwechselt werden.
Immerhin schrieb er, wie Beck selbst mitteilte, einen Brief an den SPD-Vorsitzenden. Darin soll Müntefering dargelegt haben, er unterstütze Becks neue Linie gegenüber der Linkspartei, was verständlich ist, weil sie ja Münteferings alter Position entsprach. Nun müsse die SPD offensiv die Auseinandersetzung mit der Linkspartei suchen und „inhaltliche“ Linien über 2009 hinaus festlegen.
Wenn Müntefering aber solches schreibt, pflegt er zusätzliches zu meinen. In diesem Zusammenhang also: Es mangele an klaren inhaltlichen Linien. Da Müntefering aber in solchen Kategorien denkt, dürfte er ziemlich unzufrieden sein - mit der Parteispitze, ihrem Erscheinungsbild und ihrem Kurs. Die SPD müsse weiter anstreben, nach den Wahlen 2009 die stärkste Fraktion zu stellen, wurde aus dem Brief kolportiert. Dahinter steht offenbar die Sorge Münteferings, dieses Ziel sei aufgegeben worden.
„Ich bin nicht auf dem Misthaufen gelandet“
Die „Abbitte“, die Beck ihm gegenüber in der Fraktion leistete, hatte Müntefering schweigend entgegengenommen. Bei einer Preisverleihung in dieser Woche - Müntefering wurde für seine Rednergabe ausgezeichnet - äußerte der frühere SPD-Vorsitzende nun, er sei zwar „im Moment in Deckung“, wolle aber „irgendwo“ aus der Deckung wieder heraus. Derlei Bilder und Vergleiche hatten bei Müntefering bisher nie bloß einen spielerischen, sondern einen ernsten Charakter. Freilich haben sich seine Lebensumstände - im vergangenen Herbst war er wegen der Krankheit seiner Frau zurückgetreten - nicht geändert.
Müntefering erinnerte auch an seinen Satz aus alten Wahlkämpfen, Opposition sei „Mist“, und er wünsche sich, nach der Wahl 2009 sagen zu können: „Ich bin nicht auf dem Misthaufen gelandet.“ Manche Sozialdemokraten, die Müntefering kennen, versichern, derlei solle nicht überinterpretiert werden. Natürlich mache sich Müntefering Sorgen und Gedanken über die SPD. „Deren Zustand treibt ihn um“, heißt es. Er führe Gespräche. Doch werde er keine führende Funktion anstreben. Hätte er etwa bei dem öffentlich Anlass deutlich machen sollen, die Partei und ihr Zustand seien ihm gleichgültig?
Zurzeit ist Müntefering einfaches Mitglied des Familienausschusses des Bundestages. Dessen Mitglieder würdigen seine pflichtbewusste Anwesenheit. Darüber hinaus wolle, heißt es, sich Müntefering derzeit nicht öffentlich engagieren und äußern.
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