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Veröffentlicht: 28.11.2016, 12:46 Uhr

SPD-Kanzlerkandidat Wie sieht der Schlachtplan gegen Merkel aus?

Die beiden starken Männer in der SPD haben angeblich einen Plan für die Bundestagswahl. Verraten wird er noch nicht. Aber wie müsste er eigentlich aussehen, damit er wirklich einen Überraschungseffekt hätte?

von , Berlin
© Reuters Wer von beiden führt die SPD in die nächste Bundestagswahl?

Sigmar Gabriel und Martin Schulz – das sind zwei, die sich gut verstehen. So gut, dass sie sich auch mal anschreien. Und dann wieder versöhnen. Der SPD-Vorsitzende und der scheidende Präsident des Europaparlaments sind die beiden Männer, auf die Deutschland in diesen Tagen schaut. Gabriel, 57, und Schulz, demnächst 61, sind sich in manchem ähnlich. Beide haben das Temperament eines Cholerikers, explodieren gelegentlich, ihre nahen Mitmenschen gehen dann in Deckung. Beide scheuen keine Konflikte, legen sich mit Leuten an, können aber auch nachgeben, wenn es nottut. Beide sind begnadete Redner. Wahlkampf ist ihr Ding.

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Der eine hat das Europaparlament zu einer echten Marke gemacht und sich selbst damit auch. Der andere hat die schwierige Partei SPD so lange geführt, wie das seit Willy Brandt kein Sozialdemokrat geschafft hat. Der Grund, warum beide so viel Beachtung finden: Gabriel und Schulz haben einen Plan. Einer von ihnen wird Kanzlerkandidat der SPD. Bloß wer? Seit Angela Merkel am vorvergangenem Sonntag ihre abermalige Kandidatur verkündete, ist das die heiß diskutierte Frage in Berlin.

Also fragen wir nach im Willy-Brandt-Haus, der SPD-Zentrale. Ja, es gebe einen gemeinsamen Plan von Gabriel und Schulz. Und es sei auch schon eine Entscheidung gefallen. Oha. Wie lautet die denn? Wird noch nicht verraten.

Das ist sozusagen Teil des Plans. Versichert wird nur hier wie auch vom Pressemann von Schulz, dass beide sehr eng zusammenarbeiten. Ständig telefonieren. Geradezu eine Standleitung haben. Solcherart Nähe wird gern behauptet, wenn es in den Kram passt. Schwierig wird es aber, wenn zwei dasselbe Amt wollen.

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Klar ist: Den Plan, wenn es ihn gibt, kennen nur wenige. Er müsste Schritt für Schritt aufgehen. Den ersten Schritt machte Martin Schulz am Donnerstagmorgen, als er bekanntgab, dass er nicht noch einmal als Präsident des Europaparlaments antritt. Er sagte nur, dass er auf Platz 1 der Landesliste von Nordrhein-Westfalen für den Bundestag kandidieren werde. Darüber wurde schon seit dem Frühjahr berichtet, Schulz hatte das weder bestätigt noch dementiert.

© AFP, Europaparlament Ende November: Martin Schulz kündigt in Brüssel seinen Wechsel an

Sein Abgang aus Europa hatte in den vergangenen Tagen zur Folge, dass viel darüber geschrieben und gesendet wurde, wie der Schulz eigentlich so ist, wie er es geschafft hat, das schwache Europaparlament stark zu machen, welch gutes Ergebnis – nämlich 27 Prozent – er für die SPD als Spitzenkandidat bei der Europawahl vor zwei Jahren holte und Ähnliches mehr. Und auch darüber, ob Schulz jetzt – in der Nachfolge des zukünftigen Bundespräsidenten Steinmeier – Außenminister wird. Oder aber Kanzlerkandidat. Dieser Teil des Plans – „alle reden über Schulz“ – ist schon mal aufgegangen.

Ausrufung des Kandidaten Anfang Januar?

Unklar ist, wie es mit dem Zeitplan wird. Gabriel hat entschieden, dass der Kanzlerkandidat erst Anfang kommenden Jahres ausgerufen werden soll. Direkt auf Merkels „Ich trete an“ reagieren, das wollte er nicht. Die SPD hätte damit der Union einen Gefallen getan: Auf dem CDU-Parteitag zu Nikolaus hätte man sich gleich auf den Kanzlerkandidaten der Roten einschießen können. Würde die SPD ihren Kandidaten nach dem Parteitag, also Mitte Dezember, verkünden, könnte die Wirkung verpuffen.

Denn zu Weihnachten geht auch die Politik in Berlin samt dem Willy-Brandt-Haus für zwei, drei Wochen in Urlaub. Die Ausrufung des Kandidaten soll aber der Startschuss für den Wahlkampf sein. Dann soll es Schlag auf Schlag gehen. „Alles, was man vor Weihnachten macht, kann man vergessen“, sagt ein erfahrener Wahlkämpfer. Dass der Kandidat aber erst Ende Januar, wenn der SPD-Vorstand zusammentritt, gekürt wird, das glauben selbst Optimisten in der SPD nicht. Wenn das politische Leben eine Woche nach Neujahr wieder erwacht, werde es dazu kommen – wenn nicht schon früher, weil die Medien derzeit den Druck auf die SPD erhöhen.

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