Home
http://www.faz.net/-gpg-75izh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

SPD-Kanzlerkandidat Grüne distanzieren sich von Steinbrück

Spitzenmitglieder der Grünen sind gegenüber der F.A.S. von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück abgerückt. Auch Vertreter der Sparkassen kritisieren Steinbrück für die von ihm begonnene Gehaltsdebatte.

© dpa Vergrößern Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD)

Führende Politiker der Grünen gehen nach den Äußerungen zum Kanzlergehalt auf Distanz zum SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Die stellvertretende Ministerpräsidentin und Bildungsministerin von Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann, sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.), das Thema Gerechtigkeit werde eine entscheidende Rolle bei der Bundestagswahl spielen. „Dabei wird es aber definitiv nicht um eine bessere Bezahlung von Politikerinnen und Politikern gehen“, so Löhrmann. Sie hob ebenso wie der grüne Spitzenkandidat in Niedersachsen, Stefan Wenzel, die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der Grünen hervor.

Steinbrück hatte bekundet, er wolle für eine rot-grüne Regierungsmehrheit im Bund kämpfen. „Ich war nie eine Freundin von rot-grünen Projekten“, sagte Löhrmann der F.A.S. Die Grünen agierten unabhängig. Steinbrück und die SPD stünden den Grünen jedoch näher als die schwarz-gelbe Bundesregierung. Wenzel sagte der F.A.S, die Grünen kämpften für ein gutes eigenes Ergebnis in Niedersachsen wie im Bund. „Deshalb steht für uns nicht im Mittelpunkt, wie Herr Steinbrück seinen Wahlkampf gestaltet.“

Stefan Wenzel © dpa Vergrößern Stefan Wenzel (Grüne): „Minister kommt von dienen, nicht von verdienen“

Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion Volker Beck forderte: „Steinbrück muss wieder auf Angriff gegen Schwarz-Gelb schalten und die soziale Schieflage der Politik der Regierung Merkel in den Mittelpunkt stellen.“ Die Grünen hätten das Thema längst auf ihrer Agenda.

Wenzel stellte die Integrität Steinbrücks infrage. „Offenbar hat Peer Steinbrück die Bedeutung des Wortes Minister missverstanden. Es kommt von dienen, nicht von verdienen“, sagte er der F.A.S. Abgeordnete sollten Vorträge kostenlos halten oder ihr Honorar spenden, „anstatt damit ein Geschäftsmodell aufzubauen wie Herr Steinbrück“. Dessen Auftritt bei einer Kanzlei, die ihn zuvor als Finanzminister beraten habe, nannte Wenzel  „besonders bedenklich“.

Sylvia Löhrmann © dpa Vergrößern Sylvia Löhrmann (Grüne): „Ich war nie eine Freundin von rot-grünen Projekten“

Vertreter der Sparkassen kritisierten indes die vom SPD-Kanzlerkandidaten begonnene Debatte über das Einkommen von Kanzlern und Sparkassendirektoren. „Wir halten diese Diskussion für überflüssig. Herr Steinbrück muss sich entscheiden – die Fakten liegen ja auf dem Tisch –, ob er sich als Bundeskanzler oder als Sparkassendirektor bewerben will“, teilte der Deutschen Sparkassen- und Giroverband der F.A.S. in einer Stellungnahme mit.

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Wittgenstein, Axel Theuer, sagte der F.A.S.: „Sparkassendirektoren werden nicht vom Steuerzahler bezahlt, im Gegenteil: Sie leiten auf Grund sehr strenger gesetzlicher Vorgaben bezüglich ihrer persönlichen und fachlichen Eignung selbständige Kreditinstitute, die häufig zu den Steuerpflichtigen gehören, die die höchsten Beträge ans Finanzamt überweisen.“ Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Attendorn-Lennestadt-Kirchhundem, Heinz-Jörg Reichmann, sagte der F.A.S., er halte den Vergleich Steinbrücks für „extrem schwierig“: „Da kann man auch Äpfel mit Birnen vergleichen.“ Reichmann sagte weiter: „Dass jeder Sparkassendirektor so viel wie die Bundeskanzlerin oder sogar besser verdient, ist überzogen.“

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Grünen-Parteitag in Niedersachsen Abgefrackt

Beim Parteitag der niedersächsischen Grünen in Walsrode führt die Basis die Parteiführung vor. Sie verpflichtet die Parteispitze auf ein kategorisches Verbot von Fracking - und des Imports gefrackter Energieträger. Mehr Von Reinhard Bingener, Walsrode

18.10.2014, 21:04 Uhr | Politik
Streit geht in nächste Runde

Nach Seehofers Angriff auf CDU-Politiker versucht Verkehrsminister Dobrindt, die Wogen zu glätten. Aber trotz allem: Die Maut kommt, sagt der Minister. Mehr

09.09.2014, 09:16 Uhr | Politik
Baden-Württemberg Palmer bleibt Oberbürgermeister in Tübingen

Tübingen bleibt grün: Boris Palmer hat sich bei der Oberbürgermeisterwahl klar gegen seine Konkurrenten durchgesetzt und zeigt, dass man mit ihm jetzt auch in der Bundespolitik rechnen muss. Mehr Von Rüdiger Soldt, Stuttgart

19.10.2014, 21:31 Uhr | Politik
SPD legt zu, CDU stabil, AfD zieht in Parlament ein

Trotz Verlusten blieb die Union mit knapp 36 Prozent stärkste Kraft, die Grünen werden deutlich vor der Linkspartei Dritte. Mehr

25.05.2014, 21:09 Uhr | Politik
Boris Palmer Kein Mann für Kinderschokolade

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ist für sein aufbrausendes Temperament bekannt. Dass er sich ausgerechnet im Wahlkampf mit öffentlichen Entgleisungen unbeliebt macht, bereitet sogar den grünen Parteifreunden Sorgen. Mehr Von Rüdiger Soldt, Tübingen

08.10.2014, 15:34 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 05.01.2013, 14:30 Uhr