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Kommentar : Wohin mit der SPD?

Andrea Nahles, Fraktionsvorsitzende der SPD und Parteivorsitzende nimmt Ende September an der Sitzung des SPD-Präsidiums im Willy-Brandt-Haus teil. Bild: dpa

Die SPD-Vorsitzende Nahles tadelt, dass der Sockel, auf dem Merkel steht, brüchig geworden ist – aber eigentlich muss ihr das ganz recht sein. Die Entwicklung hat für die SPD trotzdem einen Schönheitsfehler.

          Wenn Andrea Nahles mit der Kündigung der großen Koalition droht, ist das ein Zeichen dafür, dass CDU und CSU dort sind, wo sie sich die SPD-Vorsitzende wünscht: ohne klare Führung, zerstritten. Nahles tadelt das; aber eigentlich muss es ihr ganz recht sein, dass der Sockel, auf dem Angela Merkel steht, brüchig geworden ist und noch brüchiger zu werden droht.

          Einen Schönheitsfehler hat diese Entwicklung für die SPD aber dennoch: Erst war es die unangefochtene Merkel, die auf die Sozialdemokraten deprimierend wirkte, jetzt ist es ihre Schwäche, aus der sie keinen Profit schlagen können. Sowohl in Hessen als auch in Bayern scheinen Grüne und AfD viel attraktiver zu sein, um enttäuschte Wähler anzuziehen.

          Nahles macht sich Hoffnungen, dass sich daran etwas ändert, wenn die SPD erst einmal ihr neues Sozialstaatskonzept vorstellt. Dass es dabei um den „digitalen Kapitalismus“ geht, ist sicher nicht falsch. Die Abwanderung der Wählerschaft deutet aber woanders hin: Es geht darum, wie sich Migration und Wohlfahrt in einer Welt vertragen, die wieder einmal die Grenzen des Wachstums austestet.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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