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SPD feiert Steinbrück Bonbons ins Publikum

 ·  Seit’ an Seit’ steht die SPD, feiert in Hannover ihren Kanzlerkandidaten - und beißt die Zähne zusammen. Echte Überraschungen liefert Peer Steinbrück nicht, aber ein paar Bonbons für die Delegierten hatte er dann doch mitgebracht.

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© Daniel Pilar; F.A.Z. Vergrößern Der Trapezkünstler und andere Artisten: Steinmeier, Steinbrück und Gabriel am Sonntag in Hannover

Die Delegierten haben nun schon fast zehn Minuten geklatscht und gejubelt, eigentlich scheint es Peer Steinbrück zu reichen. Gerade war er von der Bühne hinabgestiegen, hatte sich zu Helmut Schmidt hinuntergebeugt, allen Altvorderen gedankt - Gerhard Schröder, Franz Müntefering, Egon Bahr und Erhard Eppler - und war zurück zu seinem Platz gelaufen. Nun setzt er sich wieder neben Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier und deutet mit seinen Händen an, dass der Parteitag es ihm doch nun gleichtun möge. Natürlich hatte die Regie dafür gesorgt, dass dies nicht geschieht. Nach einigen Sekunden erhebt Steinbrück sich wieder, tänzelt abermals in Richtung Rednerpult, das am Ende einer Art Laufsteg steht, der ins das Publikum der Arena reicht. Steinbrück faltet nun die Hände zu Fäusten und deutet einen Schlag an. Er hat es hinter sich.

Es war ein langer, zuweilen mühsamer Weg bis dahin, am Sonntag in der Messehalle in Hannover. Fast zwei Stunden hatte er geredet - und seinen größten Lacher erzielt, als er nach anderthalb Stunden sagte, nach der kurzen Einleitung komme er nun zum Hauptteil. So leitete er freilich sein Finale ein: Die SPD sei und bleibe eine „Wir-Partei“, Ziel sei eine gerechtere, von Gemeinsinn und Gemeinwohl geprägte Gesellschaft. „Vertrauen wir uns selbst, dann werden auch andere uns Vertrauen schenken“, rief er. Das Signal von Hannover heiße „Wann wir schreiten Seit’ an Seit’“. Das war der Schlusstusch, kurz zuvor hatte er noch einmal seine Vortragshonorare erwähnt, die Wackersteine in seinem Gepäck gewesen seien und die er den Genossen auf die Schulter gelegt habe. Wieder dankte er für die Solidarität, wieder zeigte er sich gerührt.

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© reuters, Reuters Vergrößern Kanzlerkandidat nominiert: Steinbrück wirbt für „Rot-Grün“

Steinbrück und seine Leute hatten in den vergangenen Tagen hin und her überlegt, ob er das leidige Thema, das er einfach nicht abschütteln kann, gleich zu Beginn oder am Ende seiner Rede ansprechen sollte. Er entschied sich für einige wenige Sätze am Ende. Und doch muss er nach ein paar Minuten hinnehmen, dass andere das Thema für ihn an seinen Redeanfang setzen. Ein Greenpeace-Aktivist hat von hinten die Kulisse erklommen und lässt ein Transparent vor den magentafarbenden Hintergrund fallen: „Genug Kohle gescheffelt“ steht darauf. Auch hinten in der Halle halten zwei Leute nun das Banner hoch. Steinbrück bemerkt die Unruhe im Publikum, dreht sich kurz um, und klammert sich eisern an sein Redemanuskript. Der Zufall will, dass der Kandidat an dieser Stelle gerade Otto Wels’ Reichstagsrede von 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz zitiert: Die Ehre, die könne man den Sozialdemokraten nicht nehmen. Steinbrücks Kopf läuft rot an. Am Vorabend noch, auf dem Vorwärts-Fest, hatte er gesagt, er sei nicht angespannt, fühle sich „gut begleitet“.

Es dauert danach einige Zeit, bis Steinbrück sich warm redet. Das liegt weniger an der Störung, als daran, dass ein halbes Dutzend Leute an der Rede entweder mitgeschrieben oder sie redigiert haben, zudem Kommentare und Korrekturvorschläge überbrachten. Auf 34 Seiten wurde ein philosophisch-programmatisches Konzept des Kanzlerkandidaten entworfen, sehr ernsthaft, viele kluge Köpfe zitierend von Lao Tse bis Michael Sandel, aber nur selten leidenschaftlich. Die Klatschmaschine SPD funktioniert von Beginn an, doch so laut der Applaus auch ist, die Gesichter der klatschenden Delegierten sind ernst.

„Ein ganzer Regierungswechsel“

Nach 15 Minuten gelingt es dem Redner, das Publikum aus der Routine zu locken, da hat er gerade gesagt, er wolle keinen halben, sondern einen ganzen Regierungswechsel, er wolle Rot-Grün. Nun malt er eines seiner Bilder: Er spricht über das „gesellschaftliche Gebäude“ und sagt, in den Penthousewohnungen könne man auf Dauer nur gut leben, wenn auch in den mittleren Etagen Hausfrieden herrsche und man es aus dem Untergeschoss nach oben schaffen könne.

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