http://www.faz.net/-gpf-7hc1k

Spähaffäre : Bundesregierung hält Behördentelefone für abhörsicher

Snowden-Informationen über mangelnde Abhörsicherheit verunsichern Handy- und Blackberrynutzer. Bild: AP

Nach weiteren Berichten unter Berufung auf den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Snowden hat die Bundesregierung bekräftigt, dass sie ihre Mobiltelefone für abhörsicher hält. Gleichwohl wurde jüngst ein neues Sicherheitshandy zertifiziert.

          Die Bundesregierung hält die von ihr genutzten Funktelefone nach wie vor für abhörsicher. Das hat Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag sagte vor der Bundespressekonferenz gesagt. Geräte, die das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) anbiete, stellten „sicher, dass damit kein Missbrauch betrieben wird“. Seibert reagierte damit auf Medienberichte zu angeblichen Spähangriffen des amerikanischen Geheimdienstes „National Security Agency“ (NSA) gegen Handy-Daten.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Auf der Grundlage von gestohlenem Geheimmaterial aus dem Archiv des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden hatte die Zeitschrift „Der Spiegel“ berichtet, dass die NSA sich Zugang zum SMS-Verkehr, zu Aufenthaltsorten und Kontaktlisten auf Smartphones verschaffen könne. Betroffen davon seien Produkte fast sämtlicher Hersteller, darunter auch der Firma Apple und des kanadischen Herstellers BlackBerry, deren Smartphones in einer besonders gesicherten Version auch von deutschen Regierungsstellen genutzt werden. Die Firma hatte unter anderem damit für sich geworben, dass Mails und SMS von ihren Geräten über eigene, angeblich sichere Server transportiert würden.

          Abgehört in bis zu 600 Metern Entfernung

          Eine Sprecherin des Innenministeriums sagte am Montag vor der Bundespressekonferenz, das BSI biete „zertifizierte Produkte an, die weiterhin als sicher gelten“. Solche Telefone sollen, wenn sie fachgerecht genutzt werden, sowohl verschlüsselte Telefonate als auch eine sichere Datenübermittlung ermöglichen. Gewöhnliche Handys sind hingegen leicht auszuspähen. Das berichtete das BSI bereits im vergangenen Jahr von einem Feldtest im Berliner Regierungsviertel. Dabei wurden mit geringem technischen Aufwand handelsübliche Handys in bis zu 600 Meter Entfernung abgehört und eingesehen.

          Die Telekom teilte am Montag mit, dass sie in Kooperation mit mehreren deutschen IT-Firmen und dem südkoreanischen Telefonhersteller Samsung ein „Hochsicherheitshandy“ entwickelt habe, das nunmehr vom BSI zertifiziert worden sei. Bei dem Gerät mit der Bezeichnung „SiMKo3“ handele es sich um eine Entwicklung, die über ein besonders simples und daher gegen Manipulation leichter zu schützendes Betriebssystem verfüge und reibungslos zwischen öffentlichem und verschlüsseltem Modus wechseln könne, also praktisch zwei Geräte in einem Gehäuse enthalte. Das etwa 1700 Euro teure Gerät ist für den Regierungsgebrauch vorgesehen, kann aber auch von Privatpersonen gekauft werden.

          Amerikanische Vertretung in Frankfurt überprüft

          Eine weitere Snowden-Behauptung und deren Überprüfung hat unterdessen zu deutsch-amerikanischen Gesprächen geführt. Nachdem behauptet worden war, Späh-Aktivitäten gingen vom amerikanischen Generalkonsulat in Frankfurt aus, hatte die Bundesregierung „routinemäßig“ einen Hubschrauber entsandt, der die Antennen auf dem Dach des Konsulats begutachten sollte. Der Hubschrauber der Bundespolizei war Ende August im Auftrag des Bundesamtes für Verfassungsschutz in geringer Höhe über das Gelände geflogen und hatte Fotos angefertigt. Regierungskreise hatten von diesem Vorgehen wissen lassen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bestätigte, dass es zu einem „Informationsaustausch“ zwischen dem stellvertretenden amerikanischen Botschafter und einem Beauftragten des Auswärtigen Amtes gekommen sei.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Berthold Albrechts Witwe Babette kämpft im Rechtsstreit bei Aldi Nord um ihren Einfluss (Bild aus dem Jahr 2015)

          Gerichtsverfahren : Machtkampf bei Aldi Nord geht weiter

          Vor Gericht streiten die Firmenerben von Aldi Nord weiter um ihren Einfluss auf die Führung des Discounters. Wie steht es um die Entscheidung im Machtkampf der Nachfahren von Theo Albrecht?

          Schwierige Regierungsbildung : Die Verantwortung der SPD

          Die Sozialdemokraten stehen vor einem entscheidenden Wendepunkt. Solange Jamaika möglich war, sprach nichts gegen konsequente Opposition. Doch jetzt sieht die Lage anders aus. Ein Kommentar.

          Kampf um CSU-Spitze : Seehofer und der verdrehte Kalender

          Einigen in der CSU reißt langsam der Geduldsfaden. Doch Vorsitzender und Ministerpräsident Horst Seehofer bestimmt immer noch selbst, wann was entschieden wird. Ein Beraterkreis soll helfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.