Home
http://www.faz.net/-gpg-7hc1k
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Spähaffäre Bundesregierung hält Behördentelefone für abhörsicher

 ·  Nach weiteren Berichten unter Berufung auf den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Snowden hat die Bundesregierung bekräftigt, dass sie ihre Mobiltelefone für abhörsicher hält. Gleichwohl wurde jüngst ein neues Sicherheitshandy zertifiziert.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (21)

Die Bundesregierung hält die von ihr genutzten Funktelefone nach wie vor für abhörsicher. Das hat Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag sagte vor der Bundespressekonferenz gesagt. Geräte, die das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) anbiete, stellten „sicher, dass damit kein Missbrauch betrieben wird“. Seibert reagierte damit auf Medienberichte zu angeblichen Spähangriffen des amerikanischen Geheimdienstes „National Security Agency“ (NSA) gegen Handy-Daten.

Auf der Grundlage von gestohlenem Geheimmaterial aus dem Archiv des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden hatte die Zeitschrift „Der Spiegel“ berichtet, dass die NSA sich Zugang zum SMS-Verkehr, zu Aufenthaltsorten und Kontaktlisten auf Smartphones verschaffen könne. Betroffen davon seien Produkte fast sämtlicher Hersteller, darunter auch der Firma Apple und des kanadischen Herstellers BlackBerry, deren Smartphones in einer besonders gesicherten Version auch von deutschen Regierungsstellen genutzt werden. Die Firma hatte unter anderem damit für sich geworben, dass Mails und SMS von ihren Geräten über eigene, angeblich sichere Server transportiert würden.

Abgehört in bis zu 600 Metern Entfernung

Eine Sprecherin des Innenministeriums sagte am Montag vor der Bundespressekonferenz, das BSI biete „zertifizierte Produkte an, die weiterhin als sicher gelten“. Solche Telefone sollen, wenn sie fachgerecht genutzt werden, sowohl verschlüsselte Telefonate als auch eine sichere Datenübermittlung ermöglichen. Gewöhnliche Handys sind hingegen leicht auszuspähen. Das berichtete das BSI bereits im vergangenen Jahr von einem Feldtest im Berliner Regierungsviertel. Dabei wurden mit geringem technischen Aufwand handelsübliche Handys in bis zu 600 Meter Entfernung abgehört und eingesehen.

Die Telekom teilte am Montag mit, dass sie in Kooperation mit mehreren deutschen IT-Firmen und dem südkoreanischen Telefonhersteller Samsung ein „Hochsicherheitshandy“ entwickelt habe, das nunmehr vom BSI zertifiziert worden sei. Bei dem Gerät mit der Bezeichnung „SiMKo3“ handele es sich um eine Entwicklung, die über ein besonders simples und daher gegen Manipulation leichter zu schützendes Betriebssystem verfüge und reibungslos zwischen öffentlichem und verschlüsseltem Modus wechseln könne, also praktisch zwei Geräte in einem Gehäuse enthalte. Das etwa 1700 Euro teure Gerät ist für den Regierungsgebrauch vorgesehen, kann aber auch von Privatpersonen gekauft werden.

Amerikanische Vertretung in Frankfurt überprüft

Eine weitere Snowden-Behauptung und deren Überprüfung hat unterdessen zu deutsch-amerikanischen Gesprächen geführt. Nachdem behauptet worden war, Späh-Aktivitäten gingen vom amerikanischen Generalkonsulat in Frankfurt aus, hatte die Bundesregierung „routinemäßig“ einen Hubschrauber entsandt, der die Antennen auf dem Dach des Konsulats begutachten sollte. Der Hubschrauber der Bundespolizei war Ende August im Auftrag des Bundesamtes für Verfassungsschutz in geringer Höhe über das Gelände geflogen und hatte Fotos angefertigt. Regierungskreise hatten von diesem Vorgehen wissen lassen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bestätigte, dass es zu einem „Informationsaustausch“ zwischen dem stellvertretenden amerikanischen Botschafter und einem Beauftragten des Auswärtigen Amtes gekommen sei.

  Weitersagen Kommentieren (3) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Neue Vorwürfe gegen NSA Der ungeheure „Heartbleed“-Verdacht

Der amerikanische Geheimdienst soll die Schwachstelle in der Verschlüsselungssoftware OpenSSL laut einem Medienbericht seit Jahren systematisch ausgenutzt haben. Die NSA weist die Vorwürfe zurück. Mehr

12.04.2014, 07:04 Uhr | Feuilleton
Ströbele über Binninger-Rücktritt „Die Bundesregierung hat erheblichen Druck ausgeübt“

Amerika wirft Edward Snowden Geheimnisverrat vor, die Opposition im Bundestag will ihn vernehmen. Doch die Kanzlerin reist im Mai nach Washington. Die Grünen vermuten, dass hier der Grund für den Rücktritt des Vorsitzenden des NSA-Ausschusses liegt. Mehr

10.04.2014, 03:10 Uhr | Politik
Abhöraffäre NSA-Ausschuss streitet über Befragung Snowdens

Mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen hat der NSA-Ausschuss die strittige Entscheidung über eine Befragung Edward Snowdens auf den 8. Mai vertagt. „Zeitspiel“, schimpfen Grüne und Linke, sie sehen einen Zusammenhang mit Merkels Reise nach Washington. Mehr

10.04.2014, 14:51 Uhr | Politik

09.09.2013, 16:12 Uhr

Weitersagen