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Sozialstruktur des neuen Parlaments : Männlich, mittleren Alters, Beamter

Bild: F.A.Z.

Woher kommen die Abgeordneten? Die Berufspolitiker stellen die größte Gruppe im 16. Deutschen Bundestag. Die Beamten machen ein Drittel aus, 195 sind Frauen. Die Gesellschaft wird in der Sozialstruktur des neuen Parlaments beileibe nicht „eins zu eins“ widergespiegelt.

          Philipp Mißfelder ist 26 Jahre alt, hat nach dem Abitur ein Jahr bei der Bundeswehr gedient und studiert derzeit in Berlin Geschichte. Seit dem 18. September ist er dank seiner Plazierung auf der nordrhein-westfälischen Landesliste der CDU Bundestagsabgeordneter.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Der Nachwuchspolitiker aus dem Ruhrgebiet paßt zum sozialstrukturellen Trend der deutschen Parlamentarier: Der angehende Akademiker, der noch keinen Beruf erlernt und ausgeübt hat, aber schon Bundesvorsitzender der Schülerunion war und seit dem Jahr 2002 Bundesvorsitzender der Jungen Union ist, gehört zur Gruppe der Berufspolitiker, der größten Berufsgruppe im 16. Deutschen Bundestag.

          Ein Drittel Beamte

          Der Großteil dieser Gruppe besteht indes aus Parlamentariern mit legislativem oder exekutivem Hintergrund - sei es aus den Kommunen, den Ländern oder des Bundes. 346 von 614 Abgeordneten sind es im neuen Bundestag nach einer Statistik des Bundeswahleiters - 56 Prozent. 118 von ihnen sind Frauen. Ihre genaue Bezeichnung „Abgeordnete, administrativ entscheidende Berufe“ macht deutlich, daß unter ihnen zahlreiche Beamte sind. Sie machen etwa ein Drittel des Parlaments aus.

          Zu den 346 Berufspolitikern sind acht weitere zu zählen, die in der Statistik geführt werden als Abgeordnete „ohne nähere Tätigkeitsangabe“ beziehungsweise „mit (noch) nicht bestimmten Beruf“. Zu letzteren gehören wohl auch Studenten der Geschichtswissenschaft.

          Gesellschaft wird nicht „eins zu eins“ widergespiegelt

          Die Liste der Berufspolitiker ließe sich noch verlängern. Blickt man etwa in die Abgeordnetengruppe der Berufsangehörigen aus dem „Rechts- und Vollstreckungswesen“, so befinden sich unter den 58 Vertretern vor allem Rechtsanwälte - unter anderen auch solche, die zwar ihre Zulassung als Anwalt erhalten haben, die aber nie vor Gericht praktiziert haben und deren Name in vielen Fällen allenfalls das Türschild einer womöglich illustren Sozietät schmückt.

          Eine idealistische Repräsentationsvorstellung geht davon aus, daß das Parlament die Gesellschaft „eins zu eins“ widerspiegelt - geschlechtsgemäß, konfessionell sowie in bezug auf Bildungshintergrund und Berufsgruppen. Der Blick in den 16. Deutschen Bundestag spiegelt indes ein anderes Bild wider - ein Bild, das gesellschaftliche Entwicklungen vorwegnimmt: Ganze drei Landwirte sitzen im Bundestag - allesamt für die CDU. Bergleute gibt es ebensowenig wie etwa Vertreter des einst stolzen Druckerberufs. In der Metallerzeugung und -verarbeitung sowie im Maschinenbau waren vier Abgeordnete tätig. Seelsorger gibt es drei, Abgeordnete aus „künstlerischen Berufen“ keine.

          25 Lehrer, 16 Unternehmer

          Das oft beklagte Mißverhältnis zwischen Lehrern und Unternehmern bestätigt sich nur eingeschränkt. Zwar gibt es im neuen Bundestag tatsächlich nur 16 Abgeordnete mit „Berufen in der Unternehmensleitung, -beratung und -prüfung“, aber von 614 Parlamentariern sind auch nur 25 Lehrer, neun von ihnen Frauen. Ein genauerer Blick in die Gruppe der Unternehmer fördert interessante Erkenntnisse zutage: Der FDP-Fraktion, die auf 61 Mitglieder angewachsen ist, gehören sechs Unternehmer an, der Linkspartei (54) immerhin einer. Grüne und CSU-Landesgruppe stellen keinen einzigen, die CDU sieben, die SPD zwei. Die Verfechter der ordoliberalen Lehre sind heute nicht nur in den Volksparteien eher Anwälte als Selbständige.

          Das sah in der Geschichte der Bundesrepublik schon einmal anders aus: Dem 1. Deutschen Bundestag (1949 bis 1953) gehörten immerhin 19,8 Prozent Selbständige und „nur“ 22,2 Prozent Beamte an. Der Anteil der Selbständigen wuchs dann zunächst, erreichte in der 3. Wahlperiode (1957 bis 1961) einen Anteil von 24,7 Prozent und fiel dann im Laufe der Jahrzehnte stetig ab. Der Anteil der Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst stieg derweil von rund 26 Prozent 1949 auf rund 42 Prozent.

          Nicht der Resonanzboden jeglicher Moden

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