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Malu Dreyer auf Sommerreise : Kein schöner Bundesland

Auf großer Pressereise: Malu Dreyer beim Besuch des Deutschen Forschungsinstituts für künstliche Intelligenz in Kaiserslautern. Bild: dpa

Rheinland-Pfalz von seiner besten Seite: Wie sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit Wohlfühlparolen und herrlicher Landschaft in Wahlkampfstimmung bringt.

          Angenommen, Sie müssten Gäste aus Berlin von der Schönheit des Bundeslandes Rheinland-Pfalz überzeugen und hätten dafür nur einen Tag Zeit – wo würden Sie hingehen? Nach Mainz? Zu viel Stau. In den Westerwald? Zu kalt. In die Eifel? Kein vernünftiger Wein.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Nein: Es sollte schon die Pfalz sein, wo man den Menschen allein wegen ihres Dialekts nicht böse sein kann. Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) entstammt diesem lieblichen Landstrich und sie hatte zum Ende dieser Woche tatsächlich Besuch aus Berlin, von Angehörigen der Hauptstadtpresse, die sich vermehrt für sie zu interessieren scheinen. Mit diesen und weiteren Vertretern der Zunft fuhr sie denn auch – in die Pfalz.

          Von Anfang an war klar, was sie dort wollte: Zum einen zeigen, dass die Leute gut und gerne im von ihr regierten Bundesland leben und dass es mithin gar keinen Grund gibt, bei der Landtagswahl im März etwa die CDU zu wählen.

          Zum anderen suchte sie sich als eine Politikerin zu präsentieren, deren Handeln sich nicht im Blick auf die Schlagzeilen des nächsten Tages erschöpft, sondern die eine Vorstellung davon hat, wie das Land in zehn, zwanzig Jahren aussehen soll. Früher war sie Sozial- und Gesundheitsministerin.

          Schon deswegen unterliegt sie dem Verdacht, sie glaube, die Prosperität eines Landes ließe sich allein mit Hebammen, Lehrern, Erziehern und Flüchtlingshelfern aufrechterhalten.

          Dreyer ist sich dieses Verdachts bewusst. Also war die erste Station ihrer Sommerreise: eine Gießerei. Denn Rheinland-Pfalz ist laut Dreyer nicht nur ein „Wohlfühlland“, ein „Land der Diversität“ und ein „Land der erneuerbaren Energien“, sondern auch ein „Industrieland“.

          „Unheimlich gute Gesprächskultur“

          Für Kurt Beck, Dreyers Vorgänger, wäre der Termin perfekt gewesen. Er hätte mit dem Chef über Gussformen und Gießpfannen gefachsimpelt und wäre mit den Händen prüfend über irgendeine Schweißnaht gestrichen. Das ist sichtlich nicht Dreyers Ding.

          Aber sie tut auch nicht so, als wäre es ihres. Lieber stellt sie Johannes Heger, den „Chef dieses wunderbaren Betriebs“ vor, auf den „wir sehr, sehr stolz sind“, der „für ein gutes Stück Rheinland-Pfalz steht“, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil es sich um einen „Familienbetrieb“ handele, „mit einem Chef, der total hinter dem Unternehmen steht“.

          Heger dankt es Dreyer, indem er auf eine kritische Nachfrage eines Berliner Journalisten die „unheimlich gute Gesprächskultur“ lobt, die zwischen Wirtschaft und Landesregierung herrsche. Besonders schön für die Wahlkampfstrategen von Dreyer: dass das Unternehmen nicht irgendwas gießt, schon gar nicht etwas Böses, sondern europäischer Marktführer ist für Rotornaben, die, jetzt kommt’s, für Windräder gebraucht werden.

          Auch schön: dass Heger nebenbei noch Präsident des Verbands Pfalzmetall ist und mithin ein „Multiplikator“. Das ist sowieso die nicht unbegründete Ansicht der Leute um Dreyer: Jeder, der die Ministerpräsidentin einmal, noch besser: zwei- oder dreimal persönlich erlebt hat, findet sie gut und erzählt anderen davon. Ergo muss sie bis zur Wahl nur genügend Leute persönlich treffen, vor allem solche, die wiederum selbst genügend Leute persönlich treffen.

          In diesem Sinne: Auf zum Mittagessen in die „Mühle am Schlossberg“, unter dem von Dreyer ausgegebenen Motto: „Rheinland-Pfalz, wie Sie es kennen: gut leben, gut essen.“ Dass die Mühle Mitglied der Vereinigung „Slow Food“ ist und sich als solches „für eine lebendige und nachhaltige Kultur des Essens und Trinkens“ einsetzt, passt bestens ins Bild, genauso der dazugehörige Kräutergarten.

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