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F.A.S. exklusiv : Wo sind die Autos, die Nazis den Juden geraubt haben?

Raubgut? Oldtimer im Technikmuseum Berlin Bild: Peter Carstens

Stehen in deutschen Technik-Museen Oldtimer, die einst Nationalsozialisten jüdischen Besitzern geraubt haben? Die Häuser verschließen vor der Herkunft ihrer Fahrzeuge seit langem die Augen – und behindern sogar die Aufklärung.

          Deutsche Technikmuseen und private Oldtimer-Sammlungen haben jahrelang ignoriert, dass in ihren Beständen möglicherweise Fahrzeuge stehen, die in der NS-Zeit jüdischen Eigentümern geraubt wurden. Das ergab eine Recherche der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.). Weder in Privatmuseen, noch in staatlichen Sammlungen wie dem Deutschen Technikmuseum in Berlin wurden demnach die Bestände aus der Zeit vor 1938  erforscht. Etliche private Automuseen verweigern den Archivzugang.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagte der F.A.S., hier gebe es ein „bisher vernachlässigtes Feld“. Auch Oldtimer-Sammlungen müssten solche Forschungen betreiben, sie erwarte „grundlegende Änderung im Bewusstsein bei einigen der betroffenen Museen“ und „eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Frage entzogener Automobile“.

          Museen verweigern Auskunft

          Nach Recherchen der F.A.S. befinden sich alleine im Deutschen Technikmuseum Berlin mehr als einhundert Kraftfahrzeuge aus der Vorkriegszeit, die nie entsprechend begutachtet wurden. Schon oberflächliche Recherchen im dortigen Archiv ergaben, dass mindestens einer der Oldtimer einen jüdischen Vorbesitzer hatte, dem er 1938 geraubt worden ist. Es handelt sich um einen später umgebauten Lieferwagen des Kaufhauses Schocken in Chemnitz – eine Angabe, die auf den Ausstellungstafeln des Museums nie erwähnt wurde. In anderen Fällen ergeben sich Zweifel an der Herkunft der Bestände. Die Leitung des Museums hatte nach Recherchen der F.A.S. vor einigen Jahren den Versuch eines Wissenschaftlers von der Technischen Universität Berlin abgewimmelt, die Provenienz der Auto-Sammlung zu untersuchen.

          Auf entsprechenden Druck auch des Berliner Kultursenators Klaus Lederer (Die Linke) hin erklärte sich das Deutsche Technikmuseum nun aber bereit, kurzfristig mit der Provenienzforschung zu beginnen. Lederer sprach gegenüber der F.A.S. von einer „eklatanten Lücke“ und sagte: „Die rasche Überprüfung der Fahrzeugsammlung hat hohe Priorität. Sollte sich herausstellen, dass Fahrzeuge NS-verfolgungsbedingt entzogen wurden, wird der Stiftungsrat über eine gerechte und faire Lösung im Sinne der Washingtoner Erklärung entscheiden.“  Deutschland hat sich 1998 in der Washingtoner Erklärung zur Provenienzforschung und zur Rückgabe von Kulturgütern verpflichtet. Dazu zählen auch historische Kraftfahrzeuge. Sie können bei Auktionen Millionen bringen.

          Jüdischen Mitbürgern wurden im Zuge ihrer systematischen Entrechtung Ende der dreißiger Jahre der Führerschein entzogen und ihre Autos geraubt. In Deutschland betraf dies mehrere zehntausend Fahrzeuge. In Österreich stahlen Nationalsozialisten und Polizeibehörden in den ersten Monaten nach dem Anschluss an das Deutsche Reich drei- bis fünftausend Fahrzeuge. In Wien wurde in den vergangenen Jahren bereits eine umfangreiche Datenbank NS-geraubter Fahrzeuge angelegt. Auch das Deutsche Museum in München hat eine entsprechende Forschung begonnen.

          Einen ausführlichen Beitrag zu diesem Thema lesen Sie in der neuen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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