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Polizei Köln : Codewort Nafri

Kritik am Einsatz und den Tweets der Kölner Polizei: Simone Peter zeigt, wes Geistes Kind sie ist. Bild: AFP

Ein Tweet der Kölner Polizei in der Silvesternacht löste eine Debatte über das Codewort „Nafri“ aus. Grünen-Vorsitzende Simone Peter sah darin möglichen Rassismus. Damit macht sie es sich zu einfach.

          Was ist das Problem? Dass die Grünen-Vorsitzende Simone Peter wieder einmal zeigt, wes Geistes Kind sie ist, indem sie die Verhältnis- und Rechtmäßigkeit des Einsatzes der Kölner Polizei in der Silvesternacht in Zweifel zieht? An Äußerungen wie dieser wird doch nur deutlich, dass Teile der Grünen nach wie vor ein zutiefst gestörtes Verhältnis zu der Aufgabe und der Arbeit von Sicherheitsorganen und -behörden haben.

          Oder dass Frau Peter in der Bezeichnung „Nafri“ einen mehr oder weniger latenten Rassismus am Werk sieht, abzulesen an dem „Gebrauch von herabwürdigenden Gruppenbezeichnungen“? Nicht nur die Kommunikation via Twitter hat ihre eigene Logik; Schnelligkeit geht oft vor Gründlichkeit, auch bei Politikern. Auch die Polizeisprache hat ihre eigene, manchmal sogar noch von politischer Korrektheit ungetrübte Logik. Gleichwohl ist Nafri mehr als eine technische Abkürzung.

          Das Leben ist nicht so einfach

          Es ist schlicht eine Tatsache, dass die viele Jahre in polizeilichen Kriminalstatistiken bei bestimmten Delikten wie Diebstahl und Rauschgifthandel signifikant überrepräsentierten „Nordafrikaner“ im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise seit 2011 erhebliche Verstärkung erfahren haben – und zwar so sehr, dass die Tunesier, Marokkaner, Libyer und Algerier, die in Deutschland, den Niederlanden oder in Frankreich als rechtschaffene Bürger leben, sich von der kriminellen Energie ihrer zumeist jungen Landsleute mindestens so bedroht fühlen wie die Alteingesessenen. Nafri ist das unschöne Codewort dafür.

          Wenn doch nur „rassische“ oder „soziale“ Merkmale ausreichten, um abweichendes oder gar kriminelles Verhalten vorherzusagen – wie einfach wäre es, Straftaten nicht nur aufzuklären, sondern zu verhüten. Weil das Leben aber nicht so schlichten Gesetzen folgt, sollten sich der Staat und seine Organe nicht dümmer stellen, als sie sein dürfen. Der Umkehrschluss, dass Herkunft oder gesellschaftliche Stellung bei der Erhebung von Risikomustern oder der Erstellung von Täterprofilen unter keinen Umständen irgendwelche Anhaltspunkte bieten, ist empirisch unhaltbar.

          Von einer Sensibilität für mögliche Korrelationen bis zu „institutionellem Rassismus“ ist es ein weiter Weg. Wenn linke Politiker wie Frau Peter lieber geistige Abkürzungen nehmen, dann bestätigen sie nur die geistigen Brandstifter am rechten Rand, vor denen sie die Gesellschaft doch schützen wollen. Das ist das Problem.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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