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Neues SPD-Personal : Ein Stilwechsel im Auswärtigen Amt

„Ausgesprochen gutes Gefühl“: Gabriel mit seinem Nachfolger im Außenamt im August 2017 im Saarland Bild: dpa

Sigmar Gabriel fügt sich in sein Schicksal. Aber seinem Abtritt und der Bestellung von Heiko Maas als Nachfolger im Außenamt will er seinen Stempel noch aufdrücken.

          Sigmar Gabriel wartete nicht lange. Er hatte ja durchaus auch Zeit, sich auf diesen Moment vorzubereiten. Nachdem ihn das neue SPD-Führungsduo am frühen Morgen im Willy-Brandt-Haus darüber in Kenntnis gesetzt hatte, dass er seinen Posten als Außenminister nicht behalten werde, veröffentlichte er – zeitlich, wie zu hören war, in unmittelbarer Abfolge – eine Erklärung auf seiner Facebook-Seite: „Andrea Nahles und Olaf Scholz haben mich heute darüber unterrichtet, dass ich der nächsten Bundesregierung nicht mehr angehören werde. Ich bin nach wie vor direkt gewählter Abgeordneter des Deutschen Bundestages, aber nun endet die Zeit, in der ich politische Führungsaufgaben für die SPD wahrgenommen habe“.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Weiter schrieb der scheidende Außenminister (er verfasste die Sätze, wie es hieß, tatsächlich selbst): In seiner knapp 30 Jahre währenden politischen Laufbahn habe er die Möglichkeit gehabt, 18 Jahre „für mein Land und für die SPD in leitenden Funktionen“ zu arbeiten. Es sei eine spannende und ereignisreiche Zeit gewesen, die ihm „große Chancen und Erfahrungen“ eröffnet habe, „die weit über das hinaus gingen, was ich mir als junger Mensch zu träumen gewagt hätte. Das war eine große Ehre, für die ich tiefe Dankbarkeit empfinde.“ 18 Jahre, in denen er Ministerpräsident Niedersachsens, Bundesumweltminister, Bundeswirtschaftsminister, Außenminister, in beiden letzteren Ämtern auch Stellvertreter der Bundeskanzlerin – und natürlich acht Jahre SPD-Vorsitzender war. Über das Gespräch mit Nahles und Scholz verlor er kein Wort.

          Zwei Ziele verfolgte Gabriel mit der Veröffentlichung der Erklärung. Zum einen suchte er nach seiner Reaktion Anfang Februar, als es für wenige Tage so aussah, dass Martin Schulz ihn aus dem Auswärtigen Amt verdrängen würde, zu zeigen, dass er sich doch mit Anstand ins Glied begeben kann, ganz ohne nachzutreten. Zum anderen bestimmte er so selbst die Schlagzeilen seines Abtritts – ganz so wie er es, aus Sicht der SPD-Führung misslicher Weise – im Januar 2017 tat, als er die Kanzlerkandidatur und den Parteivorsitz gleichsam per Exklusiv-Interview Schulz übergab. Gabriel schloss mit den Worten, er wünsche der neuen Bundesregierung insgesamt, seinem „Nachfolger“ im Auswärtigen Amt und seiner Partei von Herzen Erfolg für die Bewältigung der großen Herausforderungen. Auch das gehört zu Gabriel: Nahles und Scholz wollten die Nachfolgefragen erst am Freitag verkünden und erwähnten, wie zu hören war, auch Gabriel gegenüber seinen Nachfolger nicht. Da er daraufhin aber nur seinen „Nachfolger“ erwähnte und nicht, wie bei Sozialdemokraten üblich, eine mögliche Nachfolgerin, befeuerte er das mediale Personalspiel.

          Befeuerung des medialen Personalspiels?

          Als er am Nachmittag dann anlässlich des Besuchs des bosnischen Außenministers vor die Presse trat, legte er nach: Auf die Frage, mit welchem Gefühl er selbst das Ministerium verlasse und was er von seinem Nachfolger Heiko Maas hielte, biss er sich nicht auf die Lippen, sondern sagte: „Wenn es stimmt, dass er der neue Außenminister werden soll, dann mit einem ausgesprochen guten Gefühl.“ Und: „Er wird das exzellent machen.“ Ironie der Geschichte: 2013 war es Gabriel, der Maas, dessen saarländische Karriere in der Sackgasse gelandet war, aus Saarbrücken nach Berlin holte und diesen zum Justizminister machte.

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