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Sicherungsverwahrung : Der böse Wolf

Wären die Alarmsignale erkannt worden. Bei so vielen Fällen lässt sich das rückblickend sagen.

Eine Schlimme Kindheit macht noch keinen Straftäter

Rieken war verheiratet, er hatte Kinder. Auch er verwies auf seine schlimme Kindheit: „Ich glaube, dass die ganzen Ursachen dafür in meiner Kindheit liegen.“ Schläge, Missbrauch, Verwahrlosung. So sah das auch der Mörder Frank Gust. „Gust hat alle möglichen Angaben gemacht, um darstellen zu können, wie schwer seine Kindheit gewesen ist. Nirgendwo konnten diese Hinweise objektiviert werden“, sagt Osterheider. „Er hat einen Bruder, der in der gleichen Umgebung groß geworden ist, und der ist nicht straffällig geworden.“ Eine schlimme Kindheit, wenn es sie denn gab, macht noch keinen Straftäter.

Professor Gerhard Roth vom Institut für Hirnforschung der Universität Bremen sagt, bei allen Gewalttätern finde man frühe Hirnschädigungen. „Traumatisierungen wie sexueller Missbrauch, schwere Erniedrigungen, Vernachlässigungen, körperliche Gewalt führen zu deutlichen Schädigungen in wichtigen Teilen unseres Gehirns.“ Bei Schwerverbrechern, unter ihnen wenige Prozent Psychopathen, finde man neben solchen Schädigungen zudem besondere genetische Vorbelastung. „Es gibt kein Schwerverbrecher-Gen, aber es gibt genetische Abänderungen, die für eine Traumatisierung empfänglicher machen.“ Schädigungen seien in vielen Teilen des Gehirns vorhanden. Psychochirurgie sei deshalb zurzeit aussichtslos, besser seien psychotherapeutische Maßnahmen, „aber auch da ist man erst ganz am Anfang“. Betrachte man die Täter rein klinisch-neurobiologisch, sagt Roth, „dann können sie nichts für ihr Tun“.

Freier Wille? Osterheider sagt: „Ich bin kein Freund davon, zu sagen, das ist alles erklärbar, die haben ein Problem mit der Amygdala - so wie es Neurobiologen vertreten. Dann kann ich mich trotzdem so verhalten, dass ich sozialadäquat lebe.“

Als Gust acht Jahre alt war, begann er, Tiere zu quälen und zu töten. Für forensische Psychiater ist so ein Verhalten ein Warnzeichen - nur, dass sie immer erst mit den Kindern zu tun bekommen, wenn diese schon zu Vergewaltigern und Mördern geworden sind. Männer, die ihre Phantasien seit ihrer Kindheit haben. Zehn, zwanzig, dreißig Jahre. Die sie ausgelebt haben. Und die ihre Taten wie einen Pornofilm vor ihrem inneren Auge ablaufen lassen.

Gust schnitt Tiere auf. Meerschweinchen, Kaninchen, Pferde. Er betastete die Eingeweide, mochte das Gefühl, die Wärme, wenn er mit den Händen in die Bauchhöhle fasste. Er träumte, ganz in die Körper zu kriechen. Schließlich stieg er in Leichenschauhäuser ein, schnitt Leichname auf. Sie waren ihm zu kalt. Als ihm 2000 der Prozess gemacht wurde, hatte Gust drei Frauen gequält, bestialisch verstümmelt, ermordet - und zudem die Tante seiner Frau umgebracht, weil sie zu viel wusste. Wenn er mit seiner Ehefrau schlief, dachte er an seine Taten. Sonst ging es nicht. Sein größter Wunsch war es, einer sterbenden Frau an das pochende Herz zu fassen.

Schutz vor namenlosen Wölfen

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