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Sexualerziehung Denn sie wissen nicht, was es ist

Was in den Schulbüchern über Sex steht, hilft den Lehrern oft nicht weiter. Denn ihre Schüler haben im Internet schon so viel gesehen und gelesen, dass es nur noch darum geht, über Pornographie aufzuklären.

© Eva Z. Genthe/VISUM Vergrößern Ganz ohne Scham: Heute wird auf Facebook gekritzelt

Es ist kurz vor den Weihnachtsferien. Für die Schüler einer sechsten Klasse in Frankfurt beginnt in der Biologiestunde eine neue Unterrichtseinheit: Sexualkunde. Zu Beginn schreibt die Lehrerin die Ergebnisse einer Umfrage an die Tafel, welche Themen die Schüler bis zum Ende des Schuljahrs behandeln möchten: Sechs Schüler entschieden sich für „Sexualität“, einer für „Den Körper kennenlernen“. Während sie noch schreibt, ruft ein Junge dazwischen: „Also, ich hab’ einen Penis!“ Die Lehrerin schreibt ungerührt weiter. „Ja, wir wollen wissen, wie ,es‘ geht“, setzt ein anderer nach. „Wie was geht?“, fragt die Lehrerin nun zurück. „Na, wie man die Nudel da rein kriegt!“ Man merkt dem Jungen die Freude an der Grenzüberschreitung an. Er feixt. Einige andere lachen. „Sag’ doch einfach ,Geschlechtsverkehr‘“, antwortet die Lehrerin, noch völlig ruhig, und wendet sich wieder der Tafel zu.

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Eine angemessene Sprache über dieses Thema zu finden, ist das Ziel der ersten Stunden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, und erst einmal wird die Situation gründlich eskalieren. Die Lehrerin dreht sich um und schreibt weiter: Vier Schüler wünschten sich „Hunde“ als Thema, eine Stimme fiel auf „Haustiere“, eine auf „Ernährung“, eine auf „Liebe“ und eine auf „Gefühle kennenlernen“. Mehrheitlich entschieden sich die Schüler also, wie sie es erwartete, für das Thema Sexualität. Eine typische Aufteilung sei das, sagt die Lehrerin später, denn im Alter zwischen elf und 13 Jahren sei die Hälfte der Kinder noch klein und an „kuscheligen“ Themen interessiert, während sich die andere rasend schnell entwickele und schon mitten in der Pubertät stecke.

Zur Einstimmung versucht die Klasse eine Art Brainstorming. In Kleingruppen, nach Jungen und Mädchen getrennt, sollen die Schüler auf ein Plakat schreiben, was ihnen zum Thema Sexualität einfällt. In roten Lettern prangt das Wort in der Mitte. Nur langsam reihen sich - zum Teil bizarre - Stichwörter darum. An einem Tisch unterhalten sich drei Jungen lieber leise weiter über ihre Beyblades, kleine bunte Metallkreisel, die die Kinder sammeln. Später kritzeln sie schnell ein paar Kapitel-Überschriften aus dem Biologiebuch auf ihr Plakat.

„Ich weiß gar nicht, was die meinen“

Am Nachbartisch jedoch geht es sofort ums Ganze: „Die Frau zum Schreien bringen“ und „3er“ sind noch die harmlosesten Themen, die den Jungen einfallen. Auf den Plakaten der Mädchen finden sich viele ähnliche, aber auch einige andere Stichwörter, die man bei den Jungen vergebens sucht: „Love“ zum Beispiel, „Baby“, „Fühlen“, aber auch: „Schmerzen“. „Oh nein, schreib’ das nicht“, kreischt ein Mädchen dazwischen. Der Lärmpegel in der Klasse ist mittlerweile enorm. „Sie sind sehr aufgeregt“, sagt die Lehrerin verständnisvoll.

Anschließend sollen die Kleingruppen ihre Ergebnisse erläutern. Ein Junge geht nach vorne an die Tafel und hängt eines der Plakate auf. „Analsex“ steht darauf. „Das ist, wenn man die Frau von hinten nimmt“, sagt er, und bricht vor Lachen fast zusammen. Das nächste Stichwort lautet „Dieldo“. „Das ist so ein Teil, das man sich bei Beate Uhse kaufen kann.“ Wieder schüttet er sich aus vor Lachen. „Jetzt beruhige dich mal ein bisschen“, mahnt die Lehrerin. Von hinten rufen Schüler dazwischen: „Sag Vibrator, Mann!“ Ein Mädchen beugt sich zu seiner Nachbarin und flüstert: „Ich weiß gar nicht, was die meinen.“ Noch einen Augenblick schweigt die Lehrerin dazu.

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