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Sexismus-Debatte Brüderle schweigt lieber

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle hat es abermals abgelehnt, zur jüngsten Sexismus-Debatte Stellung zu nehmen. Zuvor hatte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles verlangt, Brüderle müsse sich „endlich erklären“.

© dpa Der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle an diesem Mittwoch

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle hat eine öffentliche Klarstellung oder Entschuldigung gegenüber der „Stern“-Redakteurin Laura Himmelreich abgelehnt. „Ich bitte einfach, meine persönliche Entscheidung zur Kenntnis zu nehmen“, sagte Brüderle am Mittwoch auf entsprechende Nachfragen bei einem Pressetermin in Berlin, an dem auch die Journalistin teilnahm. Die Reporterin hatte in einem Bericht geschildert, wie Brüderle sich ihr gegenüber angeblich anzüglich geäußert hatte.

Auf weitere Nachfragen von Journalisten meinte Brüderle nun, es sei in der Demokratie legitim, dass öffentliche Diskussionen geführt werden. „Sexismus ist eine Debatte, die läuft.“ Zum konkreten Fall werde er aber nichts sagen. „Ich habe mich bisher nicht zu dem Thema geäußert und werde das auch nicht tun“.

Nahles verlangt Stellungnahme

Zuvor hatte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles von Brüderle eine Stellungnahme zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen verlangt. Brüderle müsse sich „endlich erklären“, sagte  Nahles „Spiegel online“. Wenn alles „wirklich so  passiert“ sei, wie von der „Stern“-Reporterin geschildert, dann habe Brüderle „eine Grenze überschritten“. Nahles monierte, die FDP habe „ein Frauenproblem“. Die FDP habe  „die wenigsten weiblichen Abgeordneten im Bundestag und in Führungspositionen - und das seit Jahrzehnten“, sagte die SPD-Generalsekretärin.

Frau Nahles begrüßte die öffentliche Debatte, die durch die Veröffentlichung der Vorwürfe der „Stern“-Reporterin entstand, wandte sich jedoch gegen gesetzgeberische Konsequenzen. „Per Dekret lässt sich Sexismus nicht aus der Welt schaffen“, sagte Nahles. Die aktuelle öffentliche Debatte sei „genau richtig“.

Rösler nennt Vorwürfe „durchsichtig und haltlos“

Diese hat nach Ansicht der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Ursula von der Leyen,  „das Bewusstsein für die roten Linien geschärft“. Die jüngste Berichterstattung zeige, „dass ein Nerv getroffen wurde“, sagte die Bundesarbeitsministerin. Viele Frauen hätten Belästigungen erlebt und äußerten dies nun auch: „Besonders schlimm sind Übergriffe, die in einem Abhängigkeitsverhältnis stattfinden“, fügte die CDU-Politikerin hinzu.

Die Vorsitzende der Bundesvereinigung Liberaler Frauen, Doris Buchholz, riet Frauen zur Gegenwehr. „Frauen müssen sich wehren“,  sagte sie der „taz“. „Sonst fühlt sich der  Belästigende als Sieger. Und wird schon ein paar Tage später den nächsten dummen Spruch machen.“ Buchholz begrüßte, dass zehntausende Frauen im Internet von Belästigungen erzählten: „Sexismus und Abwertung findet man in allen gesellschaftlichen Bereichen. In der Politik, in der Wirtschaft, in der Werbung.“ Zu den Vorwürfen gegen Brüderle äußerte sich Buchholz nicht. „Es ist nichts bewiesen“, betonte sie.

Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler nannte die Kritik an Brüderle „durchsichtig und haltlos“. Auch Rösler sah ein „breites Bedürfnis“, über Sexismus zu diskutieren. Dies solle aber nur auf Sachebene „und nicht mit aggressiver Polemik“ geschehen, sagte er dem „Kölner Stadtanzeiger“. Zugleich nahm er Brüderle gegen die erhobenen Vorwürfe in Schutz. „Das ist eine Kampagne gegen die gesamte FDP“, sagte Rösler. Am Montag hatte bereits das FDP-Präsidium Brüderle den Rücken gestärkt.

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Holger Zastrow machte einen wachsenden Zusammenhalt in den eigenen Reihen seit Erscheinen des Artikels aus. „Jeder normale Bürger erkennt, dass es offensichtlich eine komische Inszenierung gegen Brüderle und die FDP ist“, sagte Zastrow der „Bild“-Zeitung. Es sei erkennbar, dass „an dieser Geschichte etwas faul ist“.

Das FDP-Bundesvorstandsmitglied Manuel Höferlin sagte dem Blatt: „Die Vorwürfe schaden uns nicht, im Gegenteil: Sie schweißen die FDP eher zusammen und stärken uns.“

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Quelle: FAZ.NET mit dpa/AFP

 
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