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Seehofer zu Turbo-Abitur G8 nicht diffamieren, sondern optimieren

 ·  Bayerns Ministerpräsident Seehofer schließt eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium aus. Er wandte sich außerdem gegen Überlegungen, bayerischen Gymnasien die Wahl zu geben, ob sie einen acht- oder einen neunjährigen Weg zum Abitur anbieten.

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Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer will am achtjährigen Gymnasium (G8) festhalten. Das G8 werde „nicht diffamiert, sondern optimiert“, sagte Seehofer in München. Er wandte sich gegen Überlegungen, auch in Bayern Gymnasien die Wahl zu geben, ob sie einen acht- oder einen neunjährigen Weg zum Abitur anbieten. Seehofer stützte damit die Linie seines Kultusministers Ludwig Spaenle (CSU), der auf Korrekturen innerhalb des G8 setzt. Allerdings soll im kommenden Schuljahr in Modellversuchen erprobt werden, Gymnasiasten in der Mittelstufe ein freiwilliges zusätzliches Jahr, ein „Intensivierungsjahr“, zu ermöglichen, ohne dass sie als Wiederholer gelten.

Seehofer reagierte damit nicht nur auf die Festlegung seines Koalitionspartners FDP, der jede Rückkehr zum G9 strikt ablehnt. Er nahm auch Rücksicht auf die wachsende Skepsis in seiner Partei über die Entscheidung der CDU/FDP-Regierung in Hessen, die Gymnasien vom Schuljahr 2013/2014 an zwischen G8 und G9 wählen zu lassen. Eine solche Optionsmöglichkeit berge mehr Risiken als Chancen, auch mit Blick auf die Landtagswahl im kommenden Jahr, wurde in der CSU befürchtet. In Bayern wurde das G8 nach einer sehr kurzen Vorbereitungszeit zum Schuljahr 2004/2005 eingeführt. Die abrupte Abkehr vom G9 führte zu einer erheblichen Verärgerung bei Eltern, die eine Ursache für den Verlust der absoluten Mehrheit der CSU 2008 war.

Die Regierung Seehofer hat schon in dieser Legislaturperiode mit Korrekturen innerhalb des G8 versucht, Unmut zu dämpfen. Im vergangenen Jahr wurden für die Schüler des G8 nachträglich die Anforderungen für das Bestehen des Abiturs gesenkt. Spaenle verwies darauf, dass es sich um den ersten Abschlussjahrgang des G8 handele; es liege eine „historische Sondersituation“ vor, die eine „Nachsteuerung“ rechtfertige. Auch in diesem Schuljahr gab es einige Unruhe über die Zahl der G-8-Schüler, die das Abitur nicht bestanden haben (3,7 Prozent der Prüfungsteilnehmer); eine „Nachsteuerung“ fand aber dieses Mal nicht statt. Die Opposition verweist darauf, dass beim G9 die Durchfallerquote bei einem Prozent gelegen habe; das zeige, dass es Konstruktionsfehler beim G8 gebe. Beunruhigend sei auch, dass die Spreizung zwischen guten und schlechten Abiturienten mit der Einführung des G8 zugenommen habe.

Zu den Anstrengungen der CSU/FDP-Regierung, das G8 möglichst nicht zu einem Streitpunkt im Landtagswahlkampf werden zu lassen, gehört auch die Ankündigung von Spaenle, schon zum kommenden Schuljahr einen überarbeiteten Lehrplan für die Gymnasien in Kraft zu setzen. Die Rede ist von „moderaten“ Änderungen. Bis 2015 soll der Lehrplan dann grundlegend „weiterentwickelt“ werden, mit einer stärkeren „Kompetenzorientierung“.

Eine Schlüsselfrage bei den Korrekturen wird die Ausstattung der Gymnasien mit Lehrerstellen sein; das Kabinett Seehofer berät in der kommenden Woche über den nächsten Haushalt. Der Bayerische Philologenverband verbindet die Einführung eines zusätzlichen freiwilligen Gymnasialjahrs - der Verband spricht von einem „Brückenjahr“ - mit der Forderung nach zusätzlichen Stellen. Nach Jahren eines Lehrermangels seien die Wartelisten mit jungen Pädagogen, die auf einen Einsatz an den Schulen hofften, wieder gut gefüllt. Auch die Opposition fordert zusätzliche Stellen für die Gymnasien. Jährlich fielen drei bis vier Prozent der Unterrichtsstunden aus, heben die Grünen hervor; beim G8 summiere sich diese Zeit auf ein halbes Schuljahr. Es müsse deshalb eine Lehrerreserve für die Gymnasien aufgebaut werden, um Unterrichtsausfällen flexibel begegnen zu können.

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Jahrgang 1957, politischer Korrespondent in München.

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