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Schulunterricht Inklusion mit Augenmaß

 ·  Manchem gilt Inklusion als Zauberwort, das eine neue pädagogische Epoche einläuten soll. Erzwungene Gemeinsamkeit aller hilft aber weder den behinderten noch den nichtbehinderten Kindern.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (15)

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Jens Muche
Jens Muche (Me-110) - 18.08.2012 13:57 Uhr

Inklusion fällt in die Rubrik:

Hauptsache wir haben etwas gemacht. Wer glaubt, das behinderte Schüler in einer normalen Klasse genau so leistungsfähig sind, hat mit Behinderten nie etwas zu tun gehabt. Hier wird gern das intelligente rollstuhlfahrende Kind gezeigt, das in der Klasse mit Nichtrollstuhlfahrern sitzt. Die Masse der Behinderten, die nun Opfer der Inklusion werden, ist lern- oder geistigbehindert oder verhaltensauffällig und in einer normalen Schulklasse der Störfall schlechthin. Die Lehrer an Grund- Haupt- Realschulen oder Gymnasien sind mit diesen Schülern überfordert, weil nicht ausgebildet. Die Krücke der Politik ist die ausgebildeten Sonderschullehrer in diese Schulen zu schicken und dort Parallelunterricht zu machen. Die Kindern, denen geholfen werden soll, sind in einer ihrer Behinderung entsprechenden Schule besser geholfen, denn dort sind sie unter Gleichen. Das paßt nur nicht in die Gleichmacherpolitik von Laien.

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Antworten (8) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 23.08.2012 17:28 Uhr
Karla Hesse

Wir reden aneinander vorbei

Ich glaube, Sie verstehen nicht, was ich sagen möchte. 1) Ich vergleiche mich bestimmt nicht mit diesen Kindern und ich glaube, ich weiß wovon ich rede. 2) Es gibt sehr wohl Lernbehinderte an Universitäten, da sind Sie in Unkenntnis. 3) Ja, zufällig bin ich schwerhörig und weiß also auch, dass Gehörlosigkeit keine Lernbehinderung ist... 4) Ich habe beim "an die Hand nehmen" nicht von Kindern geredet, die eine Sonderbeschulung brauchen. Ich habe die ganze Zeit nie von diesen Kindern geredet. 5) Es stimmt nicht, dass Kinder wie ich immer und überall die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Und Inklusion ist, wie ich schon sagte, ein Thema für die ganze Gesellschaft. An der Universität bspw. werden Sie keine I-Lehrer haben und dort gibt es genug Lehrpersonal, das sich weigert, auf Bedürfnisse Einzelner einzugehen. Das Leben geht nach der Schule weiter. Toleranz und Akzeptanz gibt es immer nur dann, wenn Realitäten geteilt werden und Wissen vorhanden ist. Das ist nicht der Fall.

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Jens Muche
Jens Muche (Me-110) - 23.08.2012 13:01 Uhr

@ Karla Hesse „..die dem normalen Unterricht folgen können, die aber lediglich Unterstützung

benötigen.“

Das ist längst der Fall, eben durch den I-Lehrer. Das ist leider nur der geringere Teil der Schüler, die anderen wären in einer Förderschule besser aufgehoben, weil sie dort lebensnaher und auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet unterrichtet werden können. Sie werden dort auch nicht bis zum Ende ihrer Schulzeit „an die Hand genommen“, sondern geschult ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Der größte Teil erlangt den Hauptschulabschluß, einige bekommen sogar einen Ausbildungsplatz oder arbeiten als Hilfskraft. Sie vergleichen sich mit diesen Kindern, das führt zu keinem Ziel. Bedenken Sie, daß bei diesen Kindern die Intelligenzkapazität sehr schnell erschöpft ist. Sie sind nicht in der Lage Zusammenhänge zu erkennen und zu werten. Ich kann mir nicht vorstellen, das Lernbehinderte an einer Uni zu finden sind. Gehörlosigkeit ist keine Lernbehinderung in dem Sinne und Toleranz lernen sie nicht in der Schule.

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Karla Hesse

Ihre Argument...

... wurde verstanden. Mir geht es jedoch nicht um Kinder, die Sonderschullehrer benötigen und eigentlich am normalen Unterricht nicht teilnehmen können, sondern um Kinder, die dem normalen Unterricht folgen können, die aber lediglich Unterstützung benötigen. Ich denke, es ist nicht unmenschlich, von allen Beteiligten, dies im Sinne einer Gesellschaft, in der Behinderte und Nichtbehinderte nebeneinander leben, zu verlangen. Jedoch - und das sieht man nicht nur an dieser Diskussion, sondern auch an meinen Erfahrungen mit anderen Kindern und diversen Lehrern - ist es dies wohl doch. Sehen Sie, wenn die Bereitschaft, eine Mikroportanlage um den Hals zu tragen, schon zu viel verlangt ist, was für tolerante Kinder werden da herangezogen? Und das Leben geht nach der Schule weiter und da gibt es keine Sonderschullehrer mehr, die einen an der Hand halten. Auch Gehörlose und Lernbehinderten gehen an die Uni. Wer sich da vom Gebärdendolmetscher gestört fühlt, hat Toleranz nicht verstanden.

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Jens Muche
Jens Muche (Me-110) - 21.08.2012 12:38 Uhr

@ Karla Hesse „Damit wären alle Beteiligten überfordert und es ist nicht der beste Weg.“

Richtig nur geht es in der Politik nicht darum was für das einzelne Kind gut ist/sein könnte sondern darum keine Sonderschulen mehr unterhalten zu müssen. Somit setzt politisch gewollt eine Gleichmacherei ein die nicht nur die betroffenen Kinder deren Eltern und Lehrer sondern auch deren Mitschüler in starkem Maße betrifft. Der erste Einstieg dazu erfolgte durch die Abschaffung des schulpsychologischen Tests durch Sonderschulpädagogen. Anstelle dessen wurde der I-unterricht eingeführt, der durch Sonderschulpädagogen in der Klasse mit den „normalen“ Schülern zusammen durchgeführt werden soll. Dies ist praktisch nicht durchführbar, weil dann keiner mehr dem Unterricht folgt der für ihn gedacht ist und so wurden diese Kinder für die für sie vorgegebene Zeit aus dem Klassenverband herausgelöst & separat unterrichtet. Dies soll jetzt durch die Inklusion wieder zurückgeführt werden. Den Erfolg können Sie sich selbst ausmalen. Die Kinder, die in solche Klassen gehen müssen, tun mir leid.

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Karla Hesse

Um das mal zu verdeutlichen

Ich bin nicht dafür, dass wahllos behinderte Menschen in Regelschulen integriert werden. Damit wären alle Beteiligten überfordert und es ist nicht der beste Weg. Aber es gibt Beispiele wie mich, bei denen eine Inklusion "erfolgreich" war und in meinen Augen auch der beste Weg. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass einem hier nur Steine in den Weg gelegt werden und es im besten Fall Roulette ist, ob man Unterstützung bekommt oder nicht. Das MUSS besser werden, weil es im Sinne ALLER ist, wenn behinderte Menschen und nichtbehinderte Menschen zusammenleben und aufwachsen. Später wird von Erwachsenen Verständnis gefordert, wo nie welches wachsen konnte. Das merke ich jetzt. Die meisten denken bei Behinderung an Rollstuhlfahrer und bei barrierefrei an Fahrstühle. Viele behinderte Studenten bspw. verstecken ihre Behinderung. Mir sieht man nicht an, dass ich schwerhörig bin und hält mich im besten Fall für kauzig. Ich habe extra den Unterschied markiert zu gleichSEIN und gleichWERTIG...

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Weitere Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen
Karla Hesse

Das muss mir kein Politiker einreden

Ich bin schwerhörig und immer auf eine Regelschule gegangen. Ja, ich brauchte Unterstützung, die teilweise auch umfangreich war. Aber schwerhörig heißt nicht gehörlos und es gibt, wie immer, viele Facetten. Auch andere Behinderungen sind nicht so massiv, dass die Menschen nicht integriert werden und später am Berufs- und Gesellschaftsleben partizipieren können. Behinderte Menschen gehen zur Schule, studieren und arbeiten. Ja, Inklusion bedeutet Aufwand. Ich bin kein Befürworter einer radikalen Inklusion. Aber ich bin froh, dass meine Mutter nicht nachgegeben, mich zu Hause gelassen (wie empfohlen) oder auf eine Sonderschule gebracht hat. Die Schule war nicht leicht, aber ich führe heute kein Leben nur zwischen anderen Schwerhörigen, sondern zwischen allen Menschen. Es gibt Behinderte, die ausgeschlossen werden, obwohl es nicht sein müsste. Allein im Kopf der meisten existieren doch nur Geh- oder geistigbehinderte Menschen. Da kommen sie dann mal mit ihrer nicht sichtbaren Behinderung..

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Jens Muche
Jens Muche (Me-110) - 20.08.2012 17:33 Uhr

@ Karla Hesse „..schwerhörigen und seh-, geh- und lernbehinderten Kindern, die in erster Linie

Unterstützung brauchen,...“

Das versuchen Politiker dem Publikum einzureden. Schwerhörige benötigen i.d.R. jemanden, der sie die Gebärdensprache lehrt, geht in einer normalen Schule im Unterricht nicht. Mit einem stark sehbehinderten bin ich in die Schule gegangen, der hat im laufe der letzen beiden Schuljahre den Anschluß verloren und wechselte auf eine Blindenschule. Gehbehinderte sind nirgendwo ein Problem. Lernbehinderte bremsen die gesamte Klasse aus, denn sie sind auch verhaltensauffällig. Die Lehrkraft in der Grund- u. Hauptschule ist für den Umgang mit ihnen nicht ausgebildet. Diese Kinder sind in einer Förderschule besser aufgehoben, denn dort ist mehr Zeit und die Klassenstärke 10 – 12 Kinder. Diese Kinder können nicht gleichwertig sein, das ist ein frommer Wunsch. Joffrey, ein kleiner Sudanese, sagte zu meiner Frau auf dem Schulhof: „Eine tolle Schule hast du hier, warum hast du mich nicht gleich hierher geschickt.“ Meine Frau ist Sonderschullehrerin.

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Karla Hesse

Gerade nicht erstrebenswert

Es ist in meinen Augen gerade nicht erstrebenswert, immer nur unter Gleichen zu sein. Das ist man später im Leben auch nicht. Und es geht in dieser Diskussion eben nicht nur um die "typischen" Behinderungen, die man "sehen" kann. Es gibt eben nicht nur massenhaft lern- und geistigbehinderte Menschen... Was ist denn mit schwerhörigen und seh-, geh- und lernbehinderten Kindern, die in erster Linie Unterstützung brauchen, aber keine allumfassende Sonderpädagogik? Später sollen sie im normalen (Berufs-)Leben integriert werden, wenn Integration evtl. schon zu spät ist. Man macht es diesen Kindern auch nicht einfacher, sie in Watte zu packen und vor der Realität zu bewahren. Später werden sie nicht nur mit nichtbehinderten Kindern arbeiten und leben. Und umgekehrt sollen nichtbehinderte Menschen Rücksicht nehmen, was sie als Kind nie gelernt haben. Genau, es geht nicht ums GleichSEIN, sondern um GleichWERTIG und um gleiche Chancen.

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Helene Pauli

Augenmaß,

sehr richtig - nicht Anmaßung. Leider haben immer noch viele Entscheidungsträger und auch manche Pädagogen die Illlusion, wenn sie nur den richtigen Knopf drücken (sprich die richtige Methodik/Didaktik), dann wird es keine nennenswerten Probleme mehr in Schule geben.

Zu dieser verhängnisvollen Ein- bzw. Überschätzung kommt noch, dass der Staat nicht bereit ist, viel Geld in die Hand zu nehmen, denn das wäre notwendig. Einmal, müssten die Klassenstärken erheblich sinken (also mehr Lehrer), zweitens müssten die Lehrer anders und besser ausgebildet werden - von der entsprechenden architektonischen Umgestaltung gar nicht zu reden.

Wie bei Pisa und anderen feinen Gängelungsinstrumenten werden nun neue Säue durchs Dorf getrieben: Inklusion und individualisiertes Lernen - der Lehrer als der Freund und Helfer der Schüler. Nett gedacht, verkennt aber eines: Schule bleibt Schule und die ist für die meisten eine Pflichtveranstaltung. Außerdem: Erfolg ist die beste Motivation - schau'n mer mal.

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Karla Hesse

Für alle Menschen

Ich stimme dem Artikel weitestgehend zu. Totale Inklusion ist nicht möglich und es braucht sowieso besseres geschultes Lehrpersonal. Es gibt immer Kinder, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Aber was ich wichtig und richtig an der Inklusion finde (und das hat nichts mit sozialistischer Gleichmacherei zu tun), ist der Gedanke, dass mehr behinderte Menschen frühzeitig den Weg in eine Gesellschaft finden, die auch nichtbehinderte Menschen einschließt. Zu viele Menschen verstecken im erwachsenen Leben ihre Behinderungen und Krankheiten, weil Verständnis nicht zu erwarten ist, wenn man nie in Berührung damit kommt und im eigenen Leben so etwas wie Behinderung kein oder nur ein Randthema ist. Behinderte Menschen sind für die meisten gar nicht existent. Inklusion muss man auf allen Gesellschaftsebenen durchsetzen, im Kopf, auf der Straße, in der Schule. Für alle Menschen.

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Volker Kulessa

die ideologisch bedingte Gleichmacherei

hat ihre Wurzzeln im sozialistischen Weltbild - und dem geht es nicht um die Wohlfahrt der Menschen, sondern ausschließlich nur um die eigenen Macht(ausübung).

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Michael Radloff

an der Lehrerausbildung braucht es nicht zu scheitern

die totale Inklusion ist nicht möglich. Auch wenn Lehrer anders ausgebildet werden und auf die Anliegen der Lehrer und der "gesunden" Schüler keine Rücksicht genommen wird. Eine Schulklasse ist ein Geleitzug. Die Schnellen müssen dranbleiben und die allzu langsamen oder angeschossenen Schiffe ausscheiden. Brutal? Alles andere als das Klassenprinzip wäre Einzeluntericht. Einzelunterricht ist möglich, manchmal lohnend, aber immer teuer.
Entscheiden Sie für sich selbst, ob Sie in der Lerngruppe fahren oder den privaten Skilehrer wollen. Einzel-Förder-Begleitung in der Schule ist vor und nach dem ESM unbezahlbar.

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Christoph Rohde

Totalitäre Homogenisierung aller

Die sozialistische Gleichheitsideologie und ihre Schaden für alle - wir sollen keine geklonten Matrix-Agenten sein, sondern unterschiedliche Individuen. Die Zwangsinklusion steht für einen abartigen Kollektivismus

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 18.08.2012 00:15 Uhr
Michael Schiewack

nichts verstanden

Wer die UN Behindertenkonvention tatsächlich liest wird feststellen, dass es gerade nicht um Gleichmacherei geht. Die Inklusion steht auch nicht für Zwang!

Es geht vor allem um die Möglichkeiten von Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft. Und die sollten sich nicht von denen unterscheiden, die keine Einschränkungen haben.

Und vor allem die Individualität wird in der UN Behindertenkonvention unterstrichen.

So erscheint es wohl zum Vorteil, Dinge vorher ausgiebig zu lesen und danach zu urteilen.

Sonst kann es auch peinlich werden wenn die Wortwahl pseudo-intellektuell gebraucht wird.

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Jahrgang 1962, politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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