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Veröffentlicht: 05.10.2013, 08:26 Uhr

Schulsystem Ungerecht und chaotisch

Einheitliche Schullaufbahnen gibt es in Deutschland nicht. Das beginnt schon bei der Länge der Grundschulzeit. Doch damit nicht genug: Wann ein Schüler in der weiterführenden Schule versetzt wird, ist von Land zu Land verschieden.

von , Berlin
© Ivan Steiger

Eltern und Schüler verzweifeln schon lange, wenn es um die unterschiedlichen Schulsysteme der Bundesländer geht. Es beginnt schon bei der unterschiedlich langen Grundschulzeit: in Berlin sechs Jahre (nur bei einem Wechsel auf ein humanistisches Gymnasium vier Jahre), in den meisten anderen Ländern vier Jahre. Doch damit nicht genug: In jedem Land sind die weiterführenden Schulen anders organisiert. In einigen Ländern gibt es eine Bildungsempfehlung, die sogar bindend ist, in den meisten anderen nicht. Die Oberstudiendirektoren der Gymnasien aller Bundesländer haben in der Bundesdirektorenkonferenz (BDK) jetzt einen Beschluss gefasst, dass die einheitliche Regelung von Bildungsgängen dem Bund übertragen werden und Gegenstand von Koalitionsvereinbarungen sein soll.

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Eine bindende Empfehlung für die weiterführende Schule haben nur Sachsen und Bayern (in beiden Ländern entscheiden die Noten), in Sachsen liegt der geforderte Notendurchschnitt für einen Wechsel auf das Gymnasium bei 2,0. In Baden-Württemberg spricht die Grundschule zwar eine Empfehlung für den Bildungsgang aus, aber das aufnehmende Gymnasium bekommt sie nie zu Gesicht. Durch die Freigabe des Elternwillens durch die grün-rote Stuttgarter Regierung gehen viele Schüler aufs Gymnasium, die eine Hauptschulempfehlung bekommen haben. Die baden-württembergischen Gymnasien berichten übereinstimmend, dass diese Schüler häufig schon im ersten Halbjahr der fünften Klasse scheitern und das Gymnasium spätestens nach einem Jahr wieder verlassen müssen - enttäuscht und gedemütigt. Hätten sie die fünfte Klasse ohne Schwierigkeiten durchlaufen, wäre vermutlich nie ans Tageslicht gekommen, welche Empfehlung die Grundschule ausgesprochen hatte.

Wer entscheidet über die Schullaufbahn?

Durch Studien ist längst erwiesen, dass die prognostische Sicherheit der Grundschulempfehlungen relativ hoch ist. Weil sie häufig auch Kindern aus weniger bevorzugten Schichten zu einem Gymnasialbesuch riet, hatte eine Kommission unter Leitung des Berliner Bildungsforschers Jürgen Baumert der letzten CDU-Regierung in Baden-Württemberg empfohlen, unbedingt an der bindenden Grundschulempfehlung (immer mit Beratung der Eltern verbunden) festzuhalten.

Da in allen anderen Ländern schon längst allein der Elternwille über die weiterführende Schule entscheidet, haben die Oberstudiendirektoren vorgeschlagen, jede abgebende Schule eine Bildungsgangempfehlung aussprechen zu lassen und die dazugehörige Dokumentation mit einem Entwicklungsbericht an die weiterführende Schule zu übermitteln. Schüler mit einer Gymnasialempfehlung müssten dann allerdings auch einen Rechtsanspruch auf einen Platz am Gymnasium haben und nicht wegen Überfüllung abgewiesen werden dürfen. Es gibt nämlich Länder, in denen Schüler bei zu großer Nachfrage auch einer Gesamtschule zugewiesen werden können. In Bremen und im Saarland wird sogar gelost. Im Saarland ist es also möglich, dass ein Kind mit einer Lernbehinderung auf dem Gymnasium aufgenommen wird und hochbegabte Kinder ausgelost werden. Dazu ist derzeit ein Verwaltungsgerichtsverfahren anhängig.

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Quelle: wahlrecht.de
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